25.04.2021

Studie der Uni Zürich

Vor allem Banken kämpfen mit Compliance-Krisen

Das Fög hat die Medienberichterstattung während zehn Jahren untersucht. Ein wichtiges Fazit: Entlassungen, Stellungnahmen des Topmanagements oder eine offizielle Entschuldigung sollten Firmen mit Bedacht einsetzen.
Studie der Uni Zürich: Vor allem Banken kämpfen mit Compliance-Krisen
Raiffeisen sah sich mit nicht abbrechenden Negativschlagzeilen konfrontiert: Kurt Sidler, Präsident Koordinationsgruppe Regionalverbände, im Jahr 2018 bei einer Medienkonferenz. (Bild: Keystone/Ti-Press/Davide Agosta)
von Edith Hollenstein

Die Postauto-Affäre, die Untersuchung gegen die Raiffeisen-Manager oder der Skandal um Novartis wegen Zahlungen an Trump-Anwalt Michael Cohen: Compliance-Krisen sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Zwar entwickelt sich nur ein kleiner Teil von Compliance-Krisen zu viel beachteten Medienskandalen. Umso grösser sind dann jedoch die Reputationsrisiken, die durch schwer vorhersehbare mediale Kommunikationsdynamiken verstärkt werden.

Weshalb stossen Compliance-Krisen auf unterschiedliche Beachtung und was können die betroffenen Organisationen tun, um einen Reputationsschaden abzumildern? Diesen Fragen ist das Forschungszentrum für Öffentlichkeit und Gesellschaft Fög der Universität Zürich in einer Untersuchung nachgegangen. Basis der Analyse bildet die Berichterstattung zu Unternehmen zwischen 2008 und 2018 – insgesamt 250'000 Medienbeiträge zu den 125 grössten Schweizer Unternehmen.

Auch Pharma- und Rohstoffindustrie trifft es

Die Befunde zeigen, dass nur 12 Prozent der untersuchten Compliance-Krisen eine intensive, negative Berichterstattung nach sich gezogen haben. Die meisten Fälle würden nach kurzer Zeit wieder aus den Schlagzeilen verschwinden, schreiben die Studienautoren auf ihrer Webseite. Branchen seien unterschiedlich stark von Compliance-Krisen betroffen – am stärksten Banken, gefolgt von der Pharma- und der Rohstoffindustrie. Neben der Branchenzugehörigkeit haben auch andere Kontextfaktoren, wie etwa die Firmengeschichte und die Eigentümerstruktur, einen Einfluss auf die Bewältigung von Compliance-Krisen.

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Es zeigt sich, dass Massnahmen mit starkem Bezug zu den Ereignissen positiv wirken. «Die Überarbeitung der Compliance-Regeln und die Kompensation von Betroffenen wirken gemäss unserer Studie positiv. Auch eine aktive Kommunikation hat einen positiven Effekt auf die Wahrnehmung», sagt Studienautor Daniel Vogler im Interview mit persoenlich.com. Massnahmen mit hohem Nachrichtenwert, wie zum Beispiel Entlassungen, Stellungnahmen des Topmanagements oder eine offizielle Entschuldigung, würden zwar zu einer höheren Medienresonanz führen, hätten jedoch keinen Einfluss auf die Bewertung der Krise. Sie seien daher mit Bedacht einzusetzen.

Transparente Kommunikation geht nicht immer

Die Studie zeigt ausserdem, dass die Berichterstattung weniger negativ ausfällt, wenn das betroffene Unternehmen in der Compliance-Krise aktiv und transparent kommuniziert. Aus rechtlichen Gründen ist dies jedoch nicht immer möglich.

Vogler rät, das Thema Compliance nicht nur auf die rechtliche Sicht zu limitieren, sondern auch Reputationsaspekte im Krisenmanagement stärker zu beachten. «Rechtliche und kommunikative Aspekte müssen in Krisen zusammen bedacht werden. Es bringt wenig, wenn man als Firma erklärt, dass  rechtlich nichts falsch gemacht wurde, wenn es gesellschaftlich nicht akzeptiert ist.» 

Die Studie basiert auf einem umfassenden Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Compliance-Expertin Monika Roth von der Hochschule Luzern, das durch den KBA-NotaSys Integrity Fund gefördert wurde.



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