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KI: Die Disruption durch künstliche Intelligenz

Wir befinden uns in einer Revolution. Einer KI-Revolution. Diese Erkenntnis ist weder neu noch überraschend, und doch kann es sich lohnen, sich der Konsequenzen bewusst zu werden. Denn obwohl unmöglich alle Auswirkungen eines solchen revolutionären Prozesses vorausgesehen werden können, liessen sich bestimmte Veränderungen sehr wohl antizipieren, und sich auf diese einzustellen, kann für Unternehmen wie Arbeitskräfte von grossem Nutzen sein.

Als Tim Berners-Lee 1989 das World Wide Web erfand (die Geburtsstunde des Internets, wie wir es heute verstehen), waren die Reaktionen vergleichbar mit denen heute bezüglich der KI. Zunächst verhalten, wendeten sich die Menschen immer mehr der neuen Technologie zu und fügten sie in ihren Alltag ein, bis sie selbst zum Alltag wurde. Die grossen Visionäre, die früh das Potenzial erkannten, nutzten die Gelegenheit, um Firmen zu gründen, wie sie zuvor kaum vorstellbar gewesen waren. Monopolistische Monster entstanden, wie Google, Amazon oder Facebook, mit noch nie da gewesenen Umsätzen und Gewinnmargen.

Das Internet war disruptiv, und die Folgen dieser Disruption spüren wir bis heute. Das langsame Sterben des Einzelhandels, das Verschwinden von Versandhäusern und Kartenverlagen. Unverrückbar erscheinende Gewohnheiten, wie das morgendliche Lesen gedruckter Zeitungen, wurden durch das Blicken in einen Handybildschirm ersetzt, und unzerstörbare Medienimperien, wie die Betreiber der grossen Fernsehsender, befinden sich im steten Verfall und sind nur noch sterbende Giganten von einst. Es wird nicht mehr ferngesehen, es wird gestreamt. Doch im Kern ist das Internet eine erweiternde Technologie, eine vernetzende. Sie ist viel mehr erschaffend als zerstörend. Und so kommt auf jedes Opfer der Disruption eine ungleich grössere Menge an Neuheiten und Innovationen. Unzählige Unternehmen hat das Internet geschaffen, von Zalando bis Hellofresh, von Ebay zu Tiktok, unzählige neue Arbeitsplätze, vom Website-Designer zum CEO-Spezialisten, vom Social-Media-Manager zum E-Commerce-Strategen. 

Seine grösste Auswirkung auf die Gesellschaft hat das Internet zweifellos auf die Medien gehabt, mit dem, was heute die sozialen Medien genannt wird. Nicht länger waren die Hersteller medialer Inhalte die grossen und kleinen Verlage und Medienkonzerne – der Nutzer selbst wurde zum Content-Generator, der seine Inhalte auf einmal problemlos nicht nur mit seinem sozialen Umfeld, sondern mit der ganzen Welt teilen konnte. Die Welt der Influencer entstand und mit ihr eine ganze Industrie.

Das Internet hat die Welt verändert, es hat sie aber auch grösser gemacht. Bei der Revolution durch die künstliche Intelligenz nun mag sich dies anders verhalten. Denn anders als das Internet ist die KI-Revolution im Kern reduzierend. Zumindest für den Menschen. Freilich können fantastische Innovationen vorgestellt werden, die bald Realität werden. Der persönliche Assistent, die Stimme aus dem Handy, die einem stets mit gutem Rat zur Seite steht, egal, in welchem Gebiet, die einen an Termine und Aufgaben erinnert, einen vielleicht sogar motiviert, wie ein weiser Freund oder Mentor. Das selbstfahrende Auto, das in den USA bereits sicher durch die Strassen fährt und einen zum gewünschten Ziel bringt. Automatisierte Lager und Fabriken, die Bestände und Produktion selbstlernend verwalten. All dies und viel mehr ist oder wird in den kommenden Jahren zur Realität, zum Alltag werden, und die Konsequenzen werden nicht nur positiv sein.



Pablo Klemann ist Schriftsteller (Münster-Verlag) und Investor bei MK 27 Beteiligungen.

Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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