Der Verwaltungsrat der Process-Agenturgruppe hat entschieden, sich Ende Oktober aus dem Schweizer Markt zurückzuziehen. Man wolle sich auf die drei Niederlassungen in Shanghai, Taipeh und Chengdu mit insgesamt 20 Mitarbeitenden konzentrieren, heisst es auf Anfrage von persoenlich.com. Zuvor erreichten die Redaktion Gerüchte, dass Process Zürich Konkurs angemeldet habe. Dies wurde auf Anfrage dementiert.
Auf die Frage nach den Gründen für die Schliessung des Zürcher Standorts holt Martin Kessler, Verwaltungsratspräsident der Process AG, weit aus: «Den immateriellen Wert einer Marke für ein Unternehmen und den Markt zu beziffern, fällt vielen Verantwortlichen auf Unternehmensseite immer schwerer. Viele wissen auch kaum noch, wie man Marken langfristig weiterentwickelt oder zielführend attraktiv hält.» Stattdessen werde von Unternehmensseite her seit Jahren verstärkt hauptsächlich in MarTech und Abverkaufskommunikation investiert. Dies geschehe in der Hoffnung, die Performance sicherzustellen, um in der derzeitigen, schwierigen Konjunkturlage zu bestehen. «Das macht sich bereits seit einigen Jahren bei vielen Anbietern bemerkbar.»
Die Folgen sind laut Kessler, der vor rund 30 Jahren die Brandingagentur Process gründete, gravierend: «So schwindet nicht nur seit Jahren das Vertrauen in viele der grossen Brands, sondern es gelingt ihnen auch nicht mehr, gute Mitarbeitende mit dem entsprechenden Know-how zu rekrutieren. Gleichzeitig macht sich dies auch bei vielen Agenturen bemerkbar und führt dazu, dass Markenprojekte heute kaum noch rentabel zu betreiben sind.»
Über den Entscheid, den Schweizer Standort von Process zu schliessen, seien die Mitarbeitenden frühzeitig informiert worden. «Zudem haben wir die normalen Fristen grosszügig ausgelegt, was ihnen Zeit gab, sich eine neue Anstellung zu suchen», so Kessler gegenüber persoenlich.com. Die Schliessung betreffe «ein gutes Dutzend Mitarbeitende», was etwas mehr als neun Vollzeitstellen entspreche.
Einen Sozialplan gibt es nicht. «Wir haben konkret jeden einzelnen Mitarbeitenden, insbesondere auch unsere beiden Lehrlinge, beraten und begleitet, um eine passende Anschlussstelle zu finden. Mehrheitlich hat dies glücklicherweise gut geklappt», versichert Kessler.
Auch für Schweizer Kunden gebe es Anschlusslösungen. Kessler: «Einige grosse und relevante Projekte konnten erfolgreich und auch fristgerecht abgeschlossen werden. Mehrere Bestandskunden werden an uns bekannte Agenturen übergeben oder suchen sich eigenständig eine passende Anschlusslösung.» Auf der Referenzliste von Process Zürich stehen Unternehmen wie Migros, UBS, SwissLife, EKZ, SIX, Verkehrsbetriebe Zürich oder KKL Luzern.
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30.08.2024 08:51 Uhr

