11.08.2026

Watson

«Wir schonen einander nicht. Im Gegenteil»

Watson versteht sich als All-Channel-Organisation, die sämtliche Distributionskanäle gleich behandelt, egal ob Search oder Social, Web oder App. Chefredaktorin Nadine Sommerhalder und Stellvertreterin Seline Meier über hektische Newslagen, das Markenversprechen von Watson und die Dynamik, als Freundinnen zusammenzuarbeiten.
Watson: «Wir schonen einander nicht. Im Gegenteil»
«Gerade zu Beginn unserer engen Zusammenarbeit mussten wir klären, wann wir Kolleginnen und wann wir Freundinnen sind» (v.l.): Nadine Sommerhalder, Chefredaktorin von Watson Deutschschweiz, und Seline Meier, stellvertretende Chefredaktorin von Watson Deutschschweiz. (Bild: Daniel Künzli)

Frau Sommerhalder, Frau Meier, wer von Ihnen beiden ist die Chefin im Newsroom von Watson?
Nadine Sommerhalder: Ich trage als Chefredaktorin die publizistische Gesamtverantwortung für Watson in der Deutschschweiz. Im Alltag führen wir die Redaktion gemeinsam mit klar verteilten Verantwortlichkeiten.

Wie muss man sich das vorstellen?
Seline Meier: Als stellvertretende Chefredaktorin verantworte ich das tägliche Themensetting und die Newsplanung. Ich entscheide, welche Geschichten wann, in welcher Form und auf welchem Kanal erscheinen. Das verlangt schnelle Entscheidungen, klare Prioritäten und einen permanenten Austausch mit allen Ressorts und Kanälen.

«Wir stimmen uns laufend ab»

Heisst das, Sie entscheiden manchmal auch ohne Rücksprache mit Frau Sommerhalder?
Meier: Wir stimmen uns laufend ab. Aber im hektischen Tagesgeschäft kann nicht jede Entscheidung gemeinsam gefällt werden. Dann entscheidet jede von uns eigenständig in ihrem Verantwortungsbereich.

Sommerhalder: Genau. Gerade weil wir unterschiedliche Verantwortungsbereiche haben, können wir beide eigenständig führen. Wir wissen beide, wofür wir stehen. So können wir uns gegenseitig den Rücken freihalten. Wir sind uns sehr einig, was unser publizistischer Auftrag ist.

Und der lautet?
Meier: «Damit jede und jeder mitreden kann.» Unser Ziel ist, allen Menschen Zugang zu den Informationen zu ermöglichen, die sie brauchen, um sich eine eigene Meinung zu bilden und am demokratischen Prozess teilzunehmen. Deshalb ist Watson kostenlos und dort präsent, wo die Mobile-Generation unterwegs ist – ob über Google Discover, TikTok, Instagram oder WhatsApp.

Sie haben dafür ein neues Redaktionskonzept entwickelt. Warum war das nötig?
Sommerhalder: Unser bisheriges Konzept stellte den Inhalt klar über Form und Kanal. Das war lange richtig. Heute funktioniert dieselbe Geschichte aber je nach Plattform völlig unterschiedlich – auf unserer Website, in der App, auf Social Media oder in Suchmaschinen. Die beste Story auf dem falschen Kanal in der falschen Form ist am Ende nichts wert.

Dasselbe Redaktionskonzept verfolgt auch die Watson-Redaktion in Lausanne?
Sommerhalder: Ja. Das gehört zu unserem Markenversprechen. Wir wollen möglichst viele Menschen an der öffentlichen Debatte beteiligen, und dazu gehört auch, die andere Sprachregion mitzudenken. Wir übersetzen viele Inhalte, arbeiten eng zusammen und sorgen dafür, dass Debatten nicht am Röstigraben enden.

«Die grossen Themen machen an der Sprachgrenze keinen Halt»

Die Redaktionen in Zürich und Lausanne ticken aber doch unterschiedlich?
Sommerhalder: Weniger, als viele vermuten. Die grossen Themen machen an der Sprachgrenze keinen Halt. Wir teilen uns die Arbeit, übernehmen Geschichten voneinander und übersetzen sie. Davon profitieren beide Redaktionen, unser Publikum und letztlich auch der Werbemarkt.

Was bedeutet das konkret für den Redaktionsalltag?
Meier: Bei jeder grossen Newslage fragen wir uns zuerst: Wo muss diese Geschichte jetzt gesehen werden? Wen betrifft sie, wen interessiert sie und auf welchem Kanal erreichen wir diese Menschen am besten? Erst dann entscheiden wir über Format, Gewichtung und Ausspielung.

Wie hat sich der Arbeitsalltag dadurch verändert?
Meier: Wir denken zuerst in Themen, dann in Kanälen und erst danach in konkreten Story-Formaten. Das bedeutet auch, dass nicht mehr jedes Thema auf jedem Kanal erscheinen muss. Das spart am Newsdesk viel unnötige Arbeit.

Sie sind privat befreundet. Wie funktioniert das im Berufsalltag?
Sommerhalder: Viele erwarten, dass wir ständig aneinandergeraten. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall.

«Wir verfolgen dasselbe Ziel und kennen unsere jeweiligen Stärken»

Streiten Sie nie über redaktionelle Entscheidungen?
Meier: Doch, wir diskutieren intensiv. Aber wir verfolgen dasselbe Ziel und kennen unsere jeweiligen Stärken. Gerade deshalb ergänzen wir uns so gut. Das macht unsere Zusammenarbeit sehr effizient.

Sommerhalder: Unsere Aufgaben sind unterschiedlich, greifen aber nahtlos ineinander. Gerade diese Kombination macht uns als Führungsduo stark.

War die Freundschaft jemals ein Nachteil?
Sommerhalder: Gerade zu Beginn unserer engen Zusammenarbeit mussten wir klären, wann wir Kolleginnen und wann wir Freundinnen sind. Dass wir uns so gut kennen, hat uns dabei enorm geholfen. Wir konnten vieles offen reflektieren.

Meier: Wir schonen einander nicht, im Gegenteil. Gerade weil wir uns so gut kennen, können wir kompromisslos ehrlich miteinander sein.


Zu den Personen

Nadine Sommerhalder (40) ist seit 2023 Chefredaktorin von Watson Deutschschweiz. Sie treibt die Modernisierung der Redaktion sowie die Zusammenarbeit mit den Vermarktungsorganisationen voran.

Seline Meier (39) ist seit 2024 stellvertretende Chefredaktorin von Watson Deutschschweiz. Sie verantwortet das Themensetting und die Planung der täglichen Berichterstattung.



Das Interview mit Nadine Sommerhalder und Seline Meier ist zuerst in der persönlich-Printausgabe von Juni/Juli erschienen.


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