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M wie Mammut

Pierre Rothschild

Migros-Schlagzeilen überall. Da wurde für einmal keine grosse Kommunikationsarbeit geleistet, denn im Jahresbericht der Migros kann jeder lesen: «Die flüssigen Mittel der Migros-Gruppe beliefen sich per 31. Dezember 2017 auf 6327 Millionen Franken und nahmen währungsbereinigt um 163 Millionen Franken ab (31. Dezember 2016: 6490 Millionen Franken).» Da würden alle Schweizer Verlage vor Freude wohl ohnmächtig, hätten sie so eine Liquidität.

Aktuell spricht man von 290 Stellen, die man abbaut – immerhin arbeiten für den M-Riesen 105'500 Personen. Man will mit dem Programm «Fast Forward» Abläufe optimieren – aber braucht das so viele Schlagzeilen? Nein, natürlich nicht.

Die Migros ist glänzend aufgestellt und das hat sie Herbert Bolliger zu verdanken. Der kluge Mann vom Limmatplatz hat wesentliche und grosse Dinge hinterlassen, schon zwei Namen zeigen es: Denner, ein Juwel und der Zugang zum Schweizer Discount-Markt; Digitec Galaxus, ein Leader im Schweizer Online-Markt. Bolliger war einer der allerbesten Migros-Chefs der letzten Jahrzehnte. Auch wenn für einmal die Zahlen nicht glänzen – er hat Spitzenarbeit geleistet.

Die Migros hat ein grosses Problem, das nichts, aber auch gar nichts mit Margen und Märkten zu tun hat: Die Autonomie der regionalen Genossenschaften. Diese können schalten und walten – oftmals am Limmatplatz «vorbei». Da gründet die Migros Aare die Thaikette «Cha Cha», aus der Ostschweiz kommt die «Chickeria». Und vor Jahren überraschten die Zürcher Migros-Leute mit dem Kauf der deutschen Supermarktgruppe Tegut, immerhin 290 Filialen mit 5000 Mitarbeitern.

Die regionalen Genossenschaften machen den Alltag am Limmatplatz kompliziert – und an dieser Struktur muss gearbeitet werden. Das ist schwerer als Kündigungen auszusprechen und Werbefranken zu reduzieren. Eine Einsparung, die so gar nicht zur Migros-Philosophie passt. Es geht um eine zeitgemässe Struktur. Das ist die M-Aufgabe der Zukunft. M wie Mammut.



Pierre Rothschild ist freier Medienunternehmer in Zürich in den Bereichen Filmproduktion und Presse.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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