02.08.2020

Falsche Statistik

BAG entschuldigt sich für Tabellen-Lapsus

Clubs sind nicht der Ansteckungs-Hotspot für das Coronavirus. Das Bundesamt für Gesundheit räumte am Sonntagabend eine Kommunikationspanne ein. Die Statistik wurde im Auftrag von Schweizer Radio und Fernsehen erstellt.
Falsche Statistik: BAG entschuldigt sich für Tabellen-Lapsus
Ansteckungs-Hotspots Clubs und Discos? SRF berichtete am Freitag aufgrund falscher Daten des Bundesamts für Gesundheit. (Bilder: Pixabay/SRF)

Eine Auswertung, die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) exklusiv für SRF gemacht hat, zeigte: Zwei von drei Corona-Infizierten in der Schweiz haben sich in den letzten zwei Wochen im Ausgang angesteckt: 42 Prozent in Discos oder Clubs, 27 Prozent in Bars oder Restaurants. «Tageschau» und «10vor10» berichteten am Freitag jeweils an erster Stelle darüber.

Diverse Onlinemedien übernahmen am Freitag diese News. Wäre der Samstag kein Feiertag gewesen, hätte die Nachricht auch Eingang in die Printausgaben gefunden. Nun stellt sich heraus: Das Fazit der Auswertung war eine Ente. Die meisten Coronavirus-Ansteckungen gibt es nämlich im familiären Umfeld, nicht in Ausgehlokalen, Clubs und Discos. Am Sonntagabend korrigierte sich das BAG: Die Daten seien falsch zugeordnet worden. «Das BAG entschuldigt sich für diesen Fehler», heisst es in einer Mitteilung.

Es zeige sich, dass gemäss den klinischen Meldeformularen, die dem BAG durch Ärztinnen und Ärzte zugestellt würden, die meisten Ansteckungen im familiären Umfeld (27,2 Prozent) geschehen, gefolgt vom Arbeitsplatz (8,7 Prozent). Ausgehlokale machen gemäss einer BAG-Tabelle einen einstelligen Prozentsatz aus, konkret lediglich 1,9 Prozent, Bars und Restaurants nur gerade 1,6 Prozent.

Die Korrektur wurde in der Hauptausgabe der «Tagesschau» vom Sonntagabend vermeldet.

Allerdings warnt das BAG in seiner Mitteilung vom Sonntagabend: «Infektionsereignisse in Clubs können zu einer hohen Zahl Infizierter führen sowie zu einer noch höheren Zahl von Menschen, die sich in Quarantäne begeben müssen.» Die kantonalen Systeme zur Kontaktverfolgung würden durch solche Ereignisse besonders gefordert und belastet. Es sei also von zentraler Bedeutung das Risiko von Übertragungen gerade in solchen Umgebungen so gering wie möglich zu halten.

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Ausgewiesen wird laut dem BAG in seiner Tabelle die Art der Exposition. Die total 793 Meldungen dazu seien zwischen dem 16. Juli und dem 1. August 2020 im BAG eingetroffen und von den Ärztinnen und Ärzten über das klinische Meldeformular an das BAG gesendet worden. (cbe/sda)



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Kommentare

  • Victor Brunner, 03.08.2020 16:33 Uhr
    Das BAG wird lagnsam peinlich. Seit 5 Monaten leben wir mit Covid-19 und das Amt überrascht immer noch mit Pannen und wiedersprechenden Aussagen. Hat mit den Masken begonnen und setzt sich mit den täglichen Zahlen und deren Interpretationen, zum Teil rufschädigend, fort.

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