Die Chefredaktion des "Tages-Anzeigers" wird mit derjenigen der "SonntagsZeitung" zusammengelegt. Der Tagi wird künftig von Alain Zucker geleitet, der aber nicht Teil der Chefredaktion ist. "Die Umstellung ist bemerkenswert, gehörte doch bisher ein Chefredaktor zum Markenzeichen eines Presseerzeugnisses, welches das politische und wirtschaftliche Geschehen analysierend und kommentierend begleitet", schreibt der Journalist Rainer Stadler in der NZZ.
Wenn auch nicht als direkte Sparmassnahme eingeleitet, gehe die Entwicklung doch einher mit dem stetig schrumpfenden Angebot des Tamedia-Flaggschiffes. Durch Kooperationen sei der Abbau bisher mit Kooperationen kaschiert worden, aber Sachdossiers hätten augenmerklich an Bedeutung verloren: "Zu jeweiligen Themen äussern sich nun je nach Lust und Laune verschiedene Zeitungsmitarbeiter. Das förderte im guten Fall die Originalität, im schlechten die Beliebigkeit", schreibt Stadler.
Was bedeutet diese Entwicklung für die Medienvielfalt? Der "Tages-Anzeiger" sei bisher mehr im linken Spektrum, die "SonntagsZeitung" im rechten positioniert gewesen. "Je stärker der Spardruck ist, desto mehr wird allerdings mit einer Homogenisierung der Redaktionen zu rechnen sein", prognostiziert Stadler.
Der bereits sichtbare Trend hin zum "redaktionellen Gemischtwarenladen" werde sich fortsetzen. Das zeigt sich auch im Bemühen, linke Kolumnisten durch rechte zu ergänzen. So ist man auf der Suche nach einer Gegenfigur zum SP-Mann Rudolf Strahm, und beim "Magazin" will man einen Nachfolger des einstigen Gastautors Thomas Held, weiss Stadler. (nzz)
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