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Das Banken-Kommunikationsgeheimnis

René Zeyer

Mitarbeiter der Pressestelle einer Grossbank, das muss einer der härtesten Jobs sein, der in der Kommunikationsbranche zu vergeben ist. Obwohl ich noch nie in die heiligen Hallen von Corporate Communication von UBS oder CS vordringen konnte, bin ich fest überzeugt, dass dort auf jedem Tisch drei Affen stehen: Nichts sehen, nichts hören und vor allem nichts sagen. Zwei konkrete Beispiele. Seit vielen Monaten dröhnt der Fall des deutschen Rentners Peter S. durch die Medien, in der Liga «stern», «Wirtschaftswoche», «Rundschau», «Handelszeitung» und so weiter. Immerhin beschuldigt Peter S. die Schweizer Grossbank UBS, sein ansehnliches Millionenvermögen verzockt und verröstet und ihn ausserdem in gravierende Probleme mit dem deutschen Fiskus illegal hineinberaten zu haben. Vor Kurzem zitierte der «Tages-Anzeiger» genüsslich aus der Strafanzeige, die Peter S. inzwischen eingereicht hat und die die deutsche Bankenaufsicht BaFin zu einer Sonderprüfung gegen die UBS in Sachen systematische Beihilfe zu Steuerhinterziehung und eventuell Geldwäsche veranlasst hat. Sowas hat ja scheint’s in den USA zu ein paar kleineren Problemen geführt. Selbstverständlich wird dazu eine Stellungnahme der Grossbank eingeholt, wie es journalistischer Brauch ist: «UBS weist die Forderungen nach Ausgleich der Investitionsverluste zurück. UBS untersucht derzeit den gesamten Sachverhalt der damaligen Geschehnisse.» Der erste Satz ist ja erlaubt, der zweite schon merkwürdig, weil die «Geschehnisse» inzwischen gut zwei Jahre zurückliegen. Beide Sätze sind lächerlich, weil sie von der UBS gebetsmühlenartig auf alle Anfragen wiederholt werden, seit dieser Skandal das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat. Selbst dann, wenn die «Rundschau» die Bank mit eigenen «Internal Reports» konfrontiert, die bereits Ende 2008 abgeschlossen wurden und dringlich empfehlen, hier eine möglichst rasche gütliche Einigung zu erzielen. Zweites Beispiel: In einem der wenigen Prozesse, die mutige Lehman-Opfer anstrengten, denen diese Schrottpapiere durch die Credit Suisse verkauft wurden, gibt der zuständige CS-Mitarbeiter fröhlich vor Gericht zu Protokoll, dass diese Wettscheine ohne Wert nicht etwa von der bankrotten US-Zockerbank Lehman Brothers gebastelt wurden, sondern von der CS selbst. Interessant, also frage ich bei der Pressestelle der CS nach, wie viele solche Papiere die CS selbst konstruiert, beworben und verkauft hat und warum sie dann nicht selbst als Emittent, also Garantiegeber, auftrat. Zuerst kommt Freude auf, relativ rasch gibt die Bank ein Lebenszeichen: «Sie erhalten die Klärung heute Nachmittag.» Wäre super gewesen, wenn nicht zwei Tage später die «Klärung» erfolgt wäre: «Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, können wir gegenüber Medien keine Fragen beantworten, welche Aussagen von CS-Mitarbeitern vor Gericht betreffen.» Wäre auch okay, wenn auf die Nachfrage, ob die CS nicht freundlicherweise unabhängig von diesen Aussagen einen Ton dazu sagen könne, wie viele solcher Papierchen sie selbst hergestellt habe, nicht ein Rückfall in schlechte Gewohnheiten erfolgte: Nix, nada, keine Reaktion, Tauchstation. Aber, da sollte doch Freude aufkommen, der ehemalige Chefredaktor des «Tages-Anzeiger», Peter Hartmeier, hat es sich ja angetan, als ehemaliger Journalist die Kommunikation der UBS zu übernehmen. Herrscht da wenigstens kommunikativ inzwischen «Wahrheit, Klarheit, Leistung», wie das CEO Oswald Grübel so schön markig verkündete? Leider nein, Herr Hartmeier geruht nicht, auf mehrfache Anfragen auch nur «pfeif dir eins» zu antworten. Entweder muss er sich noch einarbeiten oder aber, er hat sich bereits schnell assimiliert. Zu befürchten ist Letzteres.
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