28.04.2015

Fritz+Fränzi

"Wir sind auf den sozialen Netzwerken aktiver"

Chefredaktor Nik Niethammer über die 12 Prozent mehr Leser und die Bedürfnisse von heutigen Eltern.
Fritz+Fränzi: "Wir sind auf den sozialen Netzwerken aktiver"

Herr Niethammer, das Magazin "Fritz+Fränzi" konnte gemäss den neusten Mach-Basic-Zahlen zulegen und seine Leserschaft um 12 Prozent von 160'000 auf 179'000 steigern. Worauf führen Sie dies zurück?
Im wesentlichen auf drei Massnahmen: Wir haben unser Profil geschärft, sind heute näher beim Leser. Fritz+Fränzi ist DAS Ratgebermagazin, wenn es um Erziehung, Bildung und die Gesundheit von Kindern geht. Wir ordnen ein, bieten Mehrwert und Hintergrund; mit unseren bis zu 20 Seiten starken Dossiers, mit dem neu eingeführten Monats-Interview und den Reportagen. Zweitens ist das Heft leserfreundlicher, aufgeräumter gestaltet. Wir geben Eltern, Lehrern und Jugendlichen eine Stimme, pflegen den Dialog mit ihnen. Und schliesslich sind wir auf den sozialen Netzwerken messbar aktiver, verlinken eigene und fremde Texte, empfehlen und kommentieren. Wer uns folgt, verpasst keinen Beitrag zu den grossen Familienthemen unserer Zeit.

Wie erkennen Sie die Bedürfnisse der Eltern?
Indem ich viel mit Eltern spreche, sehr viel lese und in mich hineinhöre – ich bin selber Vater von zwei Kindern. Ich will mit unserem Magazin Eltern während der Entwicklung ihrer Kinder Wegbegleiter sein, will ihnen mit Rat und Tipps Entscheidungen erleichtern, auch mal Trost spenden. Ich weiss aus eigener Erfahrung: es hilft enorm zu wissen, dass sich andere Eltern mit denselben Fragen beschäftigen. Man ist nicht allein.

Wer ist Ihr Leser genau?
Unsere Kernzielgruppe sind Eltern von schulpflichtigen Kindern – also von 6 bis zirka 16 Jahren. Generell richten wir uns an alle Erwachsenen, die mit Kindern zu tun haben oder sich für relevante Themen der Kindererziehung und –entwicklung interessieren, also auch an Lehrer, Pädagogen und Grosseltern.

Bedeutet die Steigerung Ihrer Leserzahlen nicht auch eine Rückwendung zur Familie?
Auf jeden Fall. In diesen immer komplizierteren Zeiten sehnen sich viele Menschen nach Rückhalt, nach Einordnung, Vertrautheit, Verlässichkeit. Das sind Werte, die eine intakte Familie sehr wohl vermitteln kann.

Gibt es für eine Fachpublikation wie "Fritz+Fränzi“ überhaupt noch ein Wachstumpotential?
Sicherlich. Jedes Jahr werden allein in der Deutschschweiz rund 50'000 Kinder neu eingeschult. Die Eltern dieser Kinder kennen unser Magazin mehrheitlich noch nicht. Sie zu erreichen, ist eine Herkules-Aufgabe. Vor wenigen Tagen sind wir zum Beispiel eine strategische Kooperation mit einem Partner eingegangen, der mit uns zusammen eine grosse Einschlungsaktion durchführt. Mehr Infos gibt es in Kürze.

Sie sind seit 5 Monaten Chefredaktor von "Fritz+Fränzi". Früher waren Sie in leitender Funktion bei "TeleZüri", "Blick", "Sat1", der "Schweizer Illustrierten" und "Radio 1", also vor allem Publikumsmedien. Wie gross war für Sie der Wechsel in den Special-Interest-Bereich?
In der Nische lebt es sich wunderbar. Ich glaube tatsächlich, dass die Zukunft von Print bei spezifischen Zielgruppen und Themen liegt. Bei einem Special-Interest-Magazin können Sie Balast abwerfen; ich empfinde die Arbeit beim Elternmagazin als äusserst focussiert und konzentriert. Der Wechsel an sich ist gar nicht so gross; ich beschäftige mich heute mit ähnlichen Fragen wie beispielsweise als Chefredaktor der 'Schweizer Illustrierten': Was ist eine gute Geschichte? Wie erreiche ich meine Leser? Oder: Wie gestalte ich das Cover, dass es am Kiosk auffällt?

Vermissen Sie die Hektik der schnellen und boulevardistischen Medien nicht manchmal?
Nein, überhaupt nicht. Ich geniesse den entschleunigten Journalismus bei 'Fritz+Fränzi' sehr. Nicht daran gemessen zu werden, wer eine Nachricht zuerst hat, empfinde ich als angenehm. Sich mit Themen beschäftigen zu können, die einen auch wirklich interessieren, ist eine Genugtuung. Ich kann mich heute auf ein Interview vorbereiten, indem ich vorher zwei Bücher lese, weil ich die Zeit habe. Was für ein Privileg!

Sie pendeln regelmässig zwischen Zürich, wo Sie arbeiten, und Freiburg im Breisgau, wo ihre Familie lebt. Welche Inputs bekommen Sie dadurch für Ihre Arbeit?
Ich fahre gerne Bahn, höre Musik und lese. Dabei entstehen viele Ideen für Geschichten und Interviews. Weil ich 80 Prozent arbeite, erlebe ich meine Familie heute noch intensiver als in früheren Zeiten. Auch daraus ergeben sich immer wieder Anregungen für meine Arbeit.

Welche Persönlichkeit würden Sie am liebsten in näherer Zukunft für "Fritz+Fränzi" interviewen, und warum?
Ich mag den dänischen Familientherapeuten Jesper Juul. Ein kluger Kopf, von dem beispielsweise der Satz stammt: 'Eltern müssen zulassen, dass Kinder ihr Leben bereichern, auch wenn es wehtut.' Ihn würde ich gerne einmal treffen.

Interview: Matthias Ackeret

Bild: zVg.

 



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