Am vergangenen 5. April richtete das Schweizer Fernsehen SRF die Kameras einmal auf sich selber. Während fast 24 Stunden begleitete ein Videoteam seine Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit im Newsroom im neuen News- und Sportcenter in Zürich.
Entstanden ist dabei ein rund 20-minütiger Film, den SRF bei Publikumsführungen zeigen wird. Zudem ist geplant, aus dem umfangreichen Drehmaterial eine dreiteilige Serie für das «10 vor 10» zu produzieren, die das Nachrichtenmagazin im Juli zeigen wird. Ausserdem sollen aus den Aufnahmen auch Clips entstehen für Berufsbilder, die SRF bei Stellenausschreibungen verwendet.
Der Film beginnt in der Nacht. Nur zwei Personen halten dann die Stellung im riesigen SRF-Newsroom. Sie sind allein für die Onlinekanäle, den Teletext und die Radionachrichten verantwortlich. Ab vier Uhr morgens beginnt sich dann der Newsroom allmählich zu bevölkern. Bis am Mittag geniessen die News-App und die Radionachrichten hohe Priorität, weil sich das Publikum über diese Vektoren informiert. Währenddessen beginnen die drei grossen Informationssendungen des Schweizer Fernsehens, «Schweiz aktuell», «Tagesschau» und «10 vor 10», allmählich mit der Planung ihrer abendlichen Ausgabe. Am Nachmittag recherchieren die Journalistinnen und Redaktoren, bevor sie dann für den Dreh oder die Live-Schaltung mit der Kamera ausschwärmen. Währenddessen hört der Nachrichtenpuls am futuristisch anmutenden Monsterdesk nie auf zu schlagen.
«Das Geschehen so wenig wie möglich beeinflussen»
«Wir wollten möglichst alle journalistischen Rollen, die bei Newsproduktionen mitwirken, zeigen», kommentiert Gregor Sonderegger, stellvertretender Nachrichtenchef und Produzent des Unternehmensfilms, im SRF-internen Newsletter «Live». Beim Dreh hätten sie darauf geachtet, nach dem «fly on the wall»-Prinzip zu filmen, also fast unsichtbar wie eine Fliege an der Wand zu agieren. «Das heisst, wir wollten das Geschehen so wenig wie möglich durch die Präsenz der Kamera beeinflussen», so Sonderegger weiter.
Der Unternehmensfilm zeigt, wie die verschiedenen Funktionen bei der Nachrichtenproduktion wie in einem Räderwerk passgenau ineinandergreifen. Obwohl SRF den Begriff selbst nicht verwendet, sehen wir hier das Porträt einer modernen Newsfabrik. Natürlich läuft in der Realität nicht alles ganz so reibungslos wie in dieser Selbstdarstellung, die ja auch ein positives Bild des Unternehmens zeichnen soll. Zwar sieht man auch, wie ein geplanter Beitrag «abstürzt» wegen einer technischen Übermittlungspanne. Auswirkungen aufs Programm hat das aber keine. Man habe auch Glück gehabt mit dem gewählten Drehtag am 5. April. «Natürlich haben wir darauf geachtet, dass der Dreh nicht gleich auf einen völlig untypischen Newstag fällt», erklärt Produzent Gregor Sonderegger. «Wir wussten bei der Terminplanung, dass uns am Mittwoch vor Ostern vielleicht der Stau am Gotthard und die Generalversammlung der UBS beschäftigen werden.»
«Hallo SRF» und «Die Fernsehfabrik»
Der aktuelle Unternehmensfilm reiht sich ein in eine lange Reihe von Blicken hinter die Kulissen. In den letzten Jahren bot SRF vor allem im Rahmen seiner Transparenzoffensive «Hallo SRF!» dem Publikum die Möglichkeit, bei der Entstehung von Radio- und Fernsehproduktionen live und zu Hause am Bildschirm dabei zu sein.
Legendär in Sachen Selbstdarstellung sind die drei Folgen von «Die Fernsehfabrik» von 1973, 1980 und 1983. In insgesamt gut zwei Stunden entsteht ein Bild vom Fernsehschaffen, das nicht nur das Handwerk zeigt, sondern auch (selbst)kritisch die gesellschaftliche Rolle des schon damals nicht mehr ganz neuen Mediums hinterfragt.
Natürlich verbietet sich ein direkter Vergleich der «Fernsehfabrik»-Sendungen mit der jüngsten Produktion aus dem Hause SRF. Dennoch hätte es dem neuen Unternehmensfilm nicht geschadet, wenn er nicht nur auf Produktion und Abläufe fokussiert, sondern auch Einblicke in redaktionelle Auswahl- und Entscheidungsprozesse geboten hätte; etwas weniger wie, dafür mehr warum.

