23.01.2017

Fake Traffic

«Das wäre Selbstbetrug»

Bots täuschen Klicks auf Werbebanner vor: Auch in der Schweiz ist Ad Fraud verbreitet. Denn Mediaagenturen und Publisher profitieren von billigen Preisen für Fake Traffic. Den Werbeauftraggebern rät SWA-Direktor Roland Ehrler allerdings davon ab.
von Michèle Widmer

Anstelle eines Menschen klicken sogenannte Bots auf Werbebanner. Dieser Fake Traffic wird dann von Mediaagenturen und Werbeauftraggebern weiterverkauft. Im internationalen Vergleich sei die Schweiz bei dieser Thematik noch «jungfräulich» unterwegs, sagt Adello-CEO Mark Forster im Interview mit persoenlich.com. Dennoch schätzt der Experte den Schaden hierzulande auf Millionenhöhe. Das Problem: «Fraud ist oft billiger, als das Ganze nachhaltig zu machen», begründet er. Fake Traffic kann für viele Firmen in der Wertschöpfungskette lukrativ sein.

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Doch vor allem für Werbeauftraggeber zählt am Schluss eben doch, ob ein Mensch oder ein Computerprogramm auf den Werbebanner geklickt hat. Schliesslich wollen die Unternehmen ihre Produkte verkaufen und sie zahlen für den echten Kontakt.

«Es ist aus meiner Sicht nicht erstrebenswert Fake Traffic einzukaufen, das wäre doch Selbstbetrug», sagt Roland Ehler, Direktor vom Werbeauftraggeberverband SWA (im Bild oben). Statt sich die Fans oder Likes hoch zu frisieren, sollten Unternehmen besser auf die Qualität in den digitalen Kundenbeziehungen setzen. Dazu gehören für Ehrler Kommentare, Interaktionen und Weiterempfehlungen.

Verunsicherung bei den Auftraggebern

International betrachtet, kommt der Druck für mögliche Programme, die Ad Fraud vorbeugen, vor allem von den Werbeauftraggebern. In der Schweiz ist man für das Problem noch wenig sensibilisiert: «Die Wahrnehmung hängt davon ab, inwieweit sich die Unternehmen selbst mit Online beschäftigen oder von ihren Partnern wissen wollen, was von ihrem Werbegeld bei der Zielgruppe letztendlich ankommt», sagt Ehrler. Dennoch fügt er an: «Inzwischen ist vielen Werbeauftraggebern bewusst, dass auch bei Online nicht alles Gold ist, was glänzt.»

Darüber, ob der Schaden in der Schweiz wirklich so gross ist wie der Adello-CEO sagt, kann laut Ehrler nur spekuliert werden. Klar ist aber: «Je mehr programmatisch eingekauft wird, desto grösser wird die Verunsicherung bei den Werbeauftraggebern.»

Was tun gegen Klickbetrug?

Fraglich ist also, was ein Unternehmen in der Schweiz gegen Ad Fraud tun kann. Ehrler empfiehlt den Unternehmen von den Partnern zu verlangen, alle Möglichkeiten zur Minimierung von Ad Fraud auszuschöpfen. Entsprechende Lösungen zur Fraud Detection existierten bekanntlich und müssten somit auf allen Seiten eingesetzt werden. Dem SWA sei es ein Anliegen mit höchster Priorität, die Sicherheit im Netz zu verbessern. Den Jahr für Jahr fliessen mehr Werbegelder ins Internet ab.



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Kommentare

  • Sandro Prezzi, 01.02.2017 17:49 Uhr
    Fraud Protection ist Symptombekämpfung - und mal ehrlich - niemand kann Frau wirklich messen. Internationale Studien zeigen: die "Mutmassungen" liegen so weit voneinander, dass von Messung nicht mehr gesprochen werden kann - Vermuten oder Bauchgefühl ist wohl das treffendere Wort. Je wertvoller ein Werbemittel, umso mehr Aufwand wird für Betrug aufgewendet. Werbeauftraggeber sich doch eher mal die Conversion von Onlinewerbung in Sales anschauen sollten und sich einfach mal überlegen sollten, ob CHF 10'000 pro Sale sich rechnet.... Mir fehlen bisher vorallem die ERFOLGSGESCHICHTEN der Untenehmen, die mittels Budgetshift zu Onlinewerbung ihre Umsätze und vorallem den ROI steigern konnten.
  • Ivano Celia, 25.01.2017 09:44 Uhr
    Habe für Neulinge zum Thema einen älteren Artikel aus 2014 heraus gegraben. Lesen und undedingt deinen Kommentar hinterlassen! Hier geht's zur spannenden Nachlese: https://blog.mediabros.ch/effektiver-schutz-vor-fraud-traffic-non-human-bei-online-werbung
  • Ivano Celia, 24.01.2017 10:04 Uhr
    Altes Thema neu entdeckt! Vielschichtiges Thema etwas gar einseitig recherchiert. Da wünschte man sich mehr Expertenmeinungen mit entsprechendem Erfahrungs- und Leistungsausweis. media BROS. Kampagnen sind seit 2010 zu 98 % Fraud Free. Alle Infos hier: https://www.mediabros.ch/programmatic-marketing-advertising-media-buying
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