04.07.2005

"Nun holt mich die Arbeit wieder ein"

Matthias Knill, Kommunikationschef des Industriekonzerns SIG, wurde Zweiter am härtesten Radrennen der Welt, dem Race Across America (RAAM). Er und sein Team haben in sechs Tagen 4800 Kilometer zurückgelegt und dabei durchschnittlich zwei Stunden pro Tag geschlafen -- im Auto, draussen auf der Wiese und in Hotellobbys. Da nach zwei Tagen das Wohnmobil ausfiel, hatte das Team keine Betten mehr. "persoenlich.com" sprach mit dem PR-Profi über das sportliche Abenteuer.
"Nun holt mich die Arbeit wieder ein"

Herr Knill, nur vier Tage nach der Absolvierung des wohl härtesten Radrennens der Welt, sind Sie schon wieder an Ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Wie fühlen Sie sich nach dieser Gewaltsanstrengung?

Gut. Körperlich konnte ich mich schon vollauf erholen. Ich verspüre zwar noch eine gewisse Müdigkeit, aber die hat in den vergangenen vier Tagen nach dem Rennen schon stark nachgelassen. Nun holt mich die Arbeit wieder ein.

Nachdem Sie sechs Tage praktisch ununterbrochen in die Pedalen getreten haben: Steht einem da der Sinn schon wieder nach Arbeit?

Ich konnte mich in den vergangenen zwei Wochen allein auf das Rennen konzentrieren. Nun steht halt wieder der Alltag im Vordergrund. lm Gegensatz zu vielen anderen Teams im Rennen bestand unsere gesamte Mannschaft aus Amateuren. Das heisst auch, dass wir alle Ferientage für das Rennen -- wie auch für die Vorbereitung -- hergeben mussten.

Was braucht es, um an RAAM erfolgreich zu sein?

Erstens ein starkes Team. Neben gut trainierten Radfahren ist die Begleitmannschaft von grösster Bedeutung. Spezialisten wie Arzt, Physiotherapeut oder Koch bilden zusammen mit einem Gruppe von motivierten Generalisten die Basis für den Erfolg. Zweites braucht es Ausdauer. Im Rennen wie auch in der mindestens einjährigen Vorbereitungsphase. Und drittens benötigt man auch eine Portion Glück, um sicher und unfallfrei über die 4800 Kilometer zu kommen.

Was ist der Reiz, sich während einer Woche so zu quälen?

Zugegeben: Der Radrennsport weist natürlich eine Leidenskomponente auf. So ganz ohne Schmerzen geht es nicht. Dennoch sind es am Schluss die schönen Momente, die mir bleiben. Das Rennen haben wir ja im Team absolviert: Nicht nur wir vier Fahrer wurden gefordert, sondern eine ganze Crew von 15 Personen. Was in der Vorbereitungszeit und während dem Rennen passierte, war sehr wertvoll und spannend.

Nach zwei Tagen fiel ihr Wohnmobil aus, danach hatten sie keine Betten mehr. Haben Sie nie ans Aufgeben gedacht?

Nein, das nicht. Wir haben uns vielmehr -- im Rollen -- darüber Gedanken gemacht, was wir unter diesen Bedingungen noch erreichen können. Die Situation war sicherlich kritisch: Ohne Wohnmobil waren wir gezwungen einen Ersatzwagen zu mieten und mehr zu fahren. Dadurch wurde unsere Ruhezeit reduziert. Die Frage war: Wie lange können wir noch die Geschwindigkeit hochhalten und wie sehr muss das Team der Sicherheit auf Kosten des Tempos Rechnung tragen?

Welche Erinnerungen nehmen Sie mit nach Hause?

Es sind zahlreiche schöne Erinnerungen, die das Race Across America zum einmaligen Ereignis machen. Einzigartige Landschaften, eindrucksvolle Nachtstimmungen oder eine glanzvolle Zieleinfahrt in Atlantic City. Unvergesslich bleiben auch die aussergewöhnlichen und unerwarteten Situationen, die durch den Ausfall des Wohnmobils entstanden. Ich hätte mir beispielsweise nie vorgestellt, einmal mangels frischer Kleidung in den Unterhosen durch Indianapolis zu fahren. Auch diese nächtliche Fahrt werde ich nie vergessen.

Arbeit, Leistungssport und Familie -- Geht das zusammen?

Die grösste Herausforderung ist zweifellos das Zeit-Management. Die Woche hat nur 168 Stunden. Durch drei geteilt ergibt das je 56 Stunden für die Arbeit, für den Schlaf sowie für Sport und Familie. Der Trick dabei ist, dass man Randzeiten eliminiert und die verschiedenen Aktivitäten kombiniert: So etwa begleitete mich meine Familie im Trainingslager. Aber als Berufstätiger war ich schon gezwungen, im vergangenen Jahr die Freizeit dem Sport unterzuordnen. Wir alle haben sehr intensiv trainiert.

Sie können auf eine äusserst erfolgreiche Woche zurückblicken. Ihr Rad-Team belegte am „Race Across America“ den zweiten Rang, im eben publizierten BILANZ-Kommunikationsrating liegt Ihr Unternehmen an der Spitze. Ist Letzteres in diesem Moment für Sie überhaupt noch von Bedeutung?

Ich habe mich schon gefreut, aber ich bin nicht einer, der seine Arbeitsleistung über Ratings bemisst. Ich verstehe die gute Platzierung in der Top-100-Bewertung zwar als Wertschätzung für unsere Kommunikationsarbeit, wichtiger aber ist, dass unsere Zielgruppen -- die Mitarbeiter, Kunden und die Öffentlichkeit -- zufrieden sind. Um die Brücke zum Sport zu schlagen: Wir haben bei der SIG Ausdauer bewiesen und uns verbessert. So haben wir alle Prozesse optimiert, und die Transparenz erhöht. Das erreicht man -- wie im Sport -- nicht vom einen auf den anderen Tag. Ob wir nun als Nummer Eins, Zwei oder Drei eines Ratings aufgeführt werden, ist nicht so relevant.

(Text: David Vonplon)



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