Herr Woods, Facebook zählt in der Schweiz bereits 2,5 Millionen Nutzer. Sind das User, die aktiv sind oder die sich einfach mal auf der Plattform registriert haben?
Bei den 2,5 Millionen hier in der Schweiz handelt es sich um keine Karteileichen. Es sind Menschen, die mindestens einmal pro Monat auf Facebook sind. Zählt man die inaktiven User dazu kämen wir auf noch eine grössere Community.
Im Vergleich zu den Nachbarländern ist die Durchdringung von Facebook damit recht gross.
Ja, das kann man sagen: Mehr als 31 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer haben heute ein Facebook-Account. Die Durchdringung ist im Vergleich mit dem grossen Nachbarn Deutschland also ziemlich stark. Spitzenreiter ist aber immer noch die USA: In unserem Heimatland sind 47 Prozent der Bevölkerung Nutzer von Facebook.
Wie sieht das Wachstum aus? Gewinnen Sie ständig noch neue Mitglieder hinzu oder ist die maximale Abdeckung langsam erreicht?
Seit dem Start von Facebook 2004 und der Öffnung über die Universitäten hinaus 2005 - wachsen wir weiterhin stetig. 2009 lagen wir in der Schweiz erst bei etwa 1,7 Millionen Mitgliedern. Die Verdoppelung der User-Zahlen innerhalb eines Jahres zeigt, dass wir viel mehr am Anfang als am Ende der Reise sind. Wir müssen nicht jeden Schweizer vernetzen. Aber es gibt auch hier noch grosses Potenzial. Weltweit zählen wir bereits 500 Millionen Menschen, die sich mindestens einmal pro Monat auf unserer Plattform aufhalten. Unser nächstes Streckenziel ist eine Milliarde User.
Wie aktiv ist die Schweizer Facebook-Gemeinde?
Die Schweizer User sind im Vergleich zur Anzahl der Menschen, die hier leben nicht nur stärker als die Facebook-User in Deutschland, sondern auch aktiver. Von den 2,5 Millionen Nutzern sind etwa 60 Prozent täglich bei Facebook. Die Bevölkerung hierzulande hat den Weg zu uns etwas früher gefunden als die Deutschen. Schweizer Mitglieder kennen unsere Plattform offenbar etwas besser.
Immer mehr Personen der Facebook-Community nutzen den Dienst unterwegs. Wird sich diese Entwicklung so fortsetzen?
Von den über 500 Millionen Usern nutzen uns über 200 Millionen Personen beispielsweise über das Handy. Ich denke, dass dieser Trend zur Mobilität weiter anhält wir sehen das insbesondere in Ländern wie Indonesien. Die Menschen, die uns von unterwegs nutzen, sind übrigens generell interaktiver. Sie teilen viel mehr und updaten häufiger ihren Status. Das Bedürfnis etwas mit seinen Freunden zu teilen wird so grösser und grösser.
Um diesem Bedürfnis entgegenzukommen haben Sie vor vier Wochen "Facebook Orte" lanciert. Wie funktioniert dieses neue Tool?
Wenn ich jetzt beispielsweise an einem Konzert von Lady Gaga oder an einem Marketingkongress hier in Zürich bin, kann ich die Orts-Angabe mit einem Klick auf meinem Profil sichtbar machen. Und alle meine Freunde wissen, wo ich bin. Diese GPS-unterstützte Funktion ist auch für unsere Geschäftskunden sehr interessant. So haben grosse Retailer in den USA angefangen, das virtuelle "einchecken" auf Facebook mit einer Promoaktion, einem so genannten "Facebook Deal", zu verknüpfen. Wer also beispielsweise Anfang November auf "Facebook Orte" angab, dass er in einem GAP-Shop war, bekam eine Gratis-Jeans. Andere Geschäfte offerierten ihren Kunden für das Anmelden auf "Facebook Orte" beispielsweise einen fetten Rabatt an der Kasse.
Gerade letzte Woche haben Sie eine weitere Neuheit angekündigt. Wann wird "Facebook Nachrichten" starten und wie funktioniert dieses Messaging-Tool genau?
Wir haben festgestellt, dass es viele Menschen gibt, die nur über einen bestimmten Kanal, wie beispielsweise übers Handy - also via SMS- kommunizieren, andere wiederum per Email oder Instant Messages. "Facebook Nachrichten" ist ein Universal-Kommunikationsdienst der den Mail-, Chat und SMS-Verkehr in Zukunft verknüpfen wird. Im Mittelpunkt steht die Person, mit der sie kommunizieren und nicht wie und auf welchem Kanal sie mit ihr kommunizieren. Der neue Dienst wird in ein paar Monaten zuerst in den Staaten lanciert, dann auch in Europa.
Wann wird Facebook für die Mitglieder etwas kosten?
Facebook wird nie gebührenpflichtig sein. Es ist unser Ziel, dass wir auch in Zukunft für alle unsere User gratis sein werden. Wir sind eine werbefinanzierte Plattform und das wird so bleiben.
Dann wird Ihre Plattform auch nie ein kostenpflichtiges Premium-Account anbieten, wie das beispielsweise das Business-Portal XING macht?
Wir möchten sämtliche Funktionen für alle unsere Mitglieder gleichermassen anbieten. Auch in Zukunft. Dass uns dies wirklich ein Anliegen ist, beweisen wir mit "Facebook Zero": Dieser Dienst haben wir in Ländern eingerichtet, in denen nur ein geringer Teil der Bevölkerung über einen stationären Internetzugang verfügt. Weil dort aber viele Menschen mit dem Handy unterwegs sind, sich aber kein Surf-Abo leisten können, haben wir zusammen mit den Mobilfunkbetreibern ein System entwickelt über das gratis auf eine "Light-Version" von Facebook zugegriffen werden kann.
Wie wichtig ist für Ihr Unternehmen der aktuelle Film über Zuckerberg? Oder schadet "The Social Network" eher dem Image von Facebook?
Es ist ganz klar, dass das was im Film gezeigt wird Hollywood ist. Ein paar Fakten im Streifen sind richtig, anderes ist hinzugedichtet oder überhöht worden. Ich selbst hab ihn mir auch angeschaut. Selbstverständlich finde ich es interessant dass Hollywood uns zum Thema macht. Das zeigt ja auch wie stark Facebook in der gesellschaftlichen Wahrnehmung angekommen ist.
Wie viele Facebook-Freunde haben Sie persönlich? Und ist Facebook-CEO Mark Zuckerberg auch dabei?
Ich habe gut 800 Freunde. Da ich Amerikaner bin, der in Deutschland aufgewachsen ist, muss ich diese Kontakte gut organisieren. Es macht ja keinen Sinn, wenn meine englischsprachigen Freunde plötzlich deutsche Statusreports lesen müssen. Mit Mark bin ich glaub ich nicht verknüpft. Ich habe andere Wege, wie ich mit ihm kommuniziere.
Interview: Mark Baer

