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Freie Sicht

Edith Hollenstein

Ziemlich viel Staub hat die 2011er-Ausgabe des Jahrbuchs "Qualität der Medien" aufgewirbelt. Kurt Imhof wurde als Nervensäge betitelt, er betreibe „wissenschaftlichen Boulevard“ (newsnet-Chefredaktor Peter Wälty) und „Fehler machten seine Studie unbrauchbar“ (2omin.ch-Chefredaktor Hansi Voigt). Nachdem sich die dicke Luft langsam zu verziehen schien, meldeten sich auf medienspiegel.ch zwei Journalisten von NZZ Online mit einer substantiellen Auseinandersetzung zu Wort: Thom Nagy und Marc Böhler kritisierten Imhofs Untersuchungsanlage und seine - ihrer Ansicht nach - veralteten Untersuchungskriterien. Im Gegensatz zu den Tamedia-Chefs gelang es Nagy und Böhler eine konstruktive Debatte zu lancieren, die schliesslich seitens der Forscher zu zwei Einsichten führte: Zum einen sieht Imhof in der Anzahl Verlinkungen ein zusätzliches Qualitätskriterium für Onlinetexte, welches er bei künftigen Untersuchungen anwenden will. Zum anderen will er die Resonanz bestimmter Themen/Artikel in Social Media stärker berücksichtigen (vgl. Interview auf persoenlich.com). Wie diese Dimension am genausten erfasst werden kann, welche Kriterien und welche Tools dafür eingesetzt werden sollen, darüber müssen sich die Forscher vom Fög nun Gedanken machen. Damit sollte nun der Blick wieder frei sein, so dass die Diskussion nicht nochmals weitere Kreise um die Methode drehen muss, sondern endlich die Ergebnisse im Zentrum stehen können. Es ist Zeit, nun die Studien-Resultate zu reflektieren. Denn diese sind sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Aufmerksame Medienkonsumenten müssen keine wissenschaftliche Forschung bemühen, um festzustellen, dass der Softnews-Anteil und die PR-Einflüsse bei Artikeln zunehmen oder Quellen nicht immer transparent angegeben werden. Was diese Ergebnisse und die Prognosen des Fög für die Medienbranche und für das Funktionieren der Demokratie bedeuten – mit diesen Fragen sollte man sich nun befassen. Denn, wie sagte Roger de Weck bei seinem Vortrag in Bern? "Wer in den Medien arbeitet und diese liebt, weiss nur zu gut, dass die Branche allen Grund hat, sich selbstkritisch über die eigene Arbeit zu beugen".
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