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Holzhacker am Werk

René Zeyer

In nicht ganz sicherer Rechtschreibung haut die Zürcher SVP eine Medienmitteilung raus. Ein «eritreeischer ‹Flüchtling› aus Zürich» habe einen Bub umgebracht. Er habe einen Achtjährigen mutwillig vor einen Zug geschuppst, ein ebenfalls «geschubbster» Mann sei mit dem Schrecken davongekommen. Auch das Motiv ist der SVP per Ferndiagnose klar: «reine Mordlust».

Daraus schliesst die SVP Zürich messerscharf, dass es sich bei solchen Personen «um nicht integrierbare Gewalttäter» handle. Ausserdem stellt sich die SVP die Frage, wieso so jemand «einfach so herumreisen» könne. Und schliesslich weist die Partei warnend darauf hin, dass «ein solcher Mord jederzeit auch in der Schweiz passieren kann».

Lassen wir die Frage beiseite, ob die SVP der Einbürgerung eines eritreischen Staatsangehörigen zustimmen würde, wenn der so mangelhaft Deutsch beherrscht, wilde Beschuldigungen ausspräche und nicht einmal wüsste, dass ein Ausländer mit Niederlassung C tatsächlich einfach so in der EU herumreisen kann.

Dass die SVP seit Jahren vor «eritreeischen Scheinflüchtlingen» offenbar vergeblich warnte, mag sich so erklären, dass niemand verstanden hat, wen sie damit eigentlich meint. Ihre Forderung, dass «die anderen Parteien und der Bundesrat» endlich erwachen müssten, «dass solche Vorkommnisse nicht mehr passieren können», lässt den Leser auch etwas ratlos zurück. Also die anderen Parteien und der Bundesrat schlafen. Deshalb passieren solche Vorkommnisse. Bis hierher kann man der SVP in ihrem Rudimentär-Deutsch noch knapp folgen.

Wenn also die anderen Parteien und der Bundesrat aufwachen würden, dann wäre das ausreichend, um solche Vorkommnisse zukünftig zu unterbinden. Aha. Wer hätte gedacht, dass sich solch schrecklichen Taten so einfach verhindern liessen. Weniger schlafen, mehr wachen.

Geht’s noch tiefer? Aber sicher, denn Philipp Loser, Redaktor Seite Drei beim «Tages-Anzeiger», holt den grossen Hammer raus: «Hurra, es war ein Eritreer!», so titelt er eine Breitseite gegen die SVP. «Die Partei und ihre Exponenten» machten aus dem Mord in Frankfurt «einen Wahlkampfschlager». Dann unkt Loser maliziös, dass es bei der SVP «fast schon unverhohlene Freude» auslöse, dass der mutmassliche Täter eritreischer Herkunft ist.

Und den Loser in seinem Lauf hält dann weder Ochs, noch Esel auf: «Wäre es vielleicht nicht noch ein bisschen besser, wenn es näher wäre? Wenn der schwarze Mann gleich hier vor seiner eigenen Türe sein Unwesen treiben und Angst und Schrecken verbreiten würde?»

Die mit heisser Nadel gestrickte Medienmitteilung der SVP hat sicherlich nicht nur sprachlich viel Luft nach oben. Sie beteiligt sich an dem Drecksspiel, wenn jeweils das Feindbild ein Verbrechen begangen hat, das dem politischen Gegner in die Schuhe zu schieben, so wie die AfD aushalten muss, dass man eine Verbindung zu ihr über den Mord an einem CDU-Politiker, mutmasslich begangen von einem Rechtsradikalen, herstellt. Aus der mutmasslichen Tat eines Mannes mit eritreischer Herkunft zu schliessen, er habe aus reiner Mordgier gehandelt und sei ein Beweis dafür, dass solche Personen nicht integrierbare Gewalttäter seien, ist hirnrissig.

Der SVP deshalb zu unterstellen, die Mordtat löse nur schlecht verhohlene Freude aus, die einzig dadurch getrübt werde, dass die Untat nicht in der Schweiz erfolgte, ist genauso hirnrissig. Was Loser dabei offensichtlich nicht auffällt: Er macht genau das Gleiche, das er der SVP unterstellt. Er benützt die Mordtat für sein Kalkül, seinem Feindbild SVP eins überzubraten.


René Zeyer ist Inhaber von Zeyer Kommunikation in Zürich. Er ist Publizist (BaZ, «SonntagsZeitung», «Weltwoche», NZZ) und Bestsellerautor.

Der Autor vertritt seine eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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