Am 20. Juli 2013 sendete SRF live vom Gurtenfestival. Der SRF-Moderator Robin Rehman und Virus-Moderator Andi Rohrer mischten sich unter das Openair-Volk und stiessen mit einer als witzig gedachten Idee auf Kritik: Andi Rohrer sollte eine Festival-Besucherin finden, die einen Brustumfang von 90 Zentimetern aufweist (persoenlich.com berichtete). Der Hintergrund: Roher moderiert die Quizshow "Don’t Say It – Bring It", bei der die gestellten Fragen nicht richtig beantwortet werden müssen, sondern in Gegenstandsform zu bringen sind. Rehman wollte Rohrer auf die Probe stellen und ihm mit der Brustumfangsuche eine ähnliche Aufgabe stellen. Das Resultat: Rohrer "grapschte sich durchs Festival".
Michael Schuler verteidigt das Konzept
Nachdem der "Blick" über den Vorfall berichtete und deren ethische Vertretbarkeit in Frage stellte, schaltete sich Achille Casanova, der Ombudsmann der SRG, ein, um den Fall zu beurteilen. Dieser reagiert mit seinem Urteil auf die Verteidigung des Geschehenens durch Michael Schuler, Leiter der Fachredaktion Musik Pop/Rock, der hinter der Aktion steht. Schuler betont in seiner Stellungnahme, dass die "qualitativen und ethischen Anforderungen der SRG vollumfänglich berücksichtigt" worden seien. Die Menschenwürde der Beteiligten sei nicht tangiert, "die Messung des Brustumfangs hätten über den Kleidern, ohne direkten Brustkontakt und mit der expliziten Einwilligung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer stattgefunden". Auch jene Frau, die den gesuchten Oberweitenumfang lieferte, habe sich nach eigenen Angaben nicht belästigt gefühlt. Schuler tut es jedoch leid, dass nur die Messungen des weiblichen Brustumfangs in der Sendung gezeigt wurden. "Man hätte in der fertigen Einspielung auch vorhandenes Sendungsmaterial von männlichen Oberweiten-Messungen zeigen sollen, um dem Vorwurf des Sexismus vorzubeugen."
Aktion sei peinlich und blöd, aber nicht entwürdigend
Der Ombudsmann sieht den Vorfall jedoch anders. Rohrer habe sich explizit auf Frauen fokussiert. Auch Rehman habe im Voraus gesagt, dass Rohrer Probleme habe "Frauen anzusprechen." Damit habe klar die Absicht der Vermessung der weiblichen Oberweite bestanden. Die "Grenzen des Zulässigen" seien jedoch nicht überschritten und die Menschenwürde der Betroffenen sei nicht verletzt worden. Er selber empfinde die Aktion zwar als "peinlich, blöd und sogar geschmacklos", aber es habe sich aber bei der Sendung ja um ein Unterhaltungsformat gehandelt.
Der gesamte Bericht des Ombudsmanns kann hier gelesen werden. (lf)

