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Aktenzeichen AZ Medien ungelöst

Pierre Rothschild

Eigentlich ist das alles sehr traurig. Da gibt es einen Verleger, der an die Medien glaubt. Der sein Geld nicht mit Anzeigenportalen verdienen will, sondern mit Zeitungen, mit Radiosendern, lokalen TV-Sendern und nationalen Medien wie etwa Virgin Radio Switzerland oder TV24 und ähnlichem mehr.

Ein Verleger, der Synergien suchte und fand, ein Verleger, der jungen Leuten Mut macht, den Journalistenberuf noch zu lernen. Aber die Basis für so vieles fehlt – ein grosser Gewinn. Nach wie vor ist die AZ-Gruppe ohne wesentliche Kriegskasse unterwegs, nach wie vor verlangen die Zahlen erneute Sparmassnahmen (persoenlich.com berichtete).

Das war nicht immer so. Sicher hat man zum einstigen CEO Christoph Bauer zu wenig Sorge getragen. NZZ, Ringier – dann AZ Medien. Es war die Chance für das Haus, die Zahlen waren gut, wurden immer besser. Die Chemie stimmte offensichtlich damals nicht, in Köln ist er heute ein wichtiger Medienmanager, steuert Neven DuMont gekonnt und präzise durch die Probleme dieser Zeit.

Was kann man den AZ Medien raten? Wohl vor allem, die Kleinheit des Schweizer Marktes zu sehen. Was für die Lokalsender gut ist, kann für die zahlreichen überregionalen Projekte keinen Sinn machen. Selbst wenn Virgin Radio Switzerland wahrgenommen würde, viel kann man nie verdienen. Kleines muss in der Medienwelt – leider – kleiner werden. Und das Grosse – auch leider – kostet am Anfang enorm viel Geld.

Glück wünsche ich den AZ-Leuten. Denn sie lieben die Materie.



Pierre Rothschild ist freier Medienunternehmer in Zürich in den Bereichen Filmproduktion und Presse.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

 

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Kommentare

  • Robert Weingart , 05.04.2019 09:27 Uhr
    Das Problem ist doch, dass mit dem Stellenabbau such Leute mit Know-how verloren gehen - mindestens teilweise entlassen werden. Im Printbereich trägt die gemeinsame Manteltredaktion zum schweizweit grassierenden Vielseitigkeitsverlust bei. Diese Entwicklung sollte meinungspolitisch zu denken geben. Derzeit fehlt zumindest gegen aussen die Kommunikation, wie genau man sich das Fusionsprodukt vorzustellen hat. Der Leser weiss derzeit relativ wenig, wie es weitergeht, ausser dem Wegfallen der regionalen Sonntagszeitungen.

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