TV-Kritik

Sandro Brotz mit solidem Start

Kaum jemand zweifelte ernsthaft daran, ob er das kann: Sandro Brotz hat seine «Arena»-Premiere ohne Komplikationen überstanden. Der Glücksstein, den er vor seinem Auftritt in die Hosentasche steckte, scheint seine Wirkung auf den Träger abgegeben zu haben. Probleme hatten – zu Beginn der Sendung – einzig die Kameraleute. «Ist das EU-Puzzle noch zu lösen?», lautete das Thema. Einmal mehr diskutiert wurde das Rahmenabkommen und die fehlende Strategie des Bundesrates, Lohnschutz, EU-Beitritt und unser Verhältnis zur Union. Ergebnis: sehr mager, wie befürchtet. Im Zentrum standen SVP-Präsident Albert Rösti, SP-Präsident Christian Levrat, Economiesusse-Direktorin Monika Rühl und Lukas Bärfuss. Ist der Schriftsteller eigentlich permanent schlecht gelaunt, oder wirkt er bloss so?

Was beim Neuen gefällt:
Brotz leitet die Diskussion weniger hektisch als sein Vorgänger. Er hatte die Runde im Griff, ist schlagfertig und inszeniert sich nicht. Kompetenz und Dossiersicherheit sind selbstverständlich. Für die geläufigen Eins-zu-eins-Interviews dürfen die Protagonisten neu an ihrem Platz bleiben. Gut so.

Was Brotz optimieren sollte:
Der Moderator sollte sich abgewöhnen, beim Zuhören den Zeigefinger auf die Lippen zu legen. Diese Geste bedeutet unter anderem «Ruhe!». Bei Brotz dürfte sie ausdrücken, dass er sich das Reden verbietet. Und zwar dann, wenn er selber gerne etwas sagen würde, es aber in dem Moment unangebracht wäre. Man hört zu, und hält sich mit Fragen oder Einwänden für den Moment zurück. Noch zu oft ist der neue «Arena»-Dompteur von den Moderationskarten und die Spickzettel auf seinem Pult abhängig. Auch eine Prise mehr Geduld während der Diskussion würde gut tun. Brotz war dunkel gekleidet. Wie schon in der «Rundschau» verzichtet er auf eine Krawatte. Kein kritischer Punkt. Die meisten Männer tragen heute keine Seide mehr am Hals.

Auf die immer fantasieloser ausgefallene Schlussfrage seines Vorgängers verzichtet Sandro Brotz. Stattdessen will er in jede Sendung ein Foto mitbringen, das ihm während der Woche aufgefallen ist. Dieses sollen seine Gäste kurz kommentieren. Das erste Bild: ein Haufen Chinesen auf dem Titlis. Diese Asiaten haben bekanntlich kürzlich mit über 10'000 Gspänli die Schweiz besucht.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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