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Alles nur geklaut?

René Zeyer

Die neue UBS-Imagekampagne macht die Kommunikationsbranche weitgehend sprachlos. Das mag daran liegen, dass natürlich jede bessere Werbeagentur die leise Hoffnung hegt, auch mal in die Geldtöpfe langen zu dürfen, die die Bank offenbar für Kommunikation wieder zur Verfügung stellt. Ich nicht, also mal Klartext. Zunächst fällt auf, dass auch hier gut imitiert besser ist als schlecht erfunden. «Think different» hiess eine Werbekampagne von Apple aus dem Jahr 1997. Opernsängerin Maria Callas, Boxer Muhammed Ali, Aviatikpionierin Amalia Earhart, sie dienen als Beispiele in der UBS-Kampagne 2010, untermalt von getragener klassischer Musik. Genau wie beim Original. Gibt es Unterschiede? Nun, die UBS entschied sich für Dalí als Malergenie, Apple bevorzugte Picasso. Weitere Unterschiede? Nun, Apple war bereits 1997 erfolgreich und ist es heute noch. Die UBS gab es 1997 noch gar nicht, und heute, na ja, sie lebt noch. Dann gibt es noch die Slogans; was für Apple «Think different» war, ist für die UBS «Wir werden nicht ruhen». Das dürften viele langjährige Aktionäre und viele ehemalige Kunden der UBS, in erster Linie US-amerikanische, als echte Drohung empfinden. Die einen erlebten den Absturz des Wertpapiers, die anderen wurden von der UBS einfach rausgeschmissen, 4450 US-Kunden finden zudem ihre Kontodaten dieser Tage in den Händen der US-Steuerbehörde wieder. Aber das alles ist ja nichts im Vergleich zum Auftritt des Big Boss himself, The Man, The Grübel-Monster. Es kann nur einen geben, im Video «Mitteilung von unserem CEO». Klaviergeklimper, ein Mann, DER Mann im Morgenlicht am See, einsam, verantwortungsbewusst, bestimmt. Dazu seine sonore Stimme: «Ich habe mich oft gefragt: Warum? Warum ich?» Eine Frage, die wir Männer uns oft stellen, und auf die wir in eigentlich jedem Zusammenhang, beispielsweise nach dem zuvielten geleerten Glas, die ewig gültige Antwort geben: «Ich musste es tun.» Ein Mann muss tun, was er tun muss. Sei es ein kleiner Schluckspecht oder ein grosser Überflieger. Und am Schluss des Videos zeigt Ossi Grübel noch, wie sehr er sich bereits in der Schweiz assimiliert hat. Nicht sprachlich, aber mental. Denn am Schluss schreibt er höchstselbst mit edler Feder auf ein Blatt Papier: «Wir werden nicht ruhen.» Was die Frage beantwortet: Wer hat’s erfunden? Allerdings: Die Frage, bis was eintrifft, die UBS nicht ruhen wird, die wird nicht beantwortet. Ich vermute mal: bis zum nächsten Finanzcrash.
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