Alexandra Vatansever, Kreisvier wird 25. Was wünschen Sie sich zum Agentur-Geburtstag?
Ich wünsche mir, dass wir so bleiben, wie wir sind: neugierig, mutig und nah an unseren Kunden. Und gleichzeitig, dass wir noch sichtbarer werden: mit dem, was wir können, mit dem, wofür wir stehen. 25 Jahre sind ein schöner Anlass, um nicht nur zurückzuschauen, sondern auch nochmals nachzulegen.
Kreisvier nennt sich «Fullservice-Agentur der Nordwestschweiz» – und viele denken trotzdem, es sei eine Zürcher Agentur. Sie selbst sind Zürcherin, Ihr neuer Kreativchef David Lübke kommt aus Zürich (persoenlich.com berichtete). Ist der Claim mehr Wunsch als Wirklichkeit?
Das ist tatsächlich unser Running Gag: Basler Agentur mit Zürcher Namen (lacht). Nein, wir sind durch und durch Basel. Hier verwurzelt, hier gewachsen, und verdammt stolz darauf. Dass ich aus Zürich komme und David auch, ändert daran nichts. Wir holen uns die besten Köpfe, egal woher – aber unser Herz schlägt am Rhein. Und unsere Kunden kommen aus der ganzen Schweiz.
«Wir sind keine Dienstleister, sondern echte Partner»
Coop war von Anfang an dabei und ist es bis heute. Was sagt das über Kreisvier aus – und was über Coop?
Es sagt, dass wir keine Dienstleister sind, sondern echte Partner. Coop ist seit fast dem ersten Tag an dabei – und das über all die Jahre hinweg. Das entsteht nicht durch gute Pitches allein, sondern durch Vertrauen, durch Arbeit auf Augenhöhe, durch das Gefühl: Die verstehen uns, und wir verstehen sie. Darauf sind wir sehr stolz.
2022 haben Sie im Zuge der Fusion von Coop Bau+Hobby und Jumbo nicht nur den bestehenden Etat verteidigt, sondern den Gesamtetat der grössten Baumarktorganisation der Schweiz gewonnen. Was war das Erfolgsgeheimnis?
Wenn man über Jahre hinweg echte Partnerschaft lebt, dann zahlt sich das in solchen Momenten aus. Wir kannten die Marke, den Markt und die Menschen dahinter. Das gibt eine Tiefe, die man sich im Pitch gar nicht erspielen kann. Und natürlich haben wir geliefert – kreativ und strategisch.
Welches Projekt der letzten 25 Jahre macht Sie am meisten stolz?
Ich bin seit 2018 dabei, also kann ich nicht für alle 25 Jahre sprechen. Aber in meiner Zeit haben mich das Rebranding von Basel Tourismus und von Interlaken sehr bewegt – das sind Projekte mit echter Wirkung. Und dann ist da die leise, stetige Arbeit, die wir für Coop und Jumbo Jahr für Jahr leisten. Die macht keinen grossen Lärm, aber sie wirkt. Und das ist mir manchmal das Liebste.
Sie sagen selbst, Kreisvier fliege oft unter dem Radar. Warum – und was ändert sich jetzt konkret?
Ehrlich gesagt war uns das lange schlicht egal. Wir haben gute Arbeit gemacht, unsere Kunden waren zufrieden – und das reichte. Unsere Strahlkraft war sehr regional. Aber jetzt sagen wir klar: Wir sind gross, wir können viel, und das soll man wissen. Viele kennen uns gar nicht oder denken, wir seien vier Personen aus Zürich. Das ändern wir jetzt aktiv.
David Lübke beschreibt Kreisvier als bisher eher prozessorientiert, mit dem Ziel, mehr Richtung «Big Ideas» zu gehen. Stimmen Sie dieser Selbstdiagnose zu – und was bedeutet das für Ihre Kunden?
Dave hat gewissermassen recht, deshalb haben wir ihn auch geholt. Unsere Arbeit war schon immer kreativ, aber wir wollen uns noch klarer als kreative Kraft positionieren, mit Ideen, die wirklich hängen bleiben. Für unsere Kunden bedeutet das: noch mehr Mut, noch mehr Wirkung.
Kreisvier gehört gemessen an Grösse und Umsatz zu den zehn grössten Werbeagenturen der Schweiz. Spielt die Agentur auch kreativ in den Top Ten mit?
Von der Wahrnehmung her spielen wir dort noch nicht mit, das ist offen zu sagen. Aber mit dem Team, das wir haben, mit unserer Power und unseren Ideen: definitiv. Wir müssen uns nicht verstecken. Und dieser Moment, in dem wir das nach aussen zeigen, der ist jetzt.
«Unsere Spezialität ist die angewandte Kreativität»
Wie positioniert sich Kreisvier gegenüber etablierten Kreativgrössen wie beispielsweise Jung von Matt oder Wirz?
Wir sehen uns nicht als reine Kreativagentur. Klar, das lieben wir auch, aber unsere Spezialität ist die angewandte Kreativität. Denn schöne Ideen sind schön und gut, aber wenn sie dann draussen nicht oder nur halbherzig funktionieren, war es das halt auch schon. Diese Kombination aus Kreativität und Produktions-Know-how, sowohl on- als auch offline, das ist unser Revier.
Kreisvier ist inhabergeführt – in der Schweizer Agenturlandschaft hat das Seltenheitswert. Was bedeutet das konkret für die Art, wie Sie Entscheide treffen?
Entscheide fallen schnell, Kurswechsel sind möglich, und jeder Input aus dem Team wird ernst genommen. Wir haben vieles ausprobiert – nicht alles hat funktioniert, aber vieles schon. Diese Freiheit und Verantwortung gleichzeitig zu tragen, das ist das Schönste an dieser Rolle.
Wie rekrutieren Sie Toptalente nach Basel, wenn der Grossteil der Branche in Zürich sitzt?
Aktuell ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt etwas entspannter. Aber grundsätzlich gilt: Wenn man die richtigen Cases hat, das richtige Setup bietet und für etwas steht, dann holt man die Leute auch von Zürich nach Basel. Basel ist keine Kompromiss-Entscheidung, sondern eine bewusste.
Kreisvier ist von vier auf bis zu 50 Mitarbeitende gewachsen. Ab welcher Grösse wird eine Agentur ungemütlich?
Jede Grösse hat ihre Vor- und Nachteile. Mit vier Personen war alles schneller, agiler – jede Stimme zählte sofort. Mit 50 Mitarbeitenden hat man natürlich einen Organisationsapparat, dafür kann man dem Kunden von A bis Z alles aus einer Hand liefern. Ungemütlich wird es nicht, wenn die Haltung stimmt. Und die stimmt bei uns.
Sie haben 2018 als Managing Director übernommen, 2024 wurden Sie CEO. Was hat sich verändert – ausser der Visitenkarte?
Der Druck. Die Verantwortung. Die schlaflosen Nächte (lacht). Im Ernst: Mit der Rolle wächst auch das Gewicht jeder Entscheidung. Man trägt nicht nur für das Unternehmen Verantwortung, sondern für die Menschen dahinter. Das ist der Unterschied. Und den spürt man täglich.
«Wenn es um Menschen geht, wird es immer emotional»
Was war Ihr bisher schwierigster Entscheid als CEO?
Personalentscheidungen. Wenn es um Menschen geht, wird es immer emotional. Ich musste schwierige Anpassungen vornehmen – Trennungen, die wehgetan haben, mir und den Betroffenen. Auch wenn es im Rückblick die richtigen Entscheide waren. Das macht es nicht leichter, aber es macht es richtig.
KI verändert die Kommunikationsbranche grundlegend. Was bedeutet das konkret für das Tagesgeschäft bei Kreisvier?
Wir haben seit über zwei Jahren eine eigene Innovationsabteilung, das Kreisvier Lab. KI war dort von Tag eins an kein Buzzword, sondern gelebter Alltag. Wir haben unsere internen Prozesse angepasst, wir bauen eigene Produkte. Das Tagesgeschäft ist dadurch schneller und effizienter geworden und wir sind gut positioniert für das, was noch kommt.
Zum Schluss: Was wünschen Sie Kreisvier für die nächsten 25 Jahre?
Weiteren Erfolg, neue spannende Kunden, langfristige Partnerschaften – und ein tolles Team, das jeden Tag mit Überzeugung zur Arbeit kommt. Das hat die ersten 25 Jahre ausgemacht – und das wird die nächsten 25 noch besser machen. Und nicht zu vergessen: Spass an dem, was wir machen.

