Herr Schawinski, Unterstützer von Radio Südostschweiz wollen eine Petition mit 12'519 Unterschriften gegen Ihr Projekt einreichen (persoenlich.com berichtete). Beeinflusst dies Ihre Planung?
In keiner Weise. Diese Aktion ist in höchstem Mass unbeholfen, ja lächerlich. Als Argument für ihr Anliegen führt Silvio Lebrument einzig auf, dass ich Zürcher sei – allerdings mit längeren Bündner Wurzeln als die gesamte Lebrument-Familie. Deshalb soll der Bundesrat einen Entscheid aufgrund einer schweizweiten Ausschreibung ändern? Ghats no? Das Konzessionsverfahren des Bakoms ergab, dass unser Gesuch besser war. Zudem liefern wir mehr Angebots- und Meinungsvielfalt, wie es im Art. 45 des Radio- und Fernsehgesetzes gefordert ist. Der Fall ist also klar. Somedia hat diese Petition während Monaten über all ihre Medien gepusht und damit auf missbräuchliche Weise falsche Erwartungen bei der Bündner Bevölkerung geweckt.
Sie beanspruchen den Namen Radio Grischa für Ihren Sender. Gemäss Somedia wird dieser Name immer noch von Ihnen genutzt. Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie mit diesem Namen auf Sendung gehen?
Somedia hat den Namen Radio Grischa 2015 aufgrund eines Verwaltungsratsentschlusses offiziell beerdigt. Alle Medien des Monopolunternehmens wurden auf Südostschweiz getrimmt. Wer jedoch eine Marke während fünf Jahren kommerziell nicht nutzt, der verliert das Recht darauf. Diese Nichtnutzung haben wir mit einer internationalen Recherche eines spezialisierten Unternehmens gegenüber dem Amt für Geistiges Eigentum belegen können.
«Für uns war Radio Alpin immer nur ein Platzhalter»
Aber Somedia sagt, Sie würden den Namen Radio Grischa weiterhin verwenden.
Dass Somedia nun den Namen Radio Grischa nach unserem Löschungsantrag ausgegraben hat, ist mehr als peinlich. Es zeigt, dass man dort erkannt hat, wie falsch man mit der damaligen Namensänderung gelegen ist. Wenn Silvio Lebrument im persoenlich.com-Interview jetzt behauptet, sie hätten den Namen Radio Grischa in den letzten Jahren «oft gebraucht», dies sei «augenfällig auf unseren Webseiten», ist das klar gelogen. Das wurde erst nach unserem Löschungsantrag gemacht und ist rechtlich wirkungslos. Für uns war Radio Alpin immer nur ein Platzhalter. Wenn Silvio Lebrument nun erwähnt, wir würden ihn wegen eines ähnlich klingenden Radios in Bayern nicht verwenden können, macht er sich lächerlich. Eine nur in Deutschland geschützte Marke ist in der Schweiz nutzbar, was er als gelernter Jurist eigentlich wissen müsste. Dies haben wir bereits bei der Wahl des Namens Radio 1 erlebt. Diese Marke wird in Europa in über 15 Ländern verwendet und war in der Schweiz frei verfügbar.
Wann ist dies entschieden?
Somedia will alles verzögern, nicht nur die Markenfrage. Auch bei ihrer Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht werden von ihrem Anwalt laufend Fristenverlängerungen verlangt. So hofft man, möglichst lange die eigene Pfründe erhalten zu können. Das ist alles sehr, sehr durchsichtig.
Wie weit sind Ihre Vorbereitungen? Haben Sie bereits Mitarbeitende, einen Sendeleiter und Studios?
Wir sind in ersten Gesprächen. Richtig loslegen beim Personal werden wir in der zweiten Jahreshälfte. Beim Studio sind wir schon weiter. Da läuft die Planung. Der Ort des Studios ist ein echter Hammer!
Radio Südostschweiz will die Konzessionserteilung an Sie gerichtlich anfechten. Wie fest beeinträchtigt dies Ihren geplanten Sendestart am 1. Januar 2025?
Wir gehen davon aus, am 1. Januar 2025 auf Sendung gehen zu können. Aber es handelt sich um eine rollende Planung.
«Bei uns ist es eine Sache mit Herzblut»
Was würde es für Sie bedeuten, sollte Radio Südostschweiz ohne Konzession weitersenden?
Silvio Lebrument hat mehrfach erklärt, dass sie das tun werden. Ich freue mich darauf, zeigen zu können, dass wir das bessere Radio machen werden. Bei uns ist es eine Sache mit Herzblut, nämlich der Kampf gegen ein hässliches regionales Monopol.
Ist eine Zusammenarbeit mit Radio Südostschweiz ausgeschlossen?
Ich habe dies bei einer Sitzung direkt nach der Konzessionsvergabe für den kommerziellen Bereich vorgeschlagen und mehrere konkrete Vorschläge präsentiert. Silvio Lebrument hat alles kategorisch abgelehnt. Er forderte im Gegenzug ein Joint Venture, was eine krasse Verletzung der uns erteilten Konzession gewesen wäre. Das Radio sollte unter dem bisherigen Namen in ihren Studios weitersenden. Und mir bot er tatsächlich grosszügigerweise das Amt des Präsidenten eines Beirats an. Das war grotesk! Ich erkannte, dass die Lebruments überhaupt noch nicht begriffen haben, was passiert ist. Schade.
Wie fest beanspruchen Sie momentan die ganze Planung und die rechtliche Auseinandersetzung?
Ich bin zeitlich und emotional total involviert. Widerstand bin ich gewohnt und lasse mich nicht an die Wand klatschen, wie es die Lebruments mit den kleinen Verlegern im Bündnerland gemacht haben. Es ist grossartig, ein neues Medium zu kreieren, dies besonders in einer Zeit, wo überall gespart wird und Leistungen abgebaut werden müssen. Das ist reines Adrenalin für mich.

