TV-Kritik

Jonas Projer for President

Dies zuvor: Es war eine gute und von allen Seiten sehnlichst erwartete Nachricht, dass Ruedi Matter Ende Jahr als SRF-Direktor aufhört. Ein richtiger und wichtiger Entscheid von SRG-Boss Gilles Marchand. Der Mann aus dem Faltenjura ist nie bei den Mitarbeitenden von Radio und Fernsehen angekommen. Beim Publikum (Stichwort: «Hallo SRF!») schon gar nicht. Matter, der vor über 40 Jahren bei der «Tagesschau» angefangen hatte, ist der «Johann Schneider-Ammann der SRG», so der «Tages-Anzeiger».

Jetzt muss eine junge Persönlichkeit ran: Jonas Projer (36) wäre ein geeigneter Nachfolger. Er ist ein erfahrener, moderner und begeisterter TV-Macher. Blitzgescheit, pragmatisch zielstrebig, ehrgeizig. Ein gut vernetzter Realist mit Verhandlungsgeschick. Er hat Rückhalt am Leutschenbach und bei der SRG-Spitze in Bern. Zudem verfügt er im Gegensatz zu Matter über strategisches Geschick und politisches Gespür. Projer, der den Laden seit vielen Jahren bestens kennt, würde ein journalistischer TV-Direktor. 

Schon viel gehört: Der neue Chef müsse von aussen kommen, wird jetzt wieder von ein paar Unbeteiligten «gefordert». Warum denn? Bei öffentlich-rechtlichen Sendern hat es sich bewährt, Journalisten aus dem eigenen Haus in die Chefetage zu hieven. Beispiele aus unseren deutschsprachigen Nachbarländern: Thomas Bellut, Intendant des ZDF, begann 1985 als Redaktor beim «Länderspiegel» des Mainzer Senders. Ebenso sein heutiger Programmdirektor Norbert Himmler. Tom Buhrow, Intendant des grössten ARD-Senders WDR, stieg 1984 beim Westdeutschen Rundfunk als Reporter ein, wurde ARD-Korrespondent und danach Moderator der «Tagesthemen». Sein Programmdirektor Jörg Schönenborn war 1986 als Journalist beim WDR gestartet. Österreich: Kathrin Zechner hatte 1986 als Redaktorin beim ORF angefangen, und kehrte nach Abstechern zu Tele 5 und Endemol Entertainment als Programmdirektorin nach Wien zurück.

Seit 1965 sind alle Direktoren des Schweizer Fernsehens bei der SRG gross geworden: Guido Frei, Ulrich Kündig, Peter Schellenberg, Ueli Haldimann, Ruedi Matter. Einzig TV-Chefin Ingrid Deltenre kam als Managerin von «aussen»: sie war davor Direktorin der SRG-Tochtergesellschaft Publisuisse, heute Admeira.

In der Schweiz werden Radio- und TV-Chefs unabhängig von der Politik gewählt. Ich erinnere mich an die Wahl von Peter Schellenberg im Jahr 1987. Der Entscheid des Regionalvorstandes unter dem Präsidium des Solothurner Nationalrates Ernst Leuenberger (SP) hatte den Bürgerlichen nicht gefallen, allen voran dem späteren Medienminister Adolf Ogi. In Deutschland haben Politiker bei Intendantenwahlen mehr zu sagen, in Österreich sind diese Ernennungen verpolitisiert. Beim ORF kam es vor, dass ein Wiener Verkehrspolizist Unterhaltungschef wurde, weil die SPÖ bei dem Sender einen Posten guthatte.

Zurück in die Schweiz. Jonas Projer, bewerben Sie sich. Gutes Gelingen, gegen wen auch immer.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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KOMMENTARE

Robert Weingart
28.03.2018 22:42 Uhr
Was für ein lächerlicher Vorschlag.
Marco Faeh
27.03.2018 09:28 Uhr
Was für eine blöde Idee. Ausgerechnet dieser selbstverdienter arroganter Typ der es fertig gebracht hat die Arena in kürzester Zeit an die Wand zu fahren. Dass der bei den Mitarbeiter än ankommt kann mir auch nicht vorstellen. Beim Publikum jedenfalls nicht.
Dieter Widmer
27.03.2018 09:18 Uhr
Da bin ich gar nicht einverstanden. Jonas Projer leitet die Arena recht gut. Das ist für mich kein Leistungsausweis, um die SRF zu leiten. Für komplizierteste Führungsaufgaben scheint er mir nicht geeignet.
Tek Berhe
27.03.2018 08:50 Uhr
Ich bin für Roger Schawinski. Er muss beruflich nichts mehr beweisen. Er kann mit dem Billag-Buch führen. Sein Eintreten für die SRG und die Zwitter-Stellung als Externer und doch Interner eignet er sich wunderbar. Auch Methusalem kam wegen seinem Alter zu sprichwörtlichem Ruhm...
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