02.08.2023

Greenpeace

«Wir empfehlen keine Parteien zur Wahl»

Greenpeace wird vor den eidgenössischen Wahlen eine spendenfinanzierte Kampagnenzeitung in der ganzen Schweiz verteilen. Damit will die NGO umweltbewusste Nicht-Wählerinnen und -Wähler zum Urnengang motivieren. Mediensprecher Daniel Hitzig erklärt die Hintergründe.
Greenpeace: «Wir empfehlen keine Parteien zur Wahl»
«Greenpeace besorgt vom Konzept über die Redaktion, Produktion und das Layout der Wahlzeitung alles inhouse»: Daniel Hitzig. (Bild: zVg)

Daniel Hitzig, Greenpeace sammelt derzeit Geld für eine Wahlzeitung. Bedrucktes Papier im ganzen Land zu verteilen, kostet viel und ist nicht besonders umweltfreundlich. Wieso setzt Greenpeace trotzdem auf diese Kommunikationsform?
Wir setzen auf Print, weil eine Zeitung eher geteilt und von mehreren Menschen gelesen wird. Und weil wir damit mehr Aufmerksamkeit erzeugen und mehr Menschen zum Wählen bewegen können. Wenn wir mit der Zeitung unser Ziel erreichen und mehr klimasensitive Politikerinnen und Politiker nach Bern gewählt werden, wird der ökologische Fussabdruck der Schweiz insgesamt reduziert. Um die negativen Auswirkungen für die Umwelt so tief wie möglich zu halten, drucken wir auf dünnem Recycling-Zeitungspapier.

Greenpeace will mit der Wahlzeitung «umweltbewusste Menschen» erreichen, «die bisher noch nie oder nur selten gewählt haben». Wie erreicht ihr Haushalte mit genau diesem Profil?
Die Zielgruppen wurden anhand der Daten des Bundesamts für Statistik in Zusammenarbeit mit der Post identifiziert. Wir beliefern Menschen in Gemeinden, in denen Klima- und Umweltvorlagen eine hohe Zustimmung haben, dabei jedoch eine unterdurchschnittliche Wahlbeteiligung aufweisen. Hier sehen wir das grösste Potenzial, zusätzliche umweltbewusste Stimmberechtigte in grosser Zahl zur Wahl zu bewegen.

«Wir wollen Gegensteuer geben. Nicht mit Alarmismus, sondern mit lustvoller Aufklärung.»

Warum soll sich diese Zielgruppe durch eure Zeitung zum Wählen motivieren lassen?
Das Klimathema mag im Moment nur auf Platz fünf des Sorgenbarometers stehen, das hat jedoch auch damit zu tun, dass viele eine Art Fatalismus entwickelt haben. Sie zweifeln daran, dass sich das Steuer in Sachen Klimawandel überhaupt noch herumwerfen lässt. Da wollen wir Gegensteuer geben. Nicht mit Alarmismus, sondern mit lustvoller Aufklärung.

Mit 500’000 Zeitungsexemplaren wollt ihr eine Million Menschen erreichen. Wie kommt Greenpeace auf diese Zahlen?
Die meisten Zeitungen, die in einem Haushalt landen, werden mehrmals angeschaut. Die Wochenzeitung WOZ mit einer verkauften Auflage von um die 20’000 Exemplaren wirbt damit, mehr als 90’000 Leserinnen und Leser zu erreichen. Dagegen sind wir mit unserer Annahme äusserst konservativ.

Die Wahlzeitung will zur Klimakrise informieren. Was wird in der Wahlzeitung stehen, was man nicht eh schon weiss?
Die ehrliche Antwort lautet: Nicht allzu viel. Aber genau darin liegt ein veritables Drama: Wir sind eigentlich bestens über die Klimakrise und die Folgen von übermässigem Konsum informiert. Und doch bewegt sich die Politik nur in kleinsten Schritten. Das muss sich ändern. Angesichts der bereits stattfindenden Klimakatastrophe die Hände in den Schoss zu legen, geht einfach nicht.

Promis aus Politik und Unterhaltung, etwa Moritz Leuenberger, Anna Rossinelli oder Patrick «Karpi» Karpiczenko, unterstützen die laufende Spendensammlung mit Statements. Werden sie auch für die Zeitung schreiben?
Ja, das werden sie. Aber mehr wollen wir noch nicht verraten.

«Greenpeace ist politisch völlig unabhängig und empfiehlt keine Parteien zur Wahl.»

Wird Greenpeace Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl in die eidgenössischen Räte empfehlen?
Nein, Greenpeace ist politisch völlig unabhängig und empfiehlt keine Parteien zur Wahl – auch in ihrer Wahlzeitung nicht. Richtig ist, dass sich Greenpeace immer wieder sachbezogen zu politischen Fragen äussert. Kräfte, die sich für einen möglichst schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen, Biodiversität und für echten Klimaschutz einsetzen, sollten auch über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten. Die politische Polarisierung und Ausgrenzung von Menschen mit anderen weltanschaulichen Präferenzen schadet da nur.

Welche Agentur übernimmt Konzept und Gestaltung der Wahlzeitung?
Greenpeace besorgt vom Konzept über die Redaktion, Produktion und das Layout alles inhouse. Wir haben diese Kompetenzen letztlich alle bei uns in der Organisation. Das ist nicht nur eine Kostenfrage, sondern hält die Kommunikationswege zwischen den beteiligten Rollen kurz und effizient.

Setzt Greenpeace in der Kommunikation zu den eidgenössischen Wahlen voll auf Papier oder gibt es auch eine digitale Kampagne?
Selbstverständlich werden wir die Inhalte unserer Wahlzeitung auch auf den digitalen Kanälen ausspielen, also auf unserer Website und in anderen digitalen Medien.


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