16.05.2019

Seed

«Ich bin für weniger Filme, dafür bessere»

Mit seiner Agentur hat Felix Courvoisier am Mittwoch den 125. Film-Preis gewonnen. Ein Gespräch über die Wichtigkeit von Preisen, Trends beim Auftragsfilm und die Konkurrenz im Werbemarkt.
Seed: «Ich bin für weniger Filme, dafür bessere»
Felix Courvoisier ist Geschäftsführer und Creative Producer der Agentur Seed. (Bild: zVg.)
von Matthias Ackeret

Herr Courvoisier, herzliche Gratulation, Sie gewinnen mit Seed soeben Ihren 125. Film-Preis. Um welchen handelt es sich?
Wir gewinnen am World Media Festival in Hamburg insgesamt vier Preise, zweimal Gold und zweimal Silber, für Swiss Life, die ETH Zürich, Geberit sowie die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. In den zwölf Jahren unseres Bestehens haben wir damit 125 Auszeichnungen entgegennehmen dürfen. Wenn ich die 125. Auszeichnung einem bestimmten Film zuteilen soll, so geht sie an «Ode an die Selbstbestimmung» für Swiss Life. Was ich an diesem Film besonders mag, ist seine klare Fokussierung auf den Unternehmenszweck – die Selbstbestimmung des Menschen –, er ist formal eigenständig, ich finde ihn wunderbar berührend, und die Zusammenarbeit mit Regisseur Simon Steuri und dem Swiss-Life-Kommunikationsteam war vertrauensvoll und inspirierend. Zudem haben wir mit Produktionen für Swiss Life insgesamt 27 Film-Preise gewinnen können, so viele wie für keinen anderen Kunden.

Haben alle Ihre Preise den gleichen Stellenwert oder gibt es für Sie wichtigere?
Jeder Preis ist eine Auszeichnung. In Los Angeles, New York, Cannes, Hamburg, Wien und an weiteren Orten werden die Filme in einem internationalen Umfeld bewertet. An manchen Festivals werden über 1000 Filme aus mehr als 50 Ländern eingereicht. In diesem Umfeld halten wir mit. Das macht mich für Seed, unser Team, die Regisseure, die Freelancers und natürlich die Kunden stolz. In diesem Sinne gibt es nicht wichtigere oder weniger wichtige Preise.


Preiseingaben sind nicht ganz billig. Wieviel investieren Sie insgesamt dafür?

Die Kosten pro Eingabe bei den Wettbewerben in unserer Branche bewegen sich um die 300 bis 400 Franken. Pro Jahr reichen wir 15 bis 20 Filme ein. Die Investitionen sind also substanziell. Ich finde sie dennoch lohnenswert, im Sinne einer Bestätigung unserer Arbeit – und natürlich sind sie auch Basis für das Marketing in eigener Sache.

Welchen Stellenwert hat ein Film-Preis bei den Kunden?
Er löst Freude und oft auch etwas Stolz aus. Eine externe Expertenmeinung besagt, dass gute Arbeit geleistet worden ist. Und im Büro steht dann eine Trophäe, die einem an ein hoffentlich spannendes Kommunikationsprojekt erinnert.

«Wir versuchen stets, alle Beteiligten frühzeitig an Bord zu holen.»

Was zeichnet schlussendlich einen preisgekrönten Film aus?
Film hat enorm viele Dimensionen: Wie wird ein Inhalt ausgewählt? Worauf wird fokussiert? Welche Geschichte erzählen wir? Wie erzählen wir sie? Welche filmische Sprache nutzen wir? Welcher Aufwand ist angemessen? Casting, Schauspielerführung, Kameraarbeit, Ausstattung, Schnitt, Musik, um nur ein paar Dimensionen zu nennen, müssen alle stimmig sein. Dabei geht es nicht ums Klotzen, sondern darum, die Mittel adäquat zu investieren. Damit meine ich, dass ein bestimmtes filmisches Konzept stimmig umgesetzt werden muss. Ein intimer Dok-Film braucht eine sehr gute Vorbereitung, auf dem Set aber keinen Riesenaufwand, während ein opulentes Drama auch wie ein solches umgesetzt werden muss: mit vielen Statisten, hervorragenden Darstellern, grossen Bildern. Ich stelle fest, dass Jurys Originalität, Humor, gute narrative Strukturen sowie erstklassiges filmisches – und adäquates – Handwerk mögen.

Wer hat momentan bei einem Film das Sagen: der Marketingchef, die Werbeagentur oder die Produktionsgesellschaft?
Film ist Team-Arbeit. Alle Beteiligten bringen ihr Know-how ein. Entscheidend finde ich einen guten Prozess, der mit der Auseinandersetzung zum Briefing startet. Wenn darüber Klarheit herrscht, kann die Kreation beginnen und danach die eigentliche Produktion. Mit Seed sind wir umfassend tätig: Wir begleiten Briefing-Prozesse, unter anderem basierend auf Interview-Serien oder Workshops, die wir kreieren und produzieren. Wir versuchen stets, alle Beteiligten frühzeitig an Bord zu holen und alle Energie auf ein möglichst gutes Resultat zu lenken. Dazu gehören Offenheit, sachliche Kritik und die Leidenschaft, immer noch besser zu werden.


Welche Trends sind im Auftragsfilm momentan angesagt?

Was mir besonders auffällt, ist das stets wachsende Erzähltempo. Das fordert den Zuschauer. Ich erachte das als positive Entwicklung, denn dies nimmt den Zuschauer ernst. So wird er involviert, weil er mitdenken muss. Ein zweiter wesentlicher Trend sehe ich im kanalspezifischen Arbeiten. In den sozialen Medien müssen wir den User innert zwei bis drei Sekunden gewinnen. Er soll den inneren Wunsch entwickeln, dem Film zu folgen. Andere Kanäle, wie zum Beispiel Besucherfilme, dürfen sich etwas mehr Zeit nehmen für die Exposition. «One size fits all», also derselbe Film in allen Kanälen, ist eine Illusion. Ein letzter Trend: Masse. Wir werden überflutet mit Bewegtbild. Hier plädiere ich stark für weniger Filme, dafür bessere.

Wie beurteilen Sie momentan den Schweizer Werbemarkt?
Die gesamte Unternehmens- und Marketingkommunikation ist im Umbruch. Die klassischen Massenkanäle werden weniger – Stichwort lineares Fernsehen – die Atomisierung der Kanäle nimmt zu. Das macht die Kommunikationsarbeit herausfordernder und spannender. Letztlich bin ich davon überzeugt, dass Kreativität den Unterschied macht. Mit ihr müssen wir das Publikum gewinnen. Das Arbeitsmotto von Howard Luck Gossage, Werber und zuvor Kampfpilot im Zweiten Weltkrieg, war: «Die Leute lesen keine Anzeigen. Sie lesen, was sie interessiert – und manchmal ist es eine Anzeige.» Ich glaube, dass dies für alle Medienformen so stimmt. Darum: Wir alle in der Kommunikationsbranche müssen an die Menschen denken, die hinter den Zielgruppen stecken. Ihr Interesse gilt es mit herausragenden Geschichten zu gewinnen.

«Herausragende Leute sind auf dem internationalen Parkett genauso teuer wie hier.»

Wie beurteilen Sie die Konkurrenz durch ausländische Produktionsfirmen?
Natürlich müssen wir uns der ausländischen Konkurrenz stellen. Je nach Aufgabe oder Leistungspaket können ausländische Kollegen sehr wettbewerbsfähige Angebote machen. Allerdings: Herausragende Leute sind auf dem internationalen Parkett genauso teuer wie hier. Zudem können sich Schweizer Produktionsfirmen auch international durchsetzen, besonders über originelle, eigenständige Ideen. Mit Seed durften wir letztes Jahr für die Deutsche Bundesbank ein Projekt realisieren.

Welches ist Ihr nächstes Projekt?
Wir sind an mehreren Aufgaben dran, unter anderem für UBS, Mibelle, Landi und Geberit.


Zum Schluss: Mit welchem Film haben Sie die meisten Preise gewinnen können?
Mit dem Kurzspielfilm «Sweet Tokyo» für Läderach konnten wir insgesamt zwölf Auszeichnungen gewinnen. Dieser Film erzählt eine wunderbare, augenzwinkernde Geschichte und begeistert Läderach-Besucher seit mehreren Jahren. Luki Frieden hat Regie geführt. Ich habe das Projekt auch wegen der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Läderach in bester Erinnerung. Gemeinsam wollten wir das Beste.



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