03.09.2026

TeleZüri

Leuenberger blickt auf Katastrophenherbst zurück

Im «TalkTäglich» erinnert dich Moritz Leuenberger an die Häufung tragischer Ereignisse vor 25 Jahren und zieht Parallelen zur Gegenwart. Der frühere Bundesrat kritisiert die Beileidsformeln von Behörden und PR-Agenturen.
TeleZüri: Leuenberger blickt auf Katastrophenherbst zurück
«Man muss auch die eigenen Gefühle, die eigene Person zeigen»: Leuenberger nach dem Amoklauf von Zug am 27. September 2001. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

25 Jahre nach dem Katastrophenherbst 2001 war Moritz Leuenberger am Mittwochabend zu Gast im «TalkTäglich» von TeleZüri. Der damalige Bundespräsident und Verkehrsminister sprach über die Terroranschläge vom 11. September, das Attentat von Zug, das Swissair-Grounding, den Brand im Gotthardtunnel und den Crossair-Absturz – und zog Parallelen zur Gegenwart.

Am schärfsten äusserte er sich zur Kommunikation nach solchen Unglücksfällen. Der Satz «Unsere Gedanken sind bei den Opfern» sei im Grundsatz richtig. Nur: «Wenn man dann immer den ewig gleichen Satz repetitiv rauslässt, dann ist er nicht mehr glaubwürdig.» Nach dem Brand von Crans-Montana habe praktisch jede angefragte Firma damit begonnen. Statt Schablonen brauche es Persönliches, sagte Leuenberger: «Man muss auch die eigenen Gefühle, die eigene Person zeigen.»

Konkret nahm er den Gemeindepräsidenten von Crans-Montana ins Visier. Dieser hatte erklärt, seine Gemeinde sei am stärksten betroffen und das grösste Opfer. Unmittelbar nach dem Unglück lasse sich das noch nachvollziehen. Dass der Gemeindepräsident den Satz Wochen später an einer Medienkonferenz wiederholt habe und die beigezogene PR-Agentur ihn habe durchgehen lassen, sei es nicht: «Dann ist es die zweite Katastrophe.»

Den Unterschied zwischen Blaulichtorganisationen und Politik machte Leuenberger an der Vorbereitung fest. Eine Feuerwehr könne den Ernstfall üben und nach Schema vorgehen. Ein Verkehrsminister oder ein Gemeindepräsident müsse situativ reagieren. Skeptisch zeigte er sich deshalb gegenüber detaillierten Katastrophenplänen: «Es gibt nicht festgefahrene Konstellationen, es gibt immer neue Situationen, und auf die muss man sich neu einstellen.» Nach dem Grounding sei die UBS gekommen, danach Covid, danach Trump und Putin.

Jungen Menschen, die keine Hoffnung auf bessere Zeiten hätten, hält er entgegen: «Hoffnung ist Arbeit.» Man müsse sich selber einsetzen, sei es in einer Organisation, in den Medien oder in einer NGO.

Der Herbst 2001 habe auch ihn verändert. Vorher habe er sich über seine eigene Rolle als Bundesrat oft lustig gemacht und sei ironisch ausgewichen, was die Medien nicht geschätzt hätten. Danach sei er in eine Verantwortung gedrängt worden: «Die ganze Ernsthaftigkeit, die mit der Rolle eines Bundesrats verbunden ist, habe ich ausfüllen müssen – und habe sie ausgefüllt.» (nil)


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