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Guter Ruf als entscheidende Erfolgsgrösse

Christof Küng

Höher, schneller, weiter. Die alles dominierende Leistungsgesellschaft vermittelte das Gefühl, dass wir ständig mehr erreichen müssen. Im Privatleben, als auch im Job. Viele Unternehmen, Organisationen, aber auch Menschen stehen unter Termindruck und leiden. Oft wegen einer selbst gemachten ständigen Erreichbarkeit. Alles in einer sich immer schneller drehenden Welt. Nebenbei werden viele vom Budgetdruck direkt in den Freizeitstress gedrängt: schliesslich verlangen auch Instagram und Co. unsere Aufmerksamkeit. Ein Teufelkreis.

Wohl darum fangen viele E-Mails mit einer Entschuldigung für die lange Verspätung an. Trotz allen technologischen Möglichkeiten ist zudem die Unverbindlichkeit in der Gesellschaft grösser denn je. Plötzlich gehören psychische Erkrankungen wie Ess- oder Angststörungen bis hin zu Depressionen und Burnout weltweit zu den häufigsten Leiden im Erwachsenenalter – und das betrifft übrigens alle Gesellschaftsschichten sowie die Schweiz.

Die Dauerbelastung unserer Leistungsgesellschaft – in Zeiten höchster Transparenz – könnte jetzt aber ein glückliches Ende haben. Denn nach der Covid-19-Krise entstehen der agilen Remote-Gesellschaft unerwartet neue Chancen, dank starken Trends:

Unser Konsum könnte zum Beispiel lokaler, regionaler, bewusster, nachvollziehbarer und sozialer werden. Social Buying könnte dabei ein grosses, neues Thema sein. Denn wir sind uns bewusst geworden, dass unsere Kaufentscheidungen auch darüber entscheiden, welcher Anbieter überleben wird. So werden die Konsumenten vielleicht langfristig verstärkt dort kaufen, wo eine intakte, gut gepflegte Beziehung existiert. Das soziale Element im Offline-Kauf wird eine Renaissance erleben. Jemanden in die Augen sehen zu können und sich persönlich zu unterhalten, bekommt eine neue Qualität, für die man bereit ist, etwas mehr zu bezahlen. Glaubwürdigkeit und Vertrauen werden zentrale Treiber. Eine positive Reputation wird zum wichtigsten Asset.

So wird es in den nächsten Wochen nach dem Lockdown nicht nur darum gehen, den verlorenen Umsatz und Renditen aufzuholen. Es wird parallel vor allem darum gehen, sich mit dem vielleicht komplett neuen Tempo – der individuellen Stakeholder-Gruppen – zu synchronisieren. Unsere Marktbeobachtungen prognostizieren: Eine einfach fühlbare Sinnhaftigkeit in allen Produkten und Services könnte der effektivste Treiber für Glaubwürdigkeit und Vertrauen werden und macht damit den guten Ruf zur entscheidenden Erfolgsgrösse.

Bei einer gleichzeitig erhöhten Aufmerksamkeit und Achtsamkeit können jetzt auch allfällige Reputationsrisiken leichter identifiziert werden und Chancen können besser erkannt werden. Ein Chief Reputation Officer sollte diesen Prozess führen und damit mittel- bis langfristig die Umsatz- und Renditeziele einfacher erfüllen. Selbstverständlich bei gleichzeitig exzellenter Reputation. Alles was die Verantwortlichen jetzt tun müssen, ist, um die enorme Bedeutung und das Funktionieren einer intakten Reputation Bescheid zu wissen.



Christof Küng ist Fachmann in Fragen rund um Corporate Identity, Imageberatung und Reputationsmanagement und ist Gründer des Corporate Reputation Summit.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

 

 

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