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Das Risiko und ich

Fibo Deutsch

Soll ich mich verstecken, verkriechen, mein Haus verriegeln? Ja, ich bin ein Corona-Risikofall, ein Hochrisikofall sogar. Denn: Demnächst werde ich 80 Jahre alt und bin wohl nicht der gesündeste. Wie viele alte Männer sich so halt am Leben halten, achten auf den Kreislauf, schlucken Blutdrucksenker, Blutverdünner, Cholesterinsenker, und damit der Magen diese Tablettenflut besser erträgt, einen Säureblocker dazu. Gegen die gewöhnliche Grippe habe ich mich jedes Jahr impfen lassen. Und jetzt also muss ich mich noch der Covid-19-Grippe entgegenstemmen.

Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit betont in jeder der täglichen Medienorientierung, dass die Alten über 80, und Männer mehr als Frauen, ganz besonders gefährdet sind. Noch bin ich am Leben, fühle mich gut und munter. Was aber morgen, übermorgen? Soll ich Kollegen, Kontakte meiden, bald nur noch aus Büchsen und garantiert unkontaminiertem Notvorrat leben? Lauert im Restaurant, im Einkaufscenter, in der Redaktion das böse Virus aus China und sucht sich als Opfer zuerst mich als den Schwächsten aus?

Wie sieht meine Chance für eine Gegenwehr aus? Ein Arzt aus meinem Bekanntenkreis rät mir zur Gelassenheit und das zu tun, was meine Widerstandskraft immer gestärkt hat: Genügend Schlaf, gut essen, nichts übertreiben – alles was zum Wohlbefinden und zur Lebensqualität beiträgt und auf diese Weise mein Immunsystem stärkt. Angst gehört nicht dazu.

Eben ruft mich ein Callcenter aus Winterthur an. Ich soll meine Krankenkasse wechseln. Das hat mir gerade noch gefehlt …



Hans Jürg (Fibo) Deutsch arbeitet seit 1960 für Ringier und hatte die verschiedensten Funktionen, unter anderem Chefredaktor der Schweizer Illustrierten. Im Alter von zwölf Monaten ist er an Polio erkrankt und seither an den Rollstuhl gebunden.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

 

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