22.08.2019

Trendmonitor

Umfrage bei PR-Profis sorgt für Stirnrunzeln

«Kassensturz» ist die meist gefürchtete Investigativ-Redaktion. SRF jubelt, andere kritisieren das Ranking. News aktuell räumt nun ein, bei der Umfrage Fehler gemacht zu haben.
von Christian Beck

Am Mittwoch ist der PR-Trendmonitor von News aktuell und Faktenkontor vorgestellt worden: Das SRF-Konsumentenmagazin «Kassensturz», die Tamedia-Redaktion und das Online-Magazin «Republik» sind demnach die drei von Schweizer PR-Profis meist gefürchteten Investigativ-Redaktionen (persoenlich.com berichtete).

Die Umfrage-Ergebnisse sorgen beim Schweizer Fernsehen für Freude. So twittert SRF-TV-Chefredaktor Tristan Brenn am Donnerstagmorgen: «Hartnäckig, kritisch, investigativ: Die PR-Branche hat von allen Medien mit Abstand am meisten Respekt vor dem ‹Kassensturz›».


Dass man sich vor Redaktionen fürchten sollte, kann Roland Portmann, früher Kommunikationschef bei Schutz & Rettung Zürich, nicht verstehen. «Wenn ich solche Begriffe im Zusammenhang mit der Zusammenarbeit von PR/Medienstellen und Journalisten/Redaktionen höre, beschleicht mich jeweils ein komisches Gefühl», schreibt Portmann auf Twitter. Warum soll sich jemand fürchten – egal auf welcher «Seite», fragt er sich.

Auch von «der anderen Seite» klingt es ähnlich. «Diese Liste ist billigster Schnellschuss. Das Recherchemagazin ‹Beobachter› wurde in die Befragung gar nicht aufgenommen», kommentiert «Beobachter»-Chefredaktor Andres Büchi den Artikel auf persoenlich.com. Aber: «Ich erwähne gerne, dass wir auch keine Redaktion sein wollen, vor der man sich ‹fürchten› muss. Wir wollen ja auch möglichst nah an die Wahrheit ran.» Dem «Beobachter» genüge es deshalb, wenn er für die Hartnäckigkeit und Unabhängigkeit respektiert werde.

Wie aber wurde überhaupt die Umfrage durchgeführt? persoenlich.com hat bei News aktuell nachgefragt. Konnten die 130 Fach- und Führungskräfte der PR die Frage «Welche drei Investigativ-Redaktionen halten Sie für die am meisten gefürchteten?» offen beantworten? «Die Antworten waren vorgegeben – Multiple-Choice mit maximal drei Antwortmöglichkeiten –, und es gab kein Freifeld für sonstige Antworten», so Janina von Jhering, Stellvertretende Leiterin Konzernkommunikation bei News aktuell (Schweiz), ein Unternehmen der deutschen DPA. Dass der «Beobachter» bei den Antwortoptionen gefehlt habe, sei ein Fehler gewesen, räumt sie ein.


Und wie kommt es, dass mit den Antwortoptionen «Kassensturz», SRF und SRG faktisch Äpfel mit Birnen verglichen werden? «Es ging uns darum, diejenigen journalistischen Institutionen aufzuführen, die investigative Journalisten haben», so Von Jhering. «Die ‹Organisationsstruktur› dieser Institutionen ist dabei sehr unterschiedlich. So gibt es das Netzwerk investigativ.ch, einige Medienunternehmen haben konkrete investigative Formate wie SRF mit ‹Kassensturz› und einige Medienunternehmen haben formatunabhängige investigative Journalisten, die wir daher dann übergeordnet als Unternehmen aufgeführt haben.»



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