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Mediale Chancen in Zeiten der Corona-Pandemie

Tanja Hackenbruch

Die Corona-Pandemie bedroht die physische und psychische Gesundheit der Schweizer Bevölkerung. Sie führt zu grosser Verunsicherung und einem verstärkten Bedürfnis nach Halt und Information. Mit den Schutzmassnahmen des Bundes wird unser Alltag durcheinandergewirbelt. Wir erleben Reiseeinschränkungen, WC-Papier-Knappheit, Homeoffice, Social Distancing und Homeschooling. Selbstverständlich leiden nicht alle sozioökonomischen Milieus sowie Berufsgruppen gleichermassen, dennoch trifft es uns irgendwie alle.

Allerdings gilt es zu sagen, dass es nicht nur negative Auswirkungen der Krise gibt. Ein Beispiel dafür ist das Erstarken der Medien Radio und Fernsehen: Wie unsere Daten zeigen, hat sich der Konsum von Radio und TV in den jeweiligen Hauptnutzungszeiten gesteigert (verglichen wurden die zwei Wochen vor dem Lockdown und die zwei Wochen danach). Dabei werden vor allem Informationssendungen aller Art verstärkt nachgefragt. Damit zeigt sich die Wichtigkeit der Schweizer Medien für die Schweizer Bevölkerung und das grosse Vertrauen, das Radio und TV geniessen.

Dies ist vor allem eine beeindruckende Leistung der Radiosender, schalten doch viele Leute normalerweise «automatisch» das Radio ein, wenn sie mit dem Auto zur Arbeit fahren. Jetzt, wo viele im Homeoffice bleiben müssen und die Strassen leergefegt sind, schalten die Leute offensichtlich gezielt das Radio ein, um mit aktuellen News versorgt zu werden. Vor allem zur Mittagsstunde sind die Reichweiten im Radio deutlich höher als vor dem Lockdown. Die gesteigerte Nutzungszeit pro Radiohörer ist zusätzlich ein schöner Beweis für die Bindung der Hörerinnen und Hörer an die jeweiligen Sender.

Aus werblicher Sicht stellt diese Nutzungsveränderung eine bedeutende Chance dar. Denn sowohl Radio wie auch TV haben in ihrer Hauptnutzungszeit höhere Reichweiten zu verzeichnen als zuvor. Wirbt man also im Radio in den Morgen- und Mittagsstunden und im TV in den Abendstunden, so kann man deutlich mehr Personen erreichen als vor der Krise. Und dies in Umfeldern, die Sicherheit und Vertrautheit vermitteln.

Nicht zuletzt stehen aus unseren Radio- und TV-Messpanels stets aktuelle Daten zur Verfügung, welche auch kurzfristige Nutzungsveränderungen aufzeigen können und damit die Leistung der Werbeinvestitionen effektiv abbilden und absichern. In anderen Märkten sind diese Zahlen statisch und können in aussergewöhnlichen Zeiten keine aktuellen Aussagen zur Veränderung der Nutzung machen.

Es bleibt zu hoffen, dass die positiven Effekte der Pandemie für die Medien Radio und TV anhalten werden. Schliesslich haben sie ja in dieser Krise bewiesen, was sie können: Aktuelle, zuverlässige und vertrauenswürdige Informationen liefern, aber auch Unterhaltung in schwierigen Zeiten.



Die Medienforschungsspezialistin Dr. Tanja Hackenbruch ist CEO von Mediapulse und Verwaltungsrätin von Net-Metrix.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

 

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