28.05.2026

Todesfall

Zeichner Orlando Eisenmann ist gestorben

Der Karikaturist prägte mit seinem gezeichneten Welttheater während 26 Jahren das Erscheinungsbild des Bund – und scheute sich nicht, die Mächtigen «in fratzenhafter Verzerrung» darzustellen. Er wurde 80 Jahre alt.
Todesfall: Zeichner Orlando Eisenmann ist gestorben
Orlando an der Arbeit. (Bild: Still aus dem Video «Orlando Eisenmann im Gezeichnet-Portrait»)

Orlando Eisenmann, der langjährige Hauskarikaturist der Berner Tageszeitung Der Bund, ist am 15. Mai 2026 nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren gestorben. Das geht aus einer Todesanzeige hervor. Unter dem Künstlernamen Orlando prägte er während 26 Jahren das Erscheinungsbild der Berner Tageszeitung. Auch für andere Schweizer Zeitungen, insbesondere für die Südostschweiz, zeichnete Eisenmann. Sein Werk erstreckte sich über Jahrzehnte und zahlreiche Publikationen.

Geboren am 16. Februar 1946 in Faido, erwarb Eisenmann zunächst ein Primarlehrerpatent, bevor er 1971 an der Kunstgewerbeschule Luzern das Zeichenlehrerdiplom abschloss. Mit dieser Ausbildung unterrichtete er an der Kantonsschule Zug, wobei er das Pensum stufenweise reduzierte, bis er ab 1985 hauptberuflich als freischaffender Karikaturist und Illustrator arbeitete.

Orlandos Markenzeichen war die Zuspitzung. Er scheute sich nicht davor, die Mächtigen der Welt, wie der Bund in einem Nachruf schreibt, «in fratzenhafter Verzerrung» darzustellen: Bashar al-Assad erhielt Vampirzähne, Donald Trump ein rauchendes Zündholz als Nase – mit dem brennenden Capitol im Hintergrund. Orlando erfand «schwungvolle Striche und einen präzisen Blick für die Physis der Mächtigen und Möchtegerne», wie der Bund 2024 in einem Abschiedstext festhielt. In einem Filmporträt von 2021 beschrieb Eisenmann seinen Ansatz selbst so: Er spiele mit den Personen, die er zeichne, «wie in einem Theater».

Die Arbeit als Zeichner verlangte Flexibilität und Schnelligkeit. Anfragen aus der Bund-Redaktion kamen oft erst gegen Abend – wenige Stunden später lag das fertige Werk im Postfach. «Ein Cartoonist einer Tageszeitung muss auf Anruf kreativ und geistreich sein», schrieb der Bund anlässlich von Orlandos Abschied im Januar 2024: «Eine Kunst, die Orlando zum Vergnügen des ‹Bund›-Publikums meisterlich beherrschte.»

Neben dem Bund zeichnete Eisenmann für den Nebelspalter, die Südostschweiz, für die Luzerner Neusten Nachrichten, die Bündner Zeitung, die Schweiz am Sonntag sowie gelegentlich für die Süddeutsche Zeitung. Seine Werke wurden an Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt, darunter im Karikaturmuseum Basel und im Kornhaus Bern.

Mit Orlando Eisenmann verliert die Schweizer Karikatur eine ihrer prägendsten Stimmen – jemanden, der das Tun der Mächtigen, wie der Bund schrieb, «schonungslos offengelegt» hat. (nil)


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