02.12.2019

Aroma

«Es spielten auch wirtschaftliche Gründe mit»

Nach 24 Jahren Mitinhaber von Merz+Partner Events lässt sich Stefan Merz bei der Konkurrenz anstellen und seine Agentur liquidieren. Ein Gespräch über häufiges Kochen, ruhige Kugeln und mutlose Kunden.
Aroma: «Es spielten auch wirtschaftliche Gründe mit»
«Meine Pensionierung interessiert mich im Moment noch überhaupt nicht», sagt der 57-Jährige. (Bild: zVg.)
von Loric Lehmann

Seit 1996 betreiben Claudia und Stefan Merz die Eventmanufaktur Merz+Partner Events. Die Manufaktur habe in 24 Jahren rund 400 Anlässe umgesetzt und mehr als 300'000 Gäste begeistert, heisst es in einer Mitteilung von letzter Woche. Nun ist Schluss: Stefan Merz engagiert sich ab Januar Vollzeit beim Konkurrenten Aroma, um «Gelerntes und Erfahrenes weiter zu geben». Er wird laut Aroma eine Senior-Porsition im Creative-Team übernehmen. persoenlich.com hatte die Gelegenheit Stefan Merz einige Fragen zu seinem Wechsel zu stellen.

Herr Merz, von der Selbständigkeit in ein Anstellungsverhältnis: Häufig ist der Weg umgekehrt. Warum machen Sie nun diesen Schritt?
Ich habe primär nach einer neuen und spannenden Herausforderung gesucht, nicht explizit nach einem Angestelltenverhältnis. Wir spürten schon vor einigen Monaten, dass wir etwas verändern müssen, weil uns die damalige Situation nicht mehr richtig glücklich machte. Dazu kam, dass nur noch die ganz «mutigen» Kunden es wagten, grosse Projekte – auf die wir erfolgreich spezialisiert waren – mit derart kleinen Agenturen wie Merz+Partner zu realisieren. Also spielten auch wirtschaftliche Gründe mit.

Was geschieht genau mit Merz+Partner?
Merz+Partner wird per Ende 2019 ganz einfach liquidiert. Wir haben uns zu diesem radikalen Schritt entschieden, weil wir nichts von halben Sachen halten. Wir haben beide Lust auf Neues. Ich habe das Glück, mit der Anstellung bei Aroma sehr schnell eine wirklich perfekte Möglichkeit gefunden zu haben, um mein Fachwissen und meine Erfahrung an ein junges, innovatives Team weiterzugeben.

Und Ihre Frau und Mitinhaberin der Agentur?
Meine Frau Claudia, ein mit allen Wassern gewaschenes Organisationstalent, wird sich im neuen Jahr nach einer interessanten 40 bis 60 Prozent Stelle im Kommunikations- oder Eventbereich – oder auch in einer ganz anderen Branche – umsehen.

«Ich habe nicht eine Sekunde daran gedacht, in Zukunft eine ruhige Kugel zu schieben»

Warum fiel Ihre Wahl auf Aroma?
Mein Wunsch, meine Erfahrung aus inzwischen 34 Eventjahren weiterzugeben und mit einem jungen, kreativen Team zu teilen, andererseits von ebendiesem Team Neues und Innovatives zu lernen, erfüllt sich bei Aroma optimal. Aroma war daher von Beginn weg einer meiner Favoriten, als ich überhaupt über eine Veränderung nachdachte. Lukas Meier kenne ich schon seit 1997, damals – und danach weitere acht Jahre – haben wir gemeinsam das erste «Credit Suisse Kino im HB» realisiert. Aus dieser Zusammenarbeit entwickelte sich eine Freundschaft und wir tauschten uns regelmässig über Berufliches und Privates aus. So war es auch ein logischer Schritt, Luki von meinen Plänen zu erzählen. Auch Eugen Brunner kenne ich natürlich schon seit Jahren, nicht zuletzt als harten Mitbewerber in zahlreichen Pitches, die wir gegeneinander ausfochten.

In der Medienmitteilung steht, Sie werden ein «Vollzeitengagement» übernehmen. Denken Sie der Workload wird trotzdem abnehmen im Vergleich zu Ihrer Tätigkeit bei Merz+Partner?
Ihr seid nicht die ersten, die mir diese Frage stellen. Als gelernter Koch und nach 24 Jahren als selbständiger Unternehmer im Eventbereich, ist man sich gewohnt, viel zu arbeiten. Ich habe nicht eine Sekunde daran gedacht, in Zukunft eine ruhige Kugel zu schieben oder mich deswegen anstellen zu lassen. Das ist nicht mein Naturell und passt nicht zu mir.

Sie sind zwar noch nicht ganz im Pensionsalter, trotzdem rückt es immer näher: Wie malen Sie sich Ihren Alltag in zehn Jahren aus?
Klar, die Tatsache, dass ich in rund acht Jahren theoretisch pensioniert werden könnte, ist mir bewusst. Doch das interessiert mich im Moment absolut nicht. Wer weiss, was dann sein wird. Ich arbeite, seit ich mit 15 Jahren in die Lehre kam und fühle ich mich in einem gewissen Sinn noch immer jugendlich. Meine Söhne, 24 und 26 Jahre alt, halten mich frisch; meine Frau ist auch keine Schlafmütze und unser Hund Muck sorgt dafür, dass ich frühmorgens meine obligate Stunde an die frische Luft komme. Kann sein, dass ich in zehn Jahren noch mehr koche, noch erfolgreicher fliegenfische, noch mehr reise. Aber eben, man weiss nie. Vorerst steht mein Engagement bei Aroma im Vordergrund und ich freue mich auf die anstehenden Jahre der Zusammenarbeit mit den Kunden und dem Team.



Aroma kreiert mit über 90 Spezialisten und Spezialistinnen Markeninteraktionen auf allen Ebenen und Touchpoints und vereint Kreativagentur, Architektin und Produzentin. Lukas Meier gründete das Unternehmen 1995. Heute ist die Aktiengesellschaft im Eigentum der geschäftsführenden Partner Eugen Brunner, Alexander Hauri, Lukas Meier, Roger Stämpfli.



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