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Der Deal mit vielen Fehlern

Pierre Rothschild

Es kam so, wie es kommen musste: Sunrise sieht keinen Weg mehr, UPC zu kaufen. Und für irgendwelche Konstrukte ist Liberty Global im fernen Denver der falsche Partner. Es geht so, wie geplant – oder nicht. Jetzt muss Sunrise eine Konventionalstrafe in der Höhe von 50 Millionen Franken zahlen, Dutzende von Millionen soll – so interne Zahlen – der Kaufplan zusätzlich gekostet haben (persoenlich.com berichtete).

Was lief falsch?

Ein Kaufpreis von mehr als sechs Milliarden ist eine enorm hohe Summe, besonders in einem Land wie der Schweiz, wo man in solchen Dimensionen für nationale Geschäfte nicht denkt. Diesen Preis muss man den Aktionären «verkaufen». Doch das fand nicht statt. Die altbekannten «Synergien» können schon lange nicht mehr überzeugen, die technische Zukunft des UPC-Netzes wurde infrage gestellt und nie kompetent beantwortet.

Eine solche Transaktion ist ein Miteinander, nicht ein Gegeneinander. Sunrise-VR-Präsident Peter Kurer stellte die VR-Mitglieder von Freenet, dem grössten Aktionär, auf die Strasse, bei UPC wurde schon im Sommer das Büro von CEO Eric Tveter aufgelöst. Aber keiner kennt UPC Schweiz so wie er. So lag das Geschäft in den Händen von Liberty Global in Denver und dem VR und CEO von Sunrise. In Denver kannte man die Realität nicht, in Zürich wollte man sie nicht wahrhaben.

Wie geht es weiter?

UPC hat keinen Grund, die Schweizer Niederlassung zu verschleudern. Man verdient dort nach wie vor viel Geld. Aber Schritt für Schritt wird sich der von Mike Fries geführte Konzern aus dem Kabelgeschäft zurückziehen und einen Käufer finden, der ihre noch verbleibenden Netze in Polen, Holland (in Partnerschaft mit Vodafone) und den anderen Ländern gesamthaft kaufen wird. Ob dann die Schweiz noch mit 6,3 Milliarden bewertet wird, ist zu bezweifeln, aber man wird  es auch nie erfahren, es wird ein «Package Deal» sein. Für mehr als 20 Milliarden Franken wurden die Liberty Global-Netze in Deutschland, Tschechien, Ungarn und Rumänien an Vodafone bereits in einer Transaktion verkauft. Giganten wie Liberty Global finden immer einen Weg. Die Worte von Mike Fries, gerne auch weiterhin mit Sunrise und Freenet in Kontakt zu sein, sind «american small talk». Wäre das so, würde er die 50 Millionen nicht nehmen.

Verlierer ist vor allem Peter Kurer. Doch über seine Zukunft wird man an der Sunrise-GV bestimmen. Das ist nicht an uns.



Pierre Rothschild ist freier Medienunternehmer in Zürich in den Bereichen Filmproduktion und Presse.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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Kommentare

  • Robert Penzinger, 14.11.2019 15:56 Uhr
    In welchem Verhältnis zu Eric Tveter steht Herr Rothschild? Ich erinnere mich, dass Rotschild diesen ehemaligen UPC-Mann hier schon einmal hochlobte, als die Performance von UPC in Österreich und der Schweiz längst nicht mehr im Kabel-Zenith steckte.

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