19.03.2018

Furrerhugi

«Die Schweiz soll zur Krypto-Nation werden»

Furrerhugi mischt nicht nur in Bern mit, wenn es um günstige Bedingungen für Krypto-Währungen geht. Mit einer neuen PR-Firma in Zug will die Agentur Blockchain-Firmen unterstützen. Gibt es da keine Loyalitätskonflikte mit Banken? Lorenz Furrer erklärt die Hintergründe.
Furrerhugi: «Die Schweiz soll zur Krypto-Nation werden»
Lorenz Furrer ist Managing Partner bei der Lobbying-Agentur Furrerhugi. (Bild: zVg.)
von Edith Hollenstein

Herr Furrer, was haben Sie sich zuletzt mit Bitcoins gekauft?
Ich habe aber noch nie etwas gekauft damit, obwohl in meinem Wallet einige wenige Bitcoins schlummern. Und offen gestanden, bin ich leider zu spät eingestiegen, um damit eine riesige Rendite herauszuholen.

Bitcoin hat keinen inneren Wert, und es gibt beträchtliche Spekulationen. Wenn Investoren gefährdet sind, dass sie ihr Geld verlieren, sind es auch Sie mit Ihrer neuen Krypto-Agentur Narwal Blockchain PR.
Nein, das glaube ich nicht. Denn es greift zu kurz, die Blockchain-Technologie auf den Bitcoin zu reduzieren. Zudem wird je länger je mehr ersichtlich, dass die Entwicklungen von Blockchain-Projekten, inklusive ICO (Initial Coin Offering) kommunikativ stark, mit gutem Content begleitet werden müssen. Und würden trotzdem Probleme auftreten, sind wir auch mit zwei Krisenkommunikationsspezialisten bestens gewappnet.

Immerhin ist Bitcoin die bekannteste Kryptowährung. Welche weiteren haben Ihrer Ansicht nach Potential: Etherum und Ripple oder wie sie alle heissen?
Es gibt ja noch viele mehr – hunderte gibt es derzeit und es könnten noch tausende weitere entstehen. Aber nochmals zum Bitcoin: Es gibt Leute, die sagen, dieser sei momentan «too big to fail», weil die Marktkapitalisierung derzeit bei 140 Milliarden Dollar liegt. Natürlich wird der Bitcoin Schwankungen haben, aber wohl kaum mehr ganz zusammenfallen. Daneben gibt es andere Kryptowährungen, die ganz unterschiedliche Funktionen haben.

Welche?
Etherum zum Beispiel ist weit mehr als eine Währung. Es ist eine dezentralisierte Plattform, auf der sich jede nur denkbare Transaktion realisieren lässt. Ethereum kann faktisch Werte halten und verarbeiten, dies anstelle von Personen. Es gibt Leute, die sagen, dass sich die künftige Generation bereits nicht nach den konventionellen Bluechips ausrichten wird, sondern nach Kryptowährungen. Diese darf man, zumindest im Moment, nicht mit einem konventionellen Anlegerverständnis betrachten, sondern man muss wissen, dass man den Betrag, den man investiert, auch wieder verlieren kann.

Was ist die Substanz Ihrer Agentur Narwal Blockchain PR?
Die Agentur startet mit 500 bis 600 Stellenprozenten, verteilt auf zwölf Personen aus dem Team von Furrerhugi und Lakeside Partners, sowie mit Freelancern. Sie hat ihren Sitz in Zug, also mitten im Crypto Valley. Die gerade eröffneten Crypto Valley Labs beherbergen bereits über 50 Firmen, die in unterschiedlichen Formen mit Blockchain zu tun haben. Wir gehen davon aus, dass zu den gut 350 heute bestehenden Firmen dieses Jahr weitere 200 bis 300 dazukommen werden.

Wie kam es dazu?
Im November 2017 organisierte unsere Agentur Furrerhugi als ersten Schritt einen Themenabend mit Parlamentariern, um sie in die ganze Thematik Blockchain und in Crypto-Finance einzuführen. Gleichzeitig gründeten Mathias Ruch und ich die Blockchain-Taskforce. Mittlerweile gehören dieser rund 50 namhafte Exponenten aus Politik und Wissenschaft sowie hochrangige Bankenvertreter und Start-up-Unternehmer aus dem Crypto Valley an und stehen unter dem Patronat zweier Bundesräte. Diese Gruppe erarbeitet Empfehlungen zuhanden des Bundesrates, damit die Schweiz diese grosse Chance nicht verpasst.

Mit solchen Lobbying-Aktionen sorgen Sie also auf der einen Seite dafür, dass politisch günstige Rahmenbedingungen entstehen für einen Markt, von dem Sie nun auf der anderen Seite profitieren, in dem Sie Crypto-Firmen Ihre PR-Dienstleistungen verkaufen.
Verkürzt gesagt: ja. Unsere Anstrengungen bewirkten, dass Krypto-Firmen auf uns zukamen und Beratungsdienstleistungen wünschten. Aber die Gründung der Blockchain-Taskforce verstehen wir nicht unbedingt als Lobbyarbeit, sondern wir wollen informieren, weil wir gemerkt haben, dass diesbezüglich ein grosses Informationsdefizit herrscht. Und wir wollen zwischen der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft vermitteln, weil es noch viele Unsicherheiten gibt.

Was wissen viele nicht?
Die Schweiz ist bei Blockchain weltweit absolut führend und das Crypto Valley «the place to be» schlechthin. Dieses Crypto Valley wird über kurz oder lang eine ähnliche Dimension haben wie das Silicon Valley in den USA. Narwal Blockchain PR will, dass die Schweiz diesen Vorsprung halten kann. Die Schweiz soll zu einer Krypto-Nation werden. Aber dazu braucht es eine antizipierende Politik und eine offene, informierte Gesellschaft.

Das sehen nicht alle so. Kryptowährungen sind sehr umstritten, denn sie werden etwa von Kriminellen benutzt – Geldwäscherei ist eine Gefahr. Und da wollen Sie vorne mitmischen?
Kryptowährungen sind umstritten, weil primär vieles mit Unsicherheit und Unwissenheit behaftet ist. Regulierungen sind nötig, und es gibt ja erste Vorstösse der Finma. Die vor zwei Wochen veröffentlichten Guidelines zu ICOs etwa, begrüsse ich sehr. Hinzu kommt, dass das ein Boom ist. Und es ist nun mal so, dass jedes Eldorado zwischendurch auch Banditen anzieht. Aber grundsätzlich ist eines der prägendsten Merkmale der Blockchain das Vertrauen und die Sicherheit dieser neuen Technologie. Ich bin zuversichtlich, dass sich dieses Verständnis in der Gesellschaft breit durchsetzen wird.

Daneben sind Kryptowährungen für die Finanzbranche eine grosse Bedrohung. Wie können Sie es vereinbaren, einerseits für Banken zu lobbyieren und andererseits für Blockchain?
Wir gehen davon aus, dass diese Technologie eine extreme Dimension hat, vergleichbar mit der Erfindung des Internets. Ich glaube, dass wir bei Blockchain heute dort stehen, wo wir 1993/94 mit dem Internet waren. Damals gab es ebenfalls Vorbehalte, trotzdem hat sich das Internet zweifelsohne durchgesetzt, auch wenn es durch die Dotcom-Blase 2000 zwischenzeitlich implodiert ist. Bei Blockchain dürfte es ähnlich verlaufen. Das bedeutet: Auch die Finanzbranche muss sich damit beschäftigen. Aber klar, momentan gibt es bei den Banken Unsicherheiten – juristische aber auch kulturelle. In der Tat ist Blockchain eine grosse Herausforderung für die Banken, weil die Blockchain-Technologie gewisse heutige Dienstleistungen überflüssig machen wird. Davon sind übrigens alle anderen Branchen ebenfalls betroffen.

Wenn ich Sie so reden höre, muss ich annehmen, dass Sie nicht gleichzeitig auch noch für Banken arbeiten.
(lacht) Doch! Natürlich haben wir Banken als Kunden. Es hat auch namhafte Banken, die bei unserer Blockchain-Taskforce mitmachen: etwa CS, UBS, Julius Bär oder Postfinance und ZKB. Sie setzen sich aktiv mit dem Thema auseinander. Und mit Narwal Blockchain PR haben wir uns explizit zum Ziel gesetzt, eine Brücke zu schlagen zwischen der Old Economy und der New Economy. Wir sind keine Nerds oder Digital-Evangelists. Vielmehr wir wollen dazu beitragen, dass beide Welten zusammenwachsen.

Wir haben vorher von dieser Taskforce gesprochen, die Ihre Agentur zusammen mit Lakeside Partners initiiert hat. Haben Sie in diesem Fall auch dafür gesorgt, dass die Bundesräte Schneider-Ammann und Maurer das Patronat fürs Crypto Valley übernommen haben?
(lacht) (kurze Pause). Ja, wir haben diese beiden Bundesräte dafür angefragt, denn wir wussten, dass sie grundsätzlich offen gegenüber Chancen durch die Digitalisierung sind, die sich unserer Volkswirtschaft bieten. Wenn sich natürlich ein oder sogar zwei Bundesräte hinter diese Taskforce stellen, wird das Signal um ein Vielfaches verstärkt. Aber wie gesagt: Wir mussten Ueli Mauer und Johann Schneider-Ammann nicht lange überzeugen. Sie sagten sehr schnell zu.

Nun soll Narwal Blockchain PR also Crypto-Firmen PR-Dienste verkaufen. Was brauchen diese denn?
Zwar handelt es sich um eine komplett neue Technologie, doch in punkto Kommunikation sind die Bedürfnisse konventionell: also klassische PR wie Medienarbeit, Krisenkommunikation, strategische Beratung, Social media, Reputationsmanagement und Events. Dazu kommt natürlich die Begleitung von IOSs, die sich mit klassischen Börsengängen (IPOs) vergleichen lassen.

Was ist bei Crypto-Firmen speziell?
Wichtig für Crypto-Firmen ist das Monitoring sowie Measurement und Analytics. Es gibt aber auch neue Elemente, bspw. der Messenger «Telegram», der mit einer ganz neuen Dynamik und neuer Story-Struktur diese Szene prägt. 

Und wie bezahlen Kypto-Firmen, in Franken oder in Bitcoins?
Die Kunden von Narwal PR zahlen konventionell in Franken. Bei Firmen, die Kryptowährungen herausgeben, ist es üblich, dass sie einen Teil der Leistung in einer Kryptowährung bezahlen.

 



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