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: In Cannes ist es wie an der Uni

Es ist noch nicht lange her, da konnte sich stolz und glücklich schätzen, wer als erster eine Cannes Rolle im VHS Format besass und diese dem staunenden Publikum, nota bene erst Monate nach dem Festival, vorführen konnte. Heute kann jeder das Festival live verfolgen: Die Shortlist, die Gewinner, die Vorträge, die Workshops etc. Warum also überhaupt den Stress auf sich nehmen und an die Côte pilgern? Die wichtigen Informationen hole ich mir sowieso am Abend im Hotel über das Internet. Und das kann ich ja gerade so gut von Zuhause aus. Stimmt alles, nur den spontanen Kontakt zu Branchenkollegen, das kann mir das Internet nicht bieten.

Es kommt wir ein wenig vor wie an der Uni: Das Wissen muss ich mir zuhause im stillen Kämmerchen oder in der Bibliothek aneignen, Vorlesungen sind eh für die Füchse, aber das Wichtigste sind und waren die Cafépausen, die zahllosen Anlässe, Events und Partys, wo man die wirklich wichtigen Informationen und Kontakte für die Praxis knüpfen konnte. Was heisst das für Cannes? Man muss dort sein, man darf Vorträge und Workshops selektiv besuchen, man sollte aber jede Gelegenheit zum Netzwerken und für den Austausch nutzen. "Talk to a stanger" wird auf der Cannes Lions Website empfohlen. Und genau das werde ich machen! Watch out – strangers!

Was vor 62 Jahren als Werbefilmwettbewerb begann, zählt heute 21 Kategorien, verteilt auf die drei Festivalsäulen Lions Health, Cannes Lions und Lions Innovation. Der Film gilt aber immer noch als Königsdisziplin. Die Aufteilung des Anlasses in drei Bereiche trägt dazu bei, das Kategorien Wirrwarr zu begrenzen. Schade wäre allerdings, wenn als Folge allzugrosser Fragmentierung die branchenübergreifende Befruchtung leiden würde.

Bemerkenswert ist die Entwicklung der Lions Innovation. Vor wenigen Jahren wurde die Eigendynamik, die Google, Facebook, Spotify & Co entwickelt haben, bedauert. Die Technologie schien die Kreativität zu verdrängen. Heute wird erkannt, dass genau diese Technologie die Grundlage für die neue Kreativität bildet, zusammen mit Daten und Analysetools. Was bedeutet das für das Berufsbild des Kreativen? Halten jetzt die Supernerds Einzug in den Ateliers? Wir dürfen in diesem Jahr diese Entwicklung mit grosser Spannung mitverfolgen und neue Impulse mitnehmen.

Alex Schmid ist Standortleiter von Dachcom Dialog. Er ist in diesen Tagen in Cannes, am internationalen Werbefestival.

 

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