Herr Lebrument, Roger Schawinski beansprucht den Markennamen Radio Grischa (persoenlich.com berichtete). Hat Sie dies überrascht?
Nachdem es bereits ein Radio Alpin FM in Bayern gibt, musste wohl ein neuer Name gefunden werden. Dabei waren unsere Mitbewerber nicht besonders einfallsreich.
Werden Sie für den Namen kämpfen?
Selbstverständlich. Denn Radio Südostschweiz ist Radio Grischa. Der Markenname Radio Grischa ist fest verankert und wir nutzen ihn. Im Übrigen geht der Name Radio Grischa auf den Ausspruch «Viva la Grischa» zurück und die Bündnerinnen und Bündner wollen den Kantonsnamen nicht nach Zürich oder sonst irgendwohin vergeben. Umgekehrt glaube ich auch nicht, dass die Zürcherinnen und Zürcher den Wunsch verspüren, ihren Kanton umzubenennen.
Roger Schawinski sagt, Sie hätten Radio Grischa in den vergangenen fünf Jahren nicht mehr genutzt. Stimmt das und wenn nicht, wo haben Sie ihn gebraucht?
Im Gegenteil wurde der Markenname oft gebraucht. Augenfällig unter anderem auf diversen Webseiten. Auch auf eigenen Publikationen und auf dem Sender wurde und wird er verwendet.
«Wir verspüren eine tolle Unterstützung aus der Bevölkerung»
Anfang des nächsten Jahres will Schawinski mit seinem Radio starten. Wie kämpfen Sie dagegen an?
Wir haben Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Weil die Gesuche praktisch gleichwertig sind und wir einige Unstimmigkeiten in der Verfügung des Uvek gefunden haben, rechnen wir uns gute Chancen aus, die Konzession zu erhalten. Ausserdem verspüren wir eine tolle Unterstützung aus der Bevölkerung.
Sie haben auch eine Unterstützungspetition für Radio Südostschweiz lanciert (persoenlich.com berichtete). Wie viele Menschen haben bereits unterschrieben?
Die Petition wurde von einem Unterstützungskomitee lanciert, dem einheimische Exponenten aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport angehören. Die Motive zur Unterstützung der Petition, wozu übrigens auch viele Gäste auch aus dem Zürcherischen gehören, sind immer dieselben. Sie wollen nicht, dass Roger Schawinski hier ein Regionalradio betreibt und sie wollen auf keinen Fall, dass die Konzession faktisch nach Zürich vergeben wird. Innerhalb von nur drei Monaten haben daher 12'519 Personen unterzeichnet. Es handelt sich damit um eine der erfolgreichsten Petitionen, welche in der Region Südostschweiz-Glarus je zustande gebracht wurde. Selbst die Unterschriftensammlung, die 1988 zur Gründungsunterstützung von Radio Grischa gestartet wurde, wurde deutlich übertroffen. Auch im Vergleich mit anderen Volksrechten schneidet die Petition sehr gut ab. Für eine Verfassungsinitiative im Kanton Graubünden etwa werden 4000 Unterschriften benötigt, wobei man für das Sammeln allerdings ein Jahr Zeit hat.
«Es wird schwierig, an den Kooperationswillen der Mitbewerber zu glauben»
Haben Sie auch schon über eine Möglichkeit einer Zusammenarbeit nachgedacht? Und wie könnte eine solche aussehen?
Selbstverständlich. Aber mit der neu eröffneten Markenrechtsfront wird es schwierig, an den Kooperationswillen der Mitbewerber zu glauben.
Werden Sie Radio Südostschweiz auch ohne Konzessionsgelder weiterführen?
Sollte der Konzessionsstreit nicht zu unseren Gunsten ausgehen, würden wir das Radio, wenn auch in einer anderen Form, weiterführen.
Wie fest beansprucht Sie diese Auseinandersetzung mit Roger Schawinski?
Um den Jakobsweg zu absolvieren, würde die Zeit noch nicht ausreichen.
Lesen Sie hier das Interview mit Roger Schawinski.

