15.10.2013

Roy C. Hitchman

Sandro Rüegger mit neuem Job als Headhunter

"Der Wettbewerb trennt die Spreu vom Weizen!", sagt der Ex-Weltwoche-Geschäftsführer.
Roy C. Hitchman: Sandro Rüegger mit neuem Job als Headhunter

Sandro Rüegger, der ehemalige Geschäftsführer der Weltwoche, ist in die Headhunting-Branche gewechselt. Als Partner der Roy C. Hitchman AG hat er sich unter anderem auf die Bereiche Medien und Kommunikation spezialisiert. Persoenlich.com hat sich mit Sandro Rüegger über seine ersten Erfahrungen unterhalten. 

Herr Rüegger, Sie waren zuletzt Geschäftsführer der Weltwoche. Warum sind Sie nun in die Headhunting-Branche gewechselt?
Weil ich hier zwei Elemente vereinen kann, die mein Berufsleben stark prägten. Einerseits das Know-how und die grosse Leidenschaft für die Medien- und Kommunikationsbranche, andererseits das umfassende Kontaktnetz und die Freude am Umgang mit Menschen.

Woher nehmen Sie die Erfahrungen?
Ich durfte schon sehr jung Führungsaufgaben übernehmen. Das ist in den letzten 25 Jahren so geblieben, einfach mit dem Unterschied, dass die Verantwortungsbereiche grösser oder komplexer wurden. Alles in allem konnte ich hunderte von Rekrutierungs- und Anstellungsgesprächen führen, woraus viele erfolgreiche Einstellungen resultierten. Als Auftraggeber war ich mit der Headhunting-Branche und mit Personalvermittlern regelmässig in Kontakt. Dies, in Kombination mit der langjährigen Executive Search-Erfahrung meiner Kollegen Roy Hitchman und Roman Huber, ergibt einen reichhaltigen Erfahrungsfundus und Kompetenzmix.

Sind Jobwechsel in der Kommunikationsbranche nicht oftmals Beziehungsdelikte?
Dass sich Beziehungsdelikte nur auf die Kommunikationsbranche beschränken, kann ich so nicht bestätigen. Unabhängig von der Branche sind Beziehungsdelikte falsche "Delikte", wenn man sich nur auf diese verlässt, sich ausschliesslich im unmittelbaren Geschäfts- und Kollegenumfeld tummelt, auf Quick Wins aus ist, ständig Leads platziert und die immer gleichen Leute mehr oder weniger von A via B nach C und wieder zurück verschiebt. Wichtig ist, dass man offen, sehr systematisch und vor allem unvoreingenommen an eine Suche herangeht. Dann gehören sogenannte Beziehungsdelikte, sofern die Personen fachlich und menschlich überzeugen, aber genauso in eine Auswahl wie neu recherchierte, unter Umständen branchenfremde Fachspezialisten und Führungskräfte. Am Schluss muss das Profil perfekt passen. Gerade im Medien- und Kommunikationsgeschäft ist es offenkundig: Die grosse Herausforderung besteht darin, herausragende Köpfe zu finden, die das traditionelle, wertschöpfende Geschäft verstehen, aber auch den Transformationsprozess mitgestalten und neue Märkte innovativ entwickeln können – systematisch, unternehmerisch, mit Leidenschaft und Erfolgshunger.

Ist der Markt nicht bereits übersättigt?
Ja, das ist er. Und das macht den Reiz aus; im Markt bestehen, besser, schneller und innovativer zu sein als die Mitbewerber. Der Wettbewerb trennt die Spreu vom Weizen. Wie ein deutsches Sprichwort sagt, hat nur der Letzte keine Konkurrenz.

Wodurch unterscheiden Sie sich von Ihren Mitbewerbern?
Erstens durch klare Fokussierung. Wir konzentrieren uns nur auf Branchen, die wir sehr genau kennen. Bei mir sind es unter anderem die Bereiche Medien, Marketing und Corporate Communications. Im Mediengeschäft war ich selber 15 Jahre lang operativ tätig. Die Menschen, der Markt, die Mechanismen und Herausforderungen sind mir vertraut, kommerziell wie redaktionell. Zweitens übernehmen wir nur Aufträge, von denen wir überzeugt sind, dass wir sie erfolgreich zu Ende führen können – selbst wenn es echte "Knacknüsse“ sind. Drittens, wir arbeiten auf eigenes Risiko, sind unternehmerisch tätig und wickeln alle Mandate selber ab. Wir haben somit ein vitales Interesse, mit überzeugender Arbeit langfristige und nachhaltige Kundenbeziehungen zu schaffen.

Braucht es Headhunting im Zeitalter von Social Networks wie Xing oder Linkedin überhaupt noch?
Xing und LinkedIn haben Suchprozesse vereinfacht und beschleunigt. Facebook macht uns gläsern. Wir leben zwar im Zeitalter der Transparenz, aber das vertrauliche Gespräch gewinnt an Bedeutung, Diskretion an Wert. Im Executive-Bereich sind Top-Shots nach wie vor eher selten über offene Netzwerke zu finden. Es zahlt sich darum aus, wenn man auf eine proprietäre, professionell gepflegte Datenbank und ein über Jahre aufgebautes, persönliches Netzwerk zurückgreifen kann. Letztlich sitzen einem in den Interviews Menschen aus Fleisch und Blut gegenüber, diese gilt es möglichst umfassend und fair zu beurteilen - Social Media hin oder her. Das vertrauliche, persönliche Gespräch ist unerlässlich. Es braucht auch in hundert Jahren noch a) präzise Marktkenntnisse, b) gesunden Menschenverstand und c) ein verlässliches Bauchgefühl.

Wie gross ist Ihr Apparat?
Überschaubar klein. Wir sind drei Consultants und zwei Office Managerinnen, die sich ein 100%-Pensum teilen. Für internationale Mandate aktivieren wir unser Netzwerk Penrhyn mit 31 Büros in über 20 Ländern.

Interview: Matthias Ackeret

 


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