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Der Berg als Werbefläche

Marcus Knill

Grossflächtig leuchtete nachts an der Jungfrauwand ein Schweizerkreuz. Der Lichtkünstler Gerry Hofstetter hatte es an die Nordflanke der Jungfrau projiziert. Nun ist  auch das Logo des Pharmamultis Bayer zu sehen. Auch die Uhrenmarke Tissot und die Bekleidungsfirma Mammut liessen jetzt ihr Logo am Berg  erleuchten. Das Ganze war als besonderes Projekt zum 100-Jahre-Jubiläum der Jungfraubahnen gedacht. Die Werbung stiess vielen sauer auf. "Das ist der Gipfel" war zu hören bis: "Ein Berg ist doch kein Werbeobjekt!" Folgende Frage scheint mir berechtigt: Dürfen im Jungfrau-Aletsch-Gebiet ­ (übrigens ein Unesco-Welterbe) ­ die Berge als Werbefläche missbraucht werden? Die Sprecherin der Stiftung Landschaftsschutz sagte gegenüber dem "Bund": "Es tut weh zu sehen, wie multinationale Konzerne die grandiose Berglandschaft zur Werbeleinwand degradieren." Auch 18 Heliflüge, die notwendig waren,  um die Ausrüstung für die Lichtinstallation auf den Berg zu bringen, wurden kritisiert:  "Diese Lärmbelästigung hätte vermieden werden können". Künstler Gerry Hofstetter verteidigt sich: Im Fussball oder Eishockey wären die Sponsoren und die Werbung viel präsenter. Mein Eindruck: Dass so ein Event nicht ohne Sponsoring möglich ist, leuchtet ein. Doch müssten solche Aktionen nur mit einer Sonderbewilligung möglich sein. Wenn nicht, besteht tatsächlich die Gefahr, dass die Berge zu Werbeflächen verkommen könnten. Die Werbeflächen bei Sportveranstaltungen können übrigens nicht mit dieser Aktion verglichen werden. Werbung ja, aber in geregeltem Rahmen.
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