Der Media Forward Fund (MFF) hat die Gewinner seiner zweiten Förderrunde bekannt gegeben. Von den sechs geförderten Medien erhalten zwei Schweizer Projekte Unterstützung in der höchsten Förderkategorie von je 400'000 Euro, wie es in einer Mitteilung heisst.
Bajour: Expansion in Basler Vorortgemeinden
Das gemeinnützige Basler Lokalmedium Bajour will mit der Förderung sein «Basel Briefing» auf die zehn einwohnerstärksten Vorortgemeinden von Basel ausweiten. Das Medium erreicht täglich mehr als 20'000 Menschen und versendet seit 2019 sein Basel Briefing per Newsletter.
Das geplante Geschäftsmodell sieht vor, informationspflichtige Gemeinden als finanzielle Kooperationspartner zu gewinnen und gleichzeitig neue zahlende Unterstützende sowie zusätzliche Werbeeinnahmen zu generieren. Die Jury beschreibt Bajours Ansatz als «deep local journalism» und begründet: Das Medium biete «ein in Ton und Sprache zielgruppengerechtes und leicht zugängliches Angebot passend zu den kommunikativen Bedürfnissen der lokalen Zielgruppe». Der Ansatz, Gemeinden als Einnahmequelle zu erschliessen, habe laut Jury «das Potenzial, als Vorbild für lokaljournalistische Innovation für die gesamte DACH-Region zu dienen».
Spatz: KI-gestützte Dorfzeitungen
Die Schweizer Digitalplattform Spatz erhält ebenfalls 400'000 Euro für ihre Skalierungsstrategie. Das Unternehmen baut ein Netzwerk KI-gestützter hyperlokaler Nachrichtenquellen auf, die von und für die Dorfgemeinschaft via Newsletter und WhatsApp verbreitet werden. Die gemeinnützige Medienorganisation will von bisher acht auf mindestens zwanzig digitale Dorfzeitungen im DACH-Raum ausweiten und einen Finanzierungsmix aus Mitgliedschaften und lokalen Werbemärkten etablieren.
Die Jury begründet ihre Entscheidung: «Spatz füllt mit seinen KI-generierten journalistischen Angeboten jene Lücken im ländlichen Raum, die der traditionelle Journalismus hinterlassen hat.» Das Gremium sieht laut Mitteilung «ein interessantes und innovatives Geschäftsmodell mit hohem Skalierungspotenzial, um ländliche und dünn besiedelte Regionen in der Schweiz und darüber hinaus zu versorgen».
Deutsche Projekte
Das deutsche Lokalmedium Loky aus dem Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg erhält ebenfalls 400'000 Euro. Das Medium baut durch Newsletter-Journalismus eine Local News Community auf und will das Berichtsgebiet auf benachbarte Ortsteile ausweiten. Die Jury bezeichnet Loky als «Vorreiter für urbanen Community-Journalismus» und lobt «Leichtigkeit, Neugier und Optimismus als Antwort auf das Phänomen der Nachrichtsvermeidung».
In der neuen Förderlinie für Wissenschafts- und Datenjournalismus erhielten drei deutsche Medien Launch Grants: Twentytwo Film aus Köln (100'000 Euro) für ein Instagram-Format mit Datenvisualisierungen, FragDenStaat (75'000 Euro) für einen Bundespressekonferenz-Tracker und Dekoder (75'000 Euro) für Newsletter-Angebote zu Osteuropa.
Schweizer Medien erhielten in dieser Kategorie keine Förderung.
Österreich ohne Erfolg
Der MFF wählte aus 113 Bewerbungen aus dem gesamten DACH-Raum aus. Keine der 20 österreichischen Bewerbungen schaffte es ins Finale. MFF-Gründungsgeschäftsführer Martin Kotynek kritisiert: «Die staatliche Förderung in Österreich führt Medien auf den Holzweg. Anstatt transformative Ansätze zu belohnen, wird weiterhin stark das Printmodell unterstützt.»
Der Media Forward Fund wurde im Juli 2024 gegründet und ist mit zehn Millionen Euro dotiert. Die nächste Bewerbungsrunde startet am 11. August 2025. (pd/cbe)


