TV-Kritik

Von Merkel und verwöhnten Büsis

Hitze und Klimawandel, Waldbrände in Kalifornien, Flüchtlinge in Spanien, Kinderschänder-Prozess, Kunststoffabfälle aus dem Meer, die zur Produktion von Sportkleidern dienen oder verhätschelte Büsis in Designer-Bettchen zum Welt-Katzentag – «RTL aktuell» bringt es. Das News-Flaggschiff des Kölner Senders ist längst das erfolgreichste Nachrichtenformat im deutschen Privatfersehen. Auch Tausende von Schweizern schauen die Sendung regelmässig. Jüngere vor allem, und viele Expats sowieso. Seit 30 Jahren gibt es die mit dem «Deutschen Fernsehpreis» und der «Goldenen Kamera» ausgezeichneten Sendung in dieser Form.

Clever programmiert, nämlich eingebettet zwischen dem Boulevard-Magazin «Explosiv», dem Promi-Format «Exklusiv» sowie den Soaps «Alles was zählt» und «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» läuft die knapp 20-minütige Newssendung Montag bis Freitag um 18.45 Uhr. «RTL aktuell» ist weniger politisch als die ARD-«Tagesschau» oder «Heute» vom ZDF. Die RTL-Chefs wollen, dass die Zuschauer auch bei ihrer Haupt-Nachrichtensendung mal durchatmen oder schmunzeln können. Tierbabys etwa sind regelmässig willkommene Sujets. Alleine auf Facebook hat «RTL aktuell» weit über eine Million Fans.

Gesendet wird aus der RTL-News-World. Modernste Technik mit animierten und dreidimensionalen Grafiken tragen wesentlich dazu bei, den Zuschauern auch komplizierte Sachverhalte anschaulich zu vermitteln. Das Publikum bekommt Orientierungshilfe im dichten Informationsdschungel. Ein sogenanntes Verifizierungsteam überprüft übrigens rund um die Uhr, was Fakes und was News sind.

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Peter Kloeppel ist seit 26 Jahren der Anchorman, das Gesicht des RTL-Flaggschiffes. Der 60-jährige Frankfurter, ein auch persönlich mehrfach preisgekrönter Journalist, gehört längst zu den beliebtesten und vertrauenswürdigsten News-Moderatoren im deutschen Fernsehen. Und er ist der Bestbezahlte in dieser Liga. Kloeppel findet, dass es auch im digitalen Zeitalter grosse TV-Newssendungen braucht. Die Nachrichtenhappen im Netz und in den sozialen Medien, meint er, könnten die Menschen nicht wirklich sättigen. Und: TV-Nachrichten haben das Plus, dass sie die wichtigsten und interessantesten Nachrichten des Tages vorsortieren, kompakt zusammenfassen und einordnen.

In jeder «RTL aktuell»-Ausgabe gibt es einen Sportblock. Dafür ist – direkt neben Peter Kloeppel – meist Sport-Hauptmoderatorin Ulrike von der Groeben (eine Gräfin) im Studio, sehr kompetent und seit 1989 bei RTL. Der Wetter-Chef (bei den deutschen Sendern gibt es viele Matadoren...) arbeitet seit über zwei Jahrzehnten für den Privatsender – und ist in der Schweiz ein alter Bekannter: Christian Häckl (54). Der Meteorologe war in den frühen 1990-er-Jahren Mitarbeiter und Kollege von Jörg Kachelmann. Manche kennen die Stimme des Österreichers noch aus Wetterberichten von Schweizer Privatradios wie Radio 24.

 


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Robert Weingart , 12.08.2018 14:57 Uhr
    Und was nun?
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