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Dröge Küche – Konkurrenz kommt

Fibo Deutsch

Die Idee ist abgekupfert, aber weniger überzeugend umgesetzt als das Original: Hobbyköche kochen gegen Hobbyköche. Täglich im Vorabendprogramm auf SRF 1 um 18.15 Uhr und unter der Woche mehrmals wiederholt: «Mini Chuchi, dini Chuchi». Die Lokalen bei TeleZüri machen das seit Jahren geschmacksvoller, jeweils samstags beim «SwissDinner». Leutschenbachs Küche ist dröge, zu amateurhaft, die Rezepte machen null Lust aufs Nachmachen. Es fehlt in der Sendung eine professionelle Einordnung und Beurteilung. Profikoch Erik Haemmerli würzt dagegen das «SwissDinner» mit Salz und Pfeffer.

Das Schweizer Fernsehen tut gut daran, dem Kochen nicht nur zur Corona-Homeoffice-Zeit wieder mehr Beachtung zu zeigen. Wettbewerb am Herd ist gefragter denn je, bringt Zuschauer und Quoten, selbst zur Hauptsendezeit. Alte deutsch-übersprochene Jamie-Oliver-Folgen und deutsche «Iss besser»-Serien machen den Braten nicht fetter und locken auf SRF zwei kaum viele Zuschauer hinter dem Backofen hervor.

Grosse Konkurrenz erwächst SRF bald von CH Media: Ab 2022 kochen insgesamt 20 Hobbyköche auf 3+ im Primetime-Format «MasterChef» vor einer superprominenten Jury mit den Sterneköchen Andreas Caminada, Nenad Mlinarevic und der Foodbloggerin Zoe Torinesi (persoenlich.com berichtete). Ganz grosses Kino bringt auch der Sender Vox: Bei «Mälzer und Henssler liefern ab». Schon einzeln waren die beiden Starköche mit «Kitchen impossible» (Tim Mälzer) und «Grill den Henssler» (Steffen Henssler) jeweils am Sonntagabend mit über dreistündigen Sendungen die grossen Quotengewinner. Jetzt kochen die beiden kantigen, wortgewaltigen Küchentiger erstmals auf Vox im Duell gegeneinander.

Nicht vergessen: Im Genre «Kochsendung im Hauptprogramm» war SRF früher einmal Pionier: Zehn Jahre lang kochte ab 2001 Sven Epiney mit «Rotkäppchen» Andreas Studer und Sibylle Sager bei «al dente» für bis zu 700'000 Zuschauer.



Hans Jürg (Fibo) Deutsch arbeitete seit 1960 für Ringier und hatte die verschiedensten Funktionen, unter anderem Chefredaktor der Schweizer Illustrierten.

Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

 

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Kommentare

  • Victor Brunner, 22.09.2021 08:53 Uhr
    Nächstens folgt "Mis Auto, dis Auto", "Mis Tierli, dis Tierli", "Mis Gärtli, die Gärtli", "Mis Boboli, dis Boboli", "Mis Lieblingsstuck, die Lieblingsstuck". Eines kann man Wappler TV nicht unterstellen, Kreativität und Innovation. Lieber andere Sender schauen und Formate dilettantisch abkupfern! Ist das der Grund warum gute Leute gehen und Langeweiler zurückkehren?
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