TV-Kritik

Bettwaren-Spot zerrt an den Nerven

Lieber Ernst Fischer in Au, Wädischwil am Zürisee

Mit viel Fleiss und Schweiss haben Sie es weit gebracht. Sie konnten sich nicht ein gemachtes Bett legen. Vor bald sechs Jahrzehnten begannen Sie mit der Reinigung von Federn. Längst sind Sie ein landesweit bekannter und erfolgreicher Bettwaren-Unternehmer. Sie haben ein Daunenmärchen geschrieben. Alle Achtung.

Wer mit seinem Geschäft im Ozean der Konkurrenz nicht untergehen will, muss auf sich aufmerksam machen. Bekanntlich hat es selbst der liebe Gott nötig, dass für ihn die Glocken geläutet werden. Reden wir also von Ihrer Werbung. Sie geht mir inzwischen auf den Keks.

Mit Nuancen hören wir in Ihrem selbstkreierten TV-Spot seit 17 Jahren die gleichen Sprüche und sehen dieselben Bilder aus Ihrer Fabrik. Was sind schon 17 Jahre, werden Sie sich sagen. Daunenfedern wurden ja schon 200 Jahre nach Christus als Füllung von Bettwaren verwendet. Anfangs war Ihre Werbung originell. Jetzt ist sie nur noch ermüdend. Daran ändert auch Ihre mitspielende Mitarbeiterin Sadije nichts (persoenlich.com berichtete).

In Ihrem weissen Mänteli haben Sie grosse Ähnlichkeit mit Coiffeur Gottfried Keller (der hiess tatsächlich so!), bei dem ich in den 1970er-Jahren Kunde war. In seinem kleinen Salon eingangs Niederdorf ging er mir regelmässig an die «Kopffedern». Aber nicht auf die Nerven.

Wer linear fernsieht, kann Ihrem Reklamefilm nur sehr schwer entgehen. Ob bei TeleZüri oder SRF: Als grosser Werbekunde und schlauer Fuchs haben Sie es geschafft, dass Ihr Spot meist als letzter vor den Nachrichtensendungen ausgestrahlt wird. Bei TeleZüri gibt es erst und immer noch massiven Sommerrabatt.

Ich weiss, für viele Leute sind Sie längst Kult. An vielen möglichen und unmöglichen Anlässen wird Daunenkönig Fischer persifliert. Was kann man mit Werbung mehr erreichen? Nur: Bei einem Overkill fühlen sich die Zuschauer belästigt und ermattet. Und sind für Werbebotschaften nicht mehr empfänglich.

Lieber Herr Fischer, ich will Ihnen keine Federn ausrupfen. Und ich will auch nicht, dass Sie geschäftlich solche lassen müssen. Es ist bekannt, dass sich mehrere namhafte Werbeagenturen bei Ihnen schon vor Jahren einen Korb geholt haben. Vielleicht wollen Sie sich einfach nicht mit fremden Federn schmücken. Oder befürchten, dass Ihnen für teures Geld billige Sprüche verkauft werden.

Überlegen Sie es doch mal aller Ruhe, bevor sie an der Matratze horchen. Machen Sie sich dann aus den Federn und versuchen Sie es halt doch mit Profis. Sie sind ja weich gebettet. Werber verkaufen direkt ab Agentur. Wenn Sie sich telefonisch anmelden, können Sie direkt dabei sein und zuschauen, wie Ihr Konzept von lebenden Werbern erarbeitet wird. Sicher gibt es dazu sogar es feins Käfeli. Nach der Erstausstrahlung Ihres neuen Spots lade ich Sie zu einer Gans oder Ente ein. Die Federn lasse ich Ihnen vom Koch einpacken.

Ich freue mich uf Ihre Bsuech.

René Hildbrand, au vil am Zürisee


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Victor Brunner, 12.09.2019 18:44 Uhr
    Hildbrand, der Bettwarenspot ist Kult und sollte in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen werden, wie die Basler Mehlsuppe! Es gibt keinen Spot der langweiliger und trockener ist als "Fischer Bettwaren ...", aber auch keinen den man immer wieder mit einer gewissen Toleranz über sich ergehen lässt. Plötzlich braucht man ein neues Duvet und anstatt Massenware kaufen geht man zu "Fischer Bettwaren", wird professionell und freundlich beraten und geht mit einem gueten Produkt zu einem fairen Preis nach Hause. Legt sich abends ins Bett, schläft gut und träumt von "Fischer Bettwaren....". Sehen sie das entspannt und fahren nach Au-Wädenswil "Parkplätz diräkt vor em Huus!".
  • Dieter Widmer, 13.09.2019 07:51 Uhr
    Ach, Herr Hiltebrand, behalten Sie doch bitte Ihren Humor. Genau gleich wie Bundesrat Ogi mit seiner Neujahrsansprache und dem Tannli gehört Fischers TV-Spot zur Abteilung. Kult. Gehen Sie mal hin und lassen Sie sich in Fischers Kissen- und Duvetherstellung inspirieren. Abgesehen davon: Es stimmt nicht, dass der Fischer TV-Spot die Platzierung vor der Tagesschau gebucht hat. Vielmehr macht es Ernst Fischer klüger: Er verzichtet auf Platzierungsvorschriften und profitiert dadurch von einem grösseren Rabatt.
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