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Pierre Rotschild: Fakten, die für alle gelten

In manchen Verlagshäusern dreht sich das Chefredaktoren-Karussell nicht so schnell wie in der Schweiz. So ist besonders das Haus Axel Springer ein Vorbild, wenn es darum geht, Chefredaktoren zu ernennen. «Sie sind die wichtigsten Leute im Konzern», sagte Verleger Axel Springer immer und die höchsten Löhne erhielten und erhalten sie, weil der ganze Erfolg auf ihrem Können, ihren Verbindungen und ihrem Einsatz basiert. Peter Bachér («Bild» und «HörZu»), Peter Bönisch und Günter Prinz («Bild») und jetzt Kai Diekmann – sie alle waren Jahrzehnte im Konzern.

Nun leitet Tanit Koch die grösste Boulevard-Zeitung des Kontinents. Ihre Worte zu «Bild» können auch hier interessieren, denn sie ist eine kluge junge Frau, die die alten Regeln nicht über Bord wirft. Koch sagt: «Fake news sind kein neues Phänomen. Sie sind ganz gewiss kein reines Online-Phänomen. Und wir Journalisten müssen recherchieren, was wichtig ist, was richtig ist – und was nur richtig wichtig klingt, aber in Wahrheit falsch ist. Dafür braucht man keine Fact-Checker bei Facebook. Das ist unser Job.»

Weitere bemerkenswerte Zitate:

«Die Zeitung navigiert den Leser durch den Nachrichten-Strom – indem sie gewichtet. In der Zeitung ist Wichtiges gross und weniger Wichtiges klein. 

In den sozialen Netzwerken ist der Nachrichtenstrom zwar viel, viel breiter – aber die Signale fehlen: In meiner Facebook-Timeline und meinem Twitter-Feed ist alles gleich – gleich klein.»

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«Studien belegen: Leser behalten das, was sie auf Papier lesen, besser als die Digital-Lektüre. Denn: Zeitungsleser vertiefen sich. Zeitungen – lokal, regional und national – üben Druck aus. Handlungsdruck. Oder auch nur den Druck, sich zu erklären.»

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«Was gedruckt ist, bleibt. Zeitungen sind nicht flüchtig. Eine Schlagzeile ist zwar nicht so schnell wie ein Facebook-Post. Dafür ist sie aber auch nicht so schnell wieder weg. Manche Schlagzeilen sind sogar für die Ewigkeit.»

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«Eine Zeitung bietet mir nicht nur das, was ich erfahren will. Sondern bestenfalls immer auch das, was ich erfahren sollte. Tageszeitungen produzieren keine Klientel-Berichterstattung. Unsere Nische heisst Masse. Denn Zeitungen sind – wenn sie ihren Job gut machen – die Interessenvertretung ALLER. Wir haben keinen automatisierten Algorithmus, wir haben den ALLEgorithmus.»

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«Für Millionen Menschen in Deutschland ist die Tageszeitung weiterhin DIE journalistische Autorität. Nicht nur aus Gewohnheit. Sondern vor allem aus Vertrautheit. Weil Leser sich in unruhigen Zeiten eben nach Vertrautem sehnen, nach Einordnung, nach Verantwortlichkeit, nach der Meinung einer Autorität.»

«Eine Zeitung muss immer auch unterhalten – und für gute Unterhaltungen sorgen. Das bedeutet, nicht nur im Wahljahr: Auch Politikberichterstattung in Zeitungen darf nie langweilig sein. Wir müssen Politik so aufregend machen, dass Menschen Freude an der Debatte haben, Freude an der Auseinandersetzung.»

«Wenn wir all das sind, was wir sein können – Faktenreicher Navi, ALLEgorithmus, Druckmacher, lesernah, Autorität und vor allem: nicht langweilig! – dann bin ich sicher, dass ein Wahlsieger des Jahres 2017 schon feststeht: Die Zeitung.»

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