Wann wird "Züri plus" erstmals zu sehen sein?
(Lacht) Eigentlich gibt es uns ja schon. Wir strahlen seit anfangs Februar auf dem Kanal 54 terrestrisch ein Testbild aus, das sich in einer Zehnminuten-Schleife dreht. Dieses soll uns helfen, allfällige Korrekturen an den Einstellungen vorzunehmen. Der eigentliche Start ist auf August/September geplant, wobei ich mich ganz bewusst nicht auf ein Datum fixieren will. Sobald wir startklar sind, werden wir on air gehen.
Sie amten als Geschäftsführer der HTV-Fernsehen AG?
Richtig. Die auf die HTV-Fernsehen AG ausgestellte Konzession, die damit bis 1998 das erste Lokalfernsehen der Schweiz, Hasli TV, betrieb, behält ihre Gültigkeit und wird nun mit "Züri plus" erneut auf Sendung gehen.
Die Sendeanlage von "Züri plus" wird in Dübendorf stationiert sein. Wo wird das Studio beheimatet sein?
Zur Zeit haben wir noch kein Studio. Zuerst einmal wollen wir abklären, wofür und ob wir dieses überhaupt brauchen. Das hängt unter anderem davon ab, mit welchen Sendungen wir neben dem von uns produzierten "Globe TV", das bereits auf diversen Lokalsendern läuft, on air gehen werden. Wir sind in Verhandlung - mehr kann und will ich aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.
Wie wird sich das Programm von "Züri plus" zusammensetzen?
Auf keinen Fall möchten wir in der Lokal-TV-Szene als Störenfried auftreten. Daher wollen wir uns auch ganz klar von TeleZüri absetzen. Für's erste bieten wir ein stündiges Wiederhol-Programm an, das sicherlich auch die Region Zürich thematisieren wird. Wie das genau aussehen soll, ob es eine News-Redaktion geben wird und wieviele Leute wir einstellen werden, darauf will ich mich ebenfalls noch nicht festlegen.
Herr Steinmann, geht es vielleicht ein bisschen weniger vage?
Sehen Sie, ich habe Hunderte von Ideen. Nur: Wenn ich die jetzt kommuniziere, werde ich anschliessend darauf behaftet. Und das will ich vermeiden. Ganz klar: Es sind Ideen da, die keine Hirngespinste sind, sondern Hand und Fuss haben. Ebenso klar ist, dass wir im August/September starten werden. Ich sehe unser jetziges Testbild als Oberfläche, auf der sich endlose Möglichkeiten bieten. Und wenigstens einen Teil davon zu realisieren, dass ist unser Ziel. Natürlich kann aber auch ich das Fernsehen nicht neu erfinden...
Woher kommen Ihre finanziellen Mittel?
Hinter "Züri plus" stehen ausschliesslich Privatpersonen. Der Hauptteil der Aktien liegt bei mir und meiner Frau, mit der Konsequenz, dass wir 78 Prozent der Stimmen im Rücken haben. Es ist denn auch diese absolute Unabhängigkeit, in der ich unsere grosse Chance sehe. Grundsatz ist, dass sich der Sender selber finanzieren muss und dafür werden wir uns nach der Decke strecken. Haben wir die Mittel, bauen wir weiter aus - Schritt um Schritt. Schliesslich haben wir im Gegensatz zu TeleZüri kein Verlagshaus im Rücken, das zum Beispiel Quersubventionen via Werbung für die hausinternen Produkte vornehmen kann.
Im Jahr 2004 wird voraussichtlich das Gebührensplitting eingeführt. Mit ein Anstoss, zum jetztigen Zeitpunkt einen Lokalsender zu lancieren?
Der Entscheid, mit "Züri plus" on air zu gehen, war schon vorher gefallen. Wobei wir selbstverständlich zu einem Zustupf nicht Nein sagen würden (lacht). Unser Ziel ist es aber ganz klar, auf eigenen Beinen zu stehen. "Züri plus" will sich über Werbung finanzieren, wobei wir uns aber auch eine Zusammenarbeit mit allfälligen Medienpartnern vorstellen könnten.
Sie haben eine Sportlerkarriere als Fünfkämpfer hinter sich. Wie kommen Sie zum Medium Fernsehen?
Nun, als Sportler hatte ich ja bereits viel Kontakt mit Journalisten (lacht). Mit der Beendigung meiner Karriere habe ich vor drei Jahren eine TV-Produktionsfirma gegründet. Und nachdem ich mit "Globe-TV" ein Format produziere, das rentiert, was ja schon einiges heissen will, habe ich zumindest einen Einstieg geschafft. Natürlich gibt es viele Leute, die sehr viel mehr zum Thema Fernsehen wissen als ich. Ich bin aber der Meinung, dass jeder seinen eigenen Weg gehen soll und dabei ruhig auch mal ins Fettnäpfchen treten darf.

