Im Kanton Tessin, der besonders schwer von der Coronakrise betroffen ist, arbeiten neu Journalisten des Radios und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI) im kantonalen Krisenstab mit. Dies schreibt die Schweiz am Wochenende in ihrer aktuellen Ausgabe. Die Kommunikationsabteilung des Tessiner Krisenstabs wird von der Kantonspolizei geführt und von der Staatskanzlei sowie den einzelnen Departementen unterstützt. Wer mit der Kommunikationsabteilung in Kontakt träte, so die Zeitung, treffe aber auch auf Journalisten des RSI.
Ärger in den Redaktionen
Gegenüber der Schweiz am Wochenende erklärte RSI, dass dieser Einsatz durch eine Vereinbarung geregelt sei, die vor einem Jahr zwischen dem Polizei- und Justizdepartement und dem RSI abgeschlossen worden sei und von der jetzt Gebrauch gemacht werde. In diesem Leistungsauftrag sei festgelegt, dass RSI Personal und technische Mittel für Redaktion, Produktion und Verbreitung von institutionellen Nachrichten und Informationen des Krisenstabs garantiere. Den genauen Wortlaut will RSI aber gemäss Schweiz am Wochenende unter Verweis auf den «internen Charakters des Dokuments» nicht bekanntgeben. RSI betont aber, dass die Unabhängigkeit und Autonomie dieser Personen in ihrer Funktion als Journalisten in keiner Weise eingeschränkt sei. Trotz dieser Beteuerungen, so will Schweiz am Wochenende wissen, komme die Praxis RSI-intern nicht überall gut an und habe schon zu einigem Ärger in den Redaktionen geführt. Es sei schwierig, die beiden Themenfelder sauber zu trennen, wenn man selbst in Entscheide involviert sei.
Tessin als Einzelfall
Die SRG-Medienstelle betont, dass einzig die RSI einen solchen Leistungsauftrag mit einem kantonalen Krisenstab abgeschlossen habe. Das Tessin sei insofern ein Sonderfall, so SRG-Sprecher Edi Estermann in der Schweiz am Wochenende, da ein Kanton für eine Unternehmenseinheit stehe. Grundsätzlich sei eine solche Regelung auch für RTR, das Radio und Fernsehen der rätoromanischen Schweiz, möglich, doch dort habe man davon nicht Gebrauch gemacht. (ma)

