18.09.2015

Radio Stadtfilter

Zehn Jahre Drang zum Anderssein

Seit diesem Jahr sendet das Kulturradio bis nach Zürich.
Radio Stadtfilter: Zehn Jahre Drang zum Anderssein

Das Lokalradio Stadtfilter feiert Jubiläum: Zehn Jahre sind vergangen seit der Vereinsgründung und den ersten Sendemonaten. Seither spielt das kleine Radio Musik aus Winterthur, berichtet über Sport aus Winterthur und behandelt die Kultur und Politik von Winterthur.

Schon immer hatten die Radiomacher von Stadtfilter den Drang zum Anderssein. Bereits bei der Gründung im Jahr 2005 wollten sich die jungen Radiomacher vom grossen DRS 3 distanzieren. Zu gewöhnlich, zu wenig alternativ war deren Programm für die Winterthurer. Mit einer 30-tägigen Kurzkonzession startete das Radio den Betrieb: unkonventionell und alternativ – anders eben. Die Technik wurde in einer Toilette installiert, das Studio befand sich im Bandraum einer Privatperson im Sulzer-Areal.

200 ehrenamtliche Mitarbeiter

"Damals hatten wir nicht gedacht, dass wir überhaupt eine Konzession erhalten", sagt Jürg Feuz, Gründungsmitglied und Vereinspräsident von Stadtfilter gegenüber persoenlich.com. Anfangs war es noch ein kurzfristiges Projekt. Mittlerweile ist Stadtfilter aus der Winterthurer Medien- und Kulturszene kaum noch wegzudenken. Neun Mitarbeiter sind fest angestellt, der Rest der Arbeit wird von rund 200 ehrenamtlichen Sendungsmachern und Technikern geleistet.

Das Abgrenzen von anderen Stationen zeichnet den Sender noch heute aus. "Radio Stadtfilter unterwirft sich nicht dem Zwang des Massenkonformismus", heisst es im Leitbild. Das Radio wolle denjenigen Platz bieten, die in kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Medien unterrepräsentiert sind.

Seit 2009 hat das Winterthurer Kulturradio ein 24-Stunden-Programm auf einer eigenen Frequenz. Das war eine strenge Zeit, sagt Feuz rückblickend: "Wir mussten den 24-Stunden-Betrieb aus dem Nichts aufbauen und wir waren alle nicht vom Fach."

Mehr Platz für Reportagen

Seit einigen Monaten wird auch auf DAB+ gesendet. Stadtfilter ist nun über den Äther, als Live-Stream und Digital zu empfangen. Es ist ein neuer Abschnitt, der auch neue Herausforderungen mit sich bringt, wie Vereinspräsident Feuz weiss: "Zehn Jahre lang waren wir auf Winterthur fokussiert, nun haben wir auch Zürich als Sendegebiet. Das erfordert natürlich Anpassungen."

Früher verfügte Stadtfilter über ein eigenes Informationsmagazin. "Destillator" wurde von rund zwanzig Personen produziert und lieferte täglich Informationen zu Winterthurer Themen. Heute gibt es den "Destillator" nicht mehr. "Wir mussten die Sendung leider aufgeben. Das war ein harter Schlag. Es war einfach nicht mehr machbar." Die Sendung war zu teuer und benötigte zu viel Zeit, erklärt Feuz seine "grösste Enttäuschung" der vergangenen zehn Jahren.

In die Zukunft blickend sieht der Radiomacher aber wieder mehr Platz für Nachrichten und Reportagen aus Winterthur. Es sei ein Ziel, künftig mit einer neuen Magazinsendung wieder vermehrt politische Themen zu behandeln.

Text: Boas Ruh


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