10.05.2013
Roger Schawinski
Dominik Kaiser hat sich als Gründer und Chef von 3+ äusserst clever verhalten. Einer- seits reüssierte er mit seinem Auftreten. Das stets etwas aufgesetzte Lachen soll im Ge-spräch für gute Laune sorgen und signalisieren, dass von ihm keine Aggressivität ausgeht. So gab es bei ihm nur artige Statements zur grossen Konkurrenz SRG, um dort ja keine schlechte Stimmung aufkommen zu lassen. Denn nur im Windschatten konnte er seine Strategie durchziehen, nämlich die Nischen des Schweizer Fernsehmarktes auszuweiden. Da die SRG nur wenige Sendeplätze für Lizenzware hat – also Spielfilme und amerikani- sche Serien –, konnte er diese Produkte wegen fehlenden Konkurrenzangeboten zu unglaublichen Spottpreisen einkaufen. Den Rest des Programms füllte er mit wenigen Eigenproduktionen, blossen Klonen von in Deutschland erfolgreichen Reality Shows. Damit minimierte er das Risiko in jenem Bereich, bei dem vor allem Kosten anfallen. Dieses simple Konzept war zum Erstaunen vieler Beobachter auf Anhieb erfolgreich, obwohl konkrete Zahlen über den Geschäftsgang bis heute nicht vorgelegt wurden.
Doch dann beging Kaiser einen kapitalen Fehler: Er holte aus Prestigegründen das RTL-Urgestein Helmut Thoma in den Verwaltungsrat, der seit seinem dortigen geräuschvollen Abgang im Jahre 1998 vor allem mit üblen Beschimpfungen gegen die unfähige TV-Nomenklatura durch die deutsche Medienlandschaft geistert. Doch all seine Versuche, irgendwo nochmals anzudocken, blieben erfolglos. So antichambrierte er auch für mei- nen Job als Sat.1-Chef, indem er mich selbst öffentlich unmöglich zu machen versuchte. «Der kanns sicher nicht, der ist ja Schweizer», sagte er in einem Interview. Denn aus seiner Sicht sind es nur Österreicher wie er und seine damaligen Spezis Gerhard Zeiler und Hans Mahr, die den tumben Deutschen zeigen können, wie man erfolgreiches Fernsehen produziert. Und Schweizer standen in seiner Rangordnung ganz unten. Seit Jahren versucht nun Thoma ein eigenes Projekt zu lancieren, das er «Volks-TV» nennt und dessen Sendestart trotz wiederholter Ankündigungen immer wieder verschoben werden musste, weil ihm offenbar niemand das dazu notwendige Geld anvertrauen möchte. Das Konzept wirkt gleichzeitig altbacken und unrealistisch zugleich, sodass es für den 74-jährigen Helmut Thoma wohl das weitaus Beste wäre, wenn er seinen verbliebenen Ruf nicht durch einen Totalflop ruinieren würde.
Es war wohl Maulheld Thoma, der den braven Dominik Kaiser im unseligen TV-Quoten- streit falsch beraten hat und ihn mittels einstweiliger Verfügungen in einen Kampf ge- schickt hat, den dieser nicht gewinnen kann und ihn noch mehr als Verlierer stempelt, als er durch die neuen, viel tieferen Nutzungsdaten eh schon ist. Während sich die dominier rende Goldbach geschickt im Hintergrund gehalten hat, sollte der kleine Kaiser für die Branche der Privatsender die Kohlen aus dem Feuer holen, angestachelt durch unqualifizierte Beschimpfungen seines Verwaltungsrates Helmut Thoma. «Die Zahlen haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Die Messmethode ist wie der Siedlungsplan einer Fata Morgana», irrlichterte er durch die Medien.
Mit diesem Stil sorgt Thoma nun auch im TV-Entwicklungsland Schweiz für verbrannte Erde. In diesem Fall ist es Dominik Kaiser, der die Zeche bezahlen muss. Er hat dabei wohl übersehen, dass die Thoma-Lästermethode schon seit Jahren gescheitert ist. Aber Kaiser ist lernfähig. Und das muss er nun definitiv sein, um weiteren grossen Schaden von seinem Projekt fernzuhalten.
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: Helmut Thomas Fata Morgana