04.09.2020

VSD-Forum

Normalisierung erst in zwei bis drei Jahren

Vertreter der Schweizer Druckindustrie tagten in Rüschlikon. Stargast war Finanzminister Ueli Maurer.
VSD-Forum: Normalisierung erst in zwei bis drei Jahren
Bundesrat Ueli Maurer informiert die Druckbranche aus erster Hand über die Coronakrise. (Bilder: zVg.)

Trotz Einschränkungen wagten sich am Mittwoch gut 120 Mitglieder des Verbands der Schweizer Druckindustrie (VSD) und Zugewandte aus Partnerverbänden (Copyprintsuisse, Viscom, P+C, Schweizer Regionalmedien) ins Hotel Belvoir in Rüschlikon, um sich Antworten zur Frage anzuhören: «Coronavirus-Krise – was nun?». Namhafte Referenten, darunter Bundesrat und Finanzminister Ueli Maurer, gaben Erfahrungen und Rezepte zum Besten, die klar darauf hinweisen, dass man mit dieser unerfreulichen Situation noch längere Zeit leben müsse. Gleichzeitig wurde betont, dass diese Krise auch Chancen beinhalteten. Moderiert wurde der Anlass von persönlich-Verleger Matthias Ackeret.

Daniel Broglie, Head of Sales der Chromos-Gruppe, führte die Forumsteilnehmer mit seinem Erlebnis zum Lockdown mitten in die Problematik. Er befand sich geschäftlich in Tel Aviv, als ihm das Hotel mitteilte, er müsse sich sofort in Quarantäne begeben und dürfe sein Zimmer nicht mehr verlassen. In dieser für viele Schweizer unvorstellbaren Situation wurde Broglie sich schnell bewusst, dass sich in seiner Firma viel ändern wird. Eine Taskforce wurde eingesetzt, Verhaltensregeln aufgestellt, die Kurzarbeit eingeführt, das Homeoffice eingerichtet, Meetings und Veranstaltungen ausgesetzt und die Reisetätigkeit fast vollständig eingestellt. Und die Situation genau verfolgt, da beispielsweise festgestellt wurde, dass bei zu rigidem Homeoffice wichtige und vor allem persönliche Kontakte fehlten. Darunter litt etwa die Solidarität unter Mitarbeitern und zu Kunden sowie Lieferanten, eine fundamentale Stütze in den ungewissen Covid-19-Zeiten.

Kleinere Druckereien behaupten sich gut

Broglie hatte festgestellt, dass sich Trends in der ausserordentlichen Corona-Epoche verfestigen: im Fall der Chromos-Gruppe die Verlagerung des Umsatzes von der grafischen Industrie zur Verpackungsindustrie. Dies wurde von Tom Oelsner, dem Leiter der Digital Unit von Heidelberg, bestätigt und mit genauen Zahlen belegt. Der Primus unter den Druckmaschinenherstellern kann von den meisten der ausgelieferten Geräte die Produktionszahlen abrufen und so ein genaues Bild von der aktuellen Situation abgeben. Darin sieht er Krisen-Gewinner (Pharma, Hygiene und Lebensmittel), welche sich durch einen erhöhten Bedarf auszeichnen, Krisen-Geschüttelte (so die Autoindustrie), die einen hohen Einbruch verzeichnen, welche jedoch dank Unterstützung bald einen Nachholbedarf ausweisen dürften sowie die Krisen-Geschockten (Reisen, Messen, Events), bei denen mit einer langen Erholungszeit zu rechnen ist, was zu Umsatzeinbrüchen führt. Bei den Druckereien sind es vor allem die kleineren Spezialisten, die sich gut behaupten, während Grossbetriebe in der Auslastung viel stärker schwanken und die mittleren Druckereien zwischen diesen Extremen liegen.

Wissen immer noch nicht, was los ist

Ohne erläuternde Folien, aber mit gutem Einblick in die tägliche Arbeit als Magistrat, präsentierte Bundesrat Ueli Maurer seine Sicht der Coronavirus-Krise und vor allem, was der Staat unternimmt, um aus dieser wieder herauszukommen. Standen zu Beginn vor allem gesundheitliche Aspekte im Vordergrund, so sind es heute wirtschaftliche Fragen, welche den Bundesrat hauptsächlich beschäftigen. Hier gilt es, Unternehmen und ihren Mitarbeitenden Sicherheit zu vermitteln, denn mit einer Normalisierung der Lage darf erst in zwei bis drei Jahren gerechnet werden. Dazu kommen gesellschaftliche Überlegungen, so Vorsichtsmassnahmen wie etwa die Schliessung von Schulen.

Da gilt es laut unserem obersten Säckelmeister ebenfalls pragmatisch zu bleiben; dazu lautet Maurers bemerkenswertes Credo: «In der Politik sollten wir nicht schauen, was wir tun müssen. Sondern, was wir nicht tun dürfen.» Auch wenn die Fallzahlen momentan wieder steigen, bleiben die Hospitalisierungen sowie die Sterberate immer noch tief, so dass auf zu einschneidende Folgen für unser tägliches Leben verzichtet werden muss. Moderator Matthias Ackeret scheute sich auch nicht, den Bundesrat mit kritischen Gedanken zu konfrontieren. Etwa auf die mancherorts gerügte Trägheit von Behörden angesprochen, meinte Maurer lakonisch, man habe die Krise gut gemeistert, obwohl man immer noch nicht genau wisse, was es war.

Wichtig ist, dass man vorwärts kommt, innovativ bleibt und flexibel ist. Dies gilt für die Behörden ebenso wie für die Unternehmen. (Hannes Zaugg)

 

 

 

 

 

 



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