07.01.2014

BPRA

"Wir wollen noch stärker zu einer Austauschplattform werden"

Verbandspräsident Andreas Hugi und Vorgänger Roman Geiser im Interview.
BPRA: "Wir wollen noch stärker zu einer Austauschplattform werden"

Herr Geiser, Sie treten nach vier Jahren als Präsident des Bundes der Public Relations Agenturen der Schweiz BPRA zurück (persoenlich.com berichtete). Was sind die Gründe? 
Roman Geiser: Die Ziele, die ich mir vor vier Jahren gesteckt habe, sind erreicht. Somit ist der Zeitpunkt perfekt, dieses Amt weiterzugeben. Hinzu kommt, dass mit Andreas Hugi ein Nachfolger bereitsteht, der schon im Vorstand wichtige Impulse gesetzt hat und von den Mitgliedern respektiert wird. Ein Verbandspräsidium bringt viel Arbeit – meist hinter den Kulissen – aber ich habe es als Ehre empfunden, diese Kommunikationsdisziplin vertreten zu dürfen. Aus dem Umstand, dass ich die grösste Agentur der Schweiz leiten darf, habe ich auch immer eine Pflicht abgeleitet, mich für die Anliegen der Branche zu engagieren.

Herr Hugi (vgl. Bild links), was erhoffen Sie sich von der Präsidentschaft des BPRA? 
Andreas Hugi: Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, den erfolgreichen Weg weiterzuführen, auf dem sich der BPRA als repräsentativer Branchenverband befindet.

Herr Geiser, was hat der BPRA unter Ihrer Präsidentschaft erreicht? 
G.: 
Wir haben die Marktrepräsentanz in den letzten Jahren deutlich verstärkt, es gehören heute 28 führende Agenturen zum BPRA. Wir haben zudem die verbandsinterne Arbeit vertieft und eine Chapter-Organisation eingeführt und schliesslich hat der BPRA mit der konsistenten Umsetzung der Zertifizierung aller Mitgliederagenturen ein deutliches Signal für die Qualität der BPRA-Agenturen gesetzt. Kunden wissen, dass sie bei einer BPRA-Agentur in guten Händen sind.

Was sind die gemeinsamen Interessen der Schweizer Public Relations Agenturen? 
G.: 
Der BPRA ist ein klassischer Arbeitgeberverband und wir besetzen entsprechend Themen, die für die Weiterentwicklung der Agenturen wichtig sind. Wir tun dies aber nicht als Selbstzweck, sondern um die Dienstleistungen für die Kunden laufend zu verbessern. So beschäftigen uns Themen wie Ausbildung des Agenturmanagements, Marktransparenz und –information gegen innen und aussen, Regeln und Empfehlungen in der Zusammenarbeit zwischen Kunde und Agentur, Qualitätsmanagement, Mitarbeiterentwicklung und – sehr wichtig – die Umsetzung von Richtlinien und Kodizes für unsere Beratungsarbeit.

Wie hat sich das Image der PR in der Schweiz in den letzten vier Jahren verändert? 
G.: 
Ich denke, dass sich das Bewusstsein gefestigt hat, dass der Erfolg von Unternehmungen, Institutionen oder Personen massgebend davon abhängt, wie sie wahrgenommen werden. In einer Welt, in welcher Güter austauschbarer und jederzeit verfügbar sind, ist die Differenzierung über nutzenstiftende Kommunikation entscheidend. Trotzdem wird der Begriff der PR noch zu oft in einem negativen Kontext verwendet und PR-Arbeit wird leider ab und an mit "spin doctoring" und "Fassadenreinigung" gleichgesetzt. Im Mix der Kommunikationsdisziplinen hat PR in den letzten Jahren aber eindeutig gewonnen. Dies führe ich zurück auf den Medienwandel, die Kraft der sozialen Medien und die Agilität der meist inhabergeprägten Agenturen selbst.

Herr Hugi, welche Ziele verfolgen Sie mit dem BPRA? 
H.: 
Der BPRA soll in Zukunft noch stärker eine Austauschplattform unter Gleichgesinnten werden: In unseren neuen Chapter, aber auch an unseren Mitgliederversammlungen und unter dem Jahr, möchten wir Markttrends und Herausforderungen für die Kommunikationsbranche diskutieren und best und worst cases untereinander austauschen. Diesen kollegialen Austausch habe ich immer als einzigartige Stärke des BPRA erleben dürfen.

Nehmen Sie noch weitere Mitglieder auf? 
H.: 
Wenn ich den Markt betrachte, können dies nur noch eine Handvoll sein, die sich für eine Mitgliedschaft qualifizieren, das heisst seit mindestens fünf Jahren im Markt sind, mindestens fünf Mitarbeiter beschäftigen, Fullservice-Kapazitäten haben und die Bereitschaft zur Zertifizierung und zur Transparenz mitbringen. Der BPRA ist bereits heute repräsentativ für die ganze Branche, das heisst, wir streben nach Qualität und nicht nach Quantität.

Nun gibt es einige grössere PR-Agenturen, wie beispielsweise die Hirzel.Neef.Schmid.Konsulenten, die nicht Mitglied des BPRA sind. Versuchen Sie, diese in den BPRA zu holen? 
H.: 
Konsulenten-Plattformen für Einzelberater mit oft personenbezogenen Mandaten qualifizieren sich nicht für eine BPRA-Verbandsmitgliedschaft: Unsere Mitglieder sind Agenturen, welche integrierte Dienstleistungen meist auf Stufe Unternehmen und Institutionen erbringen. Hier gibt es durchaus noch eine knappe Handvoll potenzieller Mitglieder, mit denen wir von Seiten Vorstand das Gespräch suchen.

Welches ist das grösste Problem, das Ihren Verband momentan beschäftigt? 
H.: Der rasante Wandel in der Kommunikationswelt, wo die klassischen Disziplinengrenzen immer mehr aufweichen, gehört sicher zur grössten Herausforderung unserer Branche, der in all seinen Facetten unseren Verband und seine Mitglieder stark fordert.

Interview: Matthias Ackeret


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