01.04.2020

Serie zum Coronavirus

«Wir haben viel mehr Medienanfragen»

Im Teil 13: Marcel Odermatt, Kommunikationsverantwortlicher Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich.
Serie zum Coronavirus: «Wir haben viel mehr Medienanfragen»
«Die Medienschaffenden haben offenbar viel Zeit zum Nachdenken», so Marcel Odermatt, Kommunikationsverantwortlicher Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich und ehemaliger SonntagsBlick-Bundeshausjournalist. (Bild: zVg.)
von Matthias Ackeret

Herr Odermatt, Sie sind langjähriger SoBli-Bundeshausjournalist und heutiger Kommunikationsverantwortlicher der Zürcher Gesundheitsdirektion. Wie fest beeinträchtigt Corona Ihren persönlichen Alltag?
Die Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegin und von mir in der Gesundheitsdirektion dreht sich fast ausschliesslich um das Coronavirus. Auch die Anfragen der Medienschaffenden werden fast zu 100 Prozent zu diesem Thema gestellt. Das wirkt sich natürlich auch auf mich persönlich aus. Die Wucht von Covid-19 dominiert im Moment alles. Aber das geht wohl aber nicht nur mir so, sondern den meisten Menschen.

Welche Auswirkungen hat der Virus auf Ihre berufliche Tätigkeit?
Die Absicht ist die gleiche, wie wenn keine Krise herrscht: Transparent und offen zu kommunizieren. Wir haben natürlich viel mehr Medienanfragen zu beantworten als das im Normalfall der Fall ist. Dazu kommt, dass die meisten Journalistinnen und Journalisten im Homeoffice arbeiten. Das macht sicher auch die Koordination auf den Redaktionen schwieriger. Es kann durchaus vorkommen, dass unsere Kommunikationsabteilung vom gleichen Portal oder der gleichen Zeitung an einem Tag von bis zu sechs Redaktorinnen und Redaktoren Fragen gestellt bekommt. Es gibt nur ein Thema – und die Medienschaffenden haben offenbar viel Zeit zum Nachdenken, was noch nachgefragt werden könnte. Was viele Journalisten wahrscheinlich unterschätzen: Oft erfordert es von der Verwaltung einen grossen Aufwand, scheinbar – aus Sicht der Journalisten – einfache Fragen zu beantworten. Dabei stehen die Mitarbeitenden der Gesundheitsdirektion sonst schon unter riesigem Druck und das seit Wochen. Hier fehlt mir manchmal etwas das Verständnis meiner Ex-Kolleginnen und Kollegen.

Wären Sie in der heutigen Zeit gerne wieder Journalist?
Wie wichtig Medien für unsere Gesellschaft sind, war immer klar. Jetzt wird die Bedeutung sogar noch deutlicher. Informationen sind in dieser Krise zentral. Journalist zu sein, bedeutet deshalb eine grosse Verantwortung und ein grosses Privileg. Ich war mit Herzblut Redaktor und liebte den Job sehr. Natürlich gibt es Momente, wo ich meine frühere Arbeit vermisse. Meine jetzige Tätigkeit ist jedoch ebenfalls spannend. Ich habe mit Regierungsrätin Natalie Rickli eine Chefin, die versiert und gerne kommuniziert. Das hilft bei meiner Arbeit natürlich enorm. Und ich bin mir auch bewusst, dass ich heute privilegiert bin, beim Kanton Zürich arbeiten zu dürfen. Die Stellen hier beim Kanton Zürich sind vergleichsweise sicher. Das ist im Moment auch eine meiner Sorgen: Hoffentlich wird die Medienbranche nicht zu einem Kollateralschaden der Coronakrise und es kommt wegen der sich abzeichnenden Wirtschaftskrise zu einschneidenden Abbauplänen, wie das jetzt teilweise angedeutet wird. Das wäre nämlich schlecht für uns alle.



Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com jeden Tag eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.

 



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