Inmitten der Turbulenzen der Russland-Affäre gibt es einen Umbruch im Medienstab des Weissen Hauses. Pressesprecher Sean Spicer, der viel Kritik von Journalisten wie wohl auch von Präsident Donald Trump hatte einstecken müssen, warf am Freitag das Handtuch.
Unmittelbarer Auslöser war offenbar die kurz zuvor bekanntgegebene Ernennung des Finanzinvestors Anthony Scaramucci zum Kommunikationsdirektor, mit der Spicer laut Medienberichten nicht einverstanden war. Der 45-Jährige äusserte sich zunächst nicht zu den Gründen für seinen Abgang. Im Kurzbotschaftendienst Twitter erklärte er lediglich, es sei «eine Ehre und ein Privileg» gewesen, dem Präsidenten zu dienen.
Ein Regierungsmitarbeiter sagte dem Sender CNN, Trump habe Spicer vergebens gebeten, im Amt zu bleiben. Bis Ende August will Spicer sein Amt noch ausüben. Jedoch haderte der Präsident offenbar schon seit längerem mit der Leistung seines Sprechers, was auch einer der Gründe für die Ernennung Scaramuccis gewesen sein dürfte Nachfolgerin Spicers wird dessen bisherige Stellvertreterin Sarah Huckabee Sanders.
Der Pressesprecher ist für die tagtägliche Kommunikation mit den Medien verantwortlich. Er ist dem Kommunikationsdirektor unterstellt, der für den generellen Zuschnitt der Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.
Mehrere Rücktritte
Der frühere Kommunikationsdirektor des Weissen Hauses, Michael Dubke, war im Mai zurückgetreten. Wegen der Affäre um dubiose Russland-Kontakte während des Wahlkampfs steht die Trump-Regierung seit ihrem Antritt vor sechs Monaten massiv unter Druck. Auch einer der externen Rechtsberater Trumps in der Affäre, Mark Corallo, trat in den vergangenen Tagen zurück. Er war im privaten Rechtsberaterteam für die Kommunikation mit den Medien zuständig gewesen.
Spicer war in seinen Pressebriefings den Fragen zu der Russland-Affäre immer wieder ausgewichen. Oft lag er mit seinen Äusserungen auch nicht auf einer Linie mit den Twitter-Botschaften und sonstigen Statements des Präsidenten. Oft wirkte der 45-Jährige schlecht vorbereitet und hinterliess den Eindruck, keinen sonderlich guten Zugang zu Trump zu haben. Wie der Präsident pflegte Spicer aber eine harsche Tonart gegenüber kritisch und investigativ berichtenden Medien. In den vergangenen Wochen kam er allerdings immer seltener zu den Briefings und wurde durch Vizesprecherin Sarah Huckabee Sanders vertreten. Auch wurden zunehmend Kameras von den Briefings im Weissen Haus ausgeschlossen.
Lügen und Patzer
Spicer hatte gleich bei seinem ersten Auftritt als Präsidentensprecher im Januar für Empörung gesorgt, als er das Pressekorps in barschem Ton beschied, dass die Zuschauermenge bei Trumps Vereidigung die grösste der Geschichte gewesen sei - dies widersprach den offenkundigen Fakten. Er wurde dann rasch zu einer im US-Fernsehen häufig veräppelten und karikierten Figur - so in der populären Show «Saturday Night Live», in der die Komödiantin Melissa McCarthy als Spicer-Double auftrat.
Diverse Patzer des Trump-Sprechers werden in Erinnerung bleiben. So verrannte er sich mit einem Vergleich zwischen dem syrischen Machthaber Baschar al-Assad und Adolf Hitler. Sogar Hitler sei «nicht so tief gesunken, chemische Waffen zu verwenden», sagte Spicer - womit er den Genozid an den europäischen Juden in den Gaskammern der Nazis ignorierte. (sda/afp/wid)

